Währungsmarkt

Immer mehr Privatanleger engagieren sich in Devisen

Von Benedikt Fehr

08. März 2007 Nicht nur Hedge-Fonds, auch immer mehr Privatanleger engagieren sich an den Devisenmärkten. Das belegt der Fonds „DWS Forex Strategy“ der Fondsgesellschaft DWS: Ihm sind im vergangenen Jahr netto 2,2 Milliarden Euro zugeflossen, das war der zweithöchste Mittelzufluss aller deutschen Fonds.

„Das Investieren in Währungen gewinnt an Bedeutung“, kommentiert Björn Pietsch, ein Währungsfondsmanager der DWS. Für einen Teil der Anleger geht es dabei darum, auf vermutete Wechselkursentwicklungen zu spekulieren. Andere hingegen mischen die Anlageklasse „Währungen“ ihrem Depot bei, um dieses stärker zu diversifizieren.

Den Anlegern steht eine große Auswahl an Instrumenten für Engagements in Währungen zur Verfügung. Ein klassischer Weg ist, bei der Hausbank einen Kredit in Euro aufzunehmen, den Betrag in eine höher verzinsliche Währung zu tauschen und auf einem Fremdwährungskonto anzulegen. So kann man sich den höheren Zins sichern. Der Anleger geht freilich gleichzeitig ein Wechselkursrisiko ein: Wertet die Fremdwährung während der Laufzeit des Geschäfts zum Euro ab, kann die Spekulation zu einem Verlust führen. Wertet die Fremdwährung hingegen auf, kommt zum Gewinn aus der Zinsdifferenz ein Währungsgewinn hinzu.

Viel Zulauf trotz hohen Risikio

Viele Kreditinstitute sind allerdings nicht gerade begeistert, wenn einfache Privatanleger solche Spekulationsgeschäfte über sie abwickeln wollen. Doch gibt es inzwischen auch Internetplattformen, über die man an den Devisenmärkten spekulieren kann. Die Geschäfte sind zum Teil hochriskant mit großem Kredithebel.

Bei der FX Direktbank zum Beispiel beträgt die Mindesteinlage 4000 Euro. Damit kann man via Internet in 35 Währungspaaren Positionen von bis zu 400.000 Euro aufbauen, also zum Beispiel 400.000 Euro gegen Dollar verkaufen und damit auf eine Aufwertung des Dollar zum Euro spekulieren. Wertet der Dollar allerdings vorübergehend um einige zehntel Cent ab, kann ein Großteil des eingesetzten Kapital schlagartig verspielt sein.

Trotz dieser hohen Risiken finden die Online-Devisenhandelsplattformen offenbar viel Zulauf. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Kunden um 170 Prozent gestiegen, sagt Rainer Spekowius, ein Sprecher der FX Direktbank, die sich selbst als deutscher Marktführer in diesem Marktsegment sieht. Ähnliche Internetplattformen betreiben unter anderen auch die Saxo-Bank und Oanda.

Mit der Gewinnchance steigt das Risiko

Die Anlageberater der Kreditinstitute legen Kunden, die sich am Devisenmarkt engagieren wollen, eher Investmentfonds ans Herz. Inzwischen gibt es eine breite Palette solcher Fonds, mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen. Der Fonds „DWS Forex Strategy“ beispielsweise spekuliert auf Wechselkursbewegungen, um eine Anlage am Geldmarkt etwas aufzubessern.

Ziel sei eine Jahresrendite in Höhe des Euro-Tagesgeldzinses Libor plus 200 Basispunkten, sagt DWS-Fondsmanager Pietsch - und dies bei geringem Risiko. Im vergangenen Jahr hat dieser Fonds nach Verwaltungsgebühren 4,7 Prozent erzielt. Oft werde er als Beimischung zu Depots genutzt, sagt Pietsch. Denn Wechselkurse entwickelten sich nach aller Erfahrung unabhängig von den Aktien- und Anleihemärkten und könnten deshalb dazu beitragen, die Wertentwicklung eines Portefeuilles zu stabilisieren.

Auch Anleger, die etwas spekulativer ausgerichtet sind, werden bei Fonds fündig. Ein Beispiel ist der „DWS Hedge Long/Short Currency“. Dieser Hedge-Fonds strebt eine Rendite in Höhe von Libor plus 500 Basispunkten an - allerdings bei höherem Risiko. Auf diesen Fonds gibt es seit Oktober zwei Zertifikate. Das eine folge dem Fonds „eins zu eins“, erläutert Pietsch. Bei dem anderen wird der Anlagebetrag durch Kreditaufnahme verdoppelt. Dadurch steigt die Gewinnchance - freilich bei noch einmal erhöhtem Risiko.

Der Verlust ist auf den Kaufpreis begrenzt

Über die Zertifikate spreche man diejenigen Privatanleger an, die „Selbstentscheider“ seien, sagt DWS-Sprecherin Anke Hallmann. Auch eine Reihe weiterer Banken bietet inzwischen Zertifikate an, mit denen sich - in vielen Varianten - auf Zinsdifferenzen oder Wechselkursbewegungen setzen lässt. Alternativ können Anleger auch mit Optionsscheinen auf Währungsentwicklungen spekulieren.

An der Börse in Stuttgart sind derzeit mehr als 3500 Währungs-Optionsscheine notiert. Mit rund 1300 dieser Scheine kann man auf den Euro-Dollar-Kurs setzen, à la baisse und à la hausse, mit unterschiedlichen Basispreisen und Laufzeiten.

Auch für alle anderen großen Währungspaare gibt es Optionsscheine. Für alle diese Papiere gilt: Der Verlust ist auf den Kaufpreis begrenzt, das Gewinnpotential ist hingegen unbegrenzt. Allerdings sind die Kaufpreise typischerweise so hoch, dass es nur bei starken Wechselkursbewegungen zu einem Gewinn kommt. Neben den klassischen Optionsscheinen werden in Stuttgart mehr als 1100 „Knock-out“-Produkte auf Währungen gehandelt. Diese Papiere bieten größere Gewinnchancen - allerdings bei deutlich höherem Risiko eines Totalverlusts des eingesetzten Kapitals.

Text: F.A.Z.

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