Devisenmarkt

Anhaltende Inflation dürfte den Yuan weiter aufwerten lassen

24. Januar 2008 Chinas Wirtschaft ist im Jahr 2007 um 11,4 Prozent im Vergleich zu 2006 gewachsen, teilt die Statistikbehörde des Landes am Donnerstag mit. Das ist die höchste Wachstumsrate seit 13 Jahren.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen hat die Volksrepublik damit 2007 für 17 Prozent des weltweiten Wachstums gesorgt - genauso viel wie die Vereinigten Staaten. Noch in diesem Jahr könnte China Deutschland vom dritten Platz der weltweit größten Volkswirtschaften verdrängen, heißt es weiter.

Wirtschaftswachstum in China etwas rückläufig

Im Schlussquartal des vergangenen Jahres war das Bruttoinlandsprodukt um 11,2 Prozent gewachsen, nach 11,5 Prozent im dritten Quartal. Gleichzeitig schwächte sich das Exportwachstum in den letzten drei Monaten des Jahres auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2002 ab. Grund hierfür waren vor allem eine sinkende Nachfrage aus den Vereinigten Staaten sowie die Abschaffung von Exportanreizen. „Die Volkswirtschaft sieht sich noch immer außergewöhnlichen Problemen gegenüber. Dazu gehören ein mögliches Überhitzen der Wirtschaft und ein steigender Inflationsdruck“, warnte die Statistikbehörde.

Die Inflation war zwar im Dezember auf 6,5 Prozent gesunken, noch im November lag sie mit 6,9 Prozent auf einem 11-Jahres-Hoch. Bezogen auf das Gesamtjahr legten die Verbraucherpreise jedoch um 4,8 Prozent zu - und damit dreimal so schnell wie 2006. Mit zahlreichen Maßnahmen hatte Peking zuletzt versucht, den Preisanstieg in den Griff zu bekommen. Für viele Grundnahrungsmittel wurden Preiskontrollen eingeführt. Nach Angaben der Weltbank leben 300 Millionen Chinesen in Armut. Die Inflation „entwickelt sich schnell von einem Problem unter vielen zu einer Bedrohung für die soziale Stabilität“, sagte Michael Kurtz von Bear Stearns in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Um den Preisanstieg in den Griff zu bekommen, könnte China die Zügel bei der Kreditvergabe anziehen. Das würde allerdings das Wirtschaftswachstum bedrohen. „Eine zu starke Verschärfung bei einer gleichzeitigen Rezession in den Vereinigten Staaten wäre ein doppelter Schlag für die Weltwirtschaft“, sagte Wang Qing, Chefvolkswirt für China bei Morgan Stanley in Hongkong.

Yuan dürfte weiter aufwerten

Beobachter halten eine Aufwertung des Yuan für den Schlüssel im Kampf gegen ein Überhitzen der Wirtschaft und gegen die Inflation. Eine stärkere Währung würde die Importkosten senken, die Exportpreise anheben und den Geldzufluss aus dem Handelsbilanzüberschuss drosseln.

Im Jahr 2007 hatte der Yuan gegenüber dem amerikanische Dollar um sieben Prozent zugelegt. „Der Yuan sollte schneller an Wert gewinnen dürfen, um mit dem Überschuss an Liquidität und der Inflation zu recht zu kommen“, sagte Frank Gong von JPMorgan Chase am Donnerstag. Die Devisenanalysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die chinesische Währung gegen den Dollar auf Sicht von zwölf Monaten etwa zehn Prozent aufwerten wird. Sie rechnen ferner mit einer anhaltend restriktiven Geldpolitik im Reich der Mitte.

Diese Währungsentwicklung mag für die Vereinigten Staaten befriedigend sein. Für die Europäer ist sie es wohl kaum. Denn gegen den Euro hat die chinesische Währung in den vergangenen Monaten deutlich abgewertet, obwohl der Handelsbilanzüberschuss Chinas mit Europa gleichzeitig deutlich zu genommen hat. Hier würde sich die Entwicklung nur dann entspannen, wenn sich der Dollar künftig gegen die europäische Einheitswährung erholen sollte.

Angesichts der inflationären Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank scheint das kurzfristig nur bedingt wahrscheinlich zu sein. Das könnte sich jedoch dann ändern, wenn die Vereinigten Staaten in eine ausgeprägte Wirtschaftskrise geraten und die globale Konjunktur nach unten ziehen sollte. In diesem Falle dürften die amerikanischen Anleger ihre internationalen investierten Gelder zurückholen und auf diese Weise den Dollar beflügeln, obwohl dieser geld- und fiskalpolitisch so geschwächt wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET, National Bureau of Statistics (NBS), CEIC, Goldman Sachs Economics Research, NBS, CEIC, Goldman Sachs Economics Research

 

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