22. Mai 2007 Jahrelang herrschten am Kaffeemarkt Überschüsse. Die Preise sanken auf ein Niveau, das die Erzeugungskosten kaum decken konnte. Der Anreiz, neue Sträucher zu pflanzen, war entsprechend gering.
Die Folgen sind jetzt zu spüren: Inzwischen übersteigt die Nachfrage das Angebot, die Vorräte sinken. Dieses Jahr könnten weltweit acht Millionen Sack Kaffee (à 60 Kilo) fehlen, prognostizierte die Weltkaffeeorganisation ICO vergangene Woche. Ernteausfälle schlagen entsprechend deutlich auf den Preis durch.
Brasilien der mit Abstand wichtigste Exporteur
Weltweit werden zwei große Kaffeesorten angebaut: Die milderen Arabica-Bohnen mit einem Weltmarktanteil von etwa zwei Dritteln, die überwiegend in der westlichen Hemisphäre gezogen werden, und die kräftigeren Robusta-Bohnen, die vor allem den heißen Ebenen Asiens und Afrikas wachsen.
Brasilien (vor allem Arabica) ist mit Abstand der größte Produzent, das Land exportierte der ICO-Statistik zufolge im vergangenen Jahr 35 Prozent des weltweiten Kaffees. Vietnam (Robusta) folgt mit einem Anteil von 12,4 Prozent, Kolumbien macht gut zehn Prozent aus. Der Weltmarktpreis für Arabica-Kaffee bildet sich vor allem in New York, der von Robusta in London.
Niedrige Ernte in Brasilien prognostiziert
Der Arabica-Future zur Lieferung im Juli gewann jüngst deutlich an Wert, nachdem Wetterberichte tiefere Temperaturen in wichtigen brasilianischen Anbauregionen prognostizierten. Das könnte die Ernte drücken. Noch aber ist kein Frost vorhergesagt, der die Sträucher schädigen würde. Frost im brasilianischen Winter ist in diesen Gegenden zwar selten. Wenn er aber kommt, können die Folgen noch jahrelang zu spüren sein.
Die Landwirte in den wichtigsten Anbauregionen Brasiliens werden in diesem Jahr 18,8 Millionen Sack Kaffee ernten, prognostiziert das Agrarministerium. Im vergangenen Jahr waren es noch 28,7 Millionen Sack. In Brasilien folgt aus zyklischen Gründen auf ein gutes Erntejahr meist ein schwaches. Schlechtes Wetter kann diesen Effekt natürlich deutlich verstärken.
Auch Ruandas Produktion wird wohl sinken
Auch in manchem kleineren Exportland verschärft sich die Situation: In Ruanda könnte die Arabica-Ernte in diesem Jahr 20 Prozent niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr, teilte das Rwanda Coffee Board am Dienstag mit. Die Organisation sprach von 20.000 statt 25.000 Tonnen im Vorjahr. Verantwortlich dafür sei die Trockenheit im Oktober und November.
Dank höherer Qualität sei es aber möglich, den Export gewaschener Bohnen auf 8000 Tonnen mehr als zu verdoppeln. Der gesamte Export soll bis 2010 auf 45.000 Tonnen im Jahr steigen. 2005 exportierte das Land 18.399 Tonnen.
Leere Lager in Vietnam
Der Arabica-Preis dürfte aber eher aus einem anderen Grund weiter steigen: Die Robusta-Futures in London ist in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 50 Prozent gestiegen, vor allem weil das Angebot aus Vietnam sehr knapp ausfällt. Darum, so die Überlegung, sollte die Nachfrage nach Arabica steigen.
In den Vorratshäusern Vietnams lagert derzeit nur ein Zehntel der jährlichen Ernte, teilte die vietnamesische Kaffer- und Kakao-Organisation jüngst mit. Diese Aussicht scheine eine gute Grundlage für eine Rally zu sein, zitiert Bloomberg Greg Perlin, einen Marktstrategen und Futurehändler bei Lind-Waldock in Chicago.
Auch Indonesien, der zweitgrößte Robusta-Produzent, kann die geringeren Lieferungen aus Vietnam wohl nicht wettmachen. Die dortige Produktion könnte um 25 Prozent auf 300.000 Tonnen sinken, warnte RedTower im vergangenen Monat in einer Studie.
Hoher Spekulanten-Anteil
Immer mehr Spekulanten wetten auf eine Robusta-Rally und trieben den Preis inzwischen auf ein Acht-Jahreshoch bei 1747 Dollar je Tonne. Die Long-Positionen liegen inzwischen bis zu 50 Prozent über dem Durchschnitt, schätzen Beobachter in London.
Es sprechen also gute Gründe für eine Kaffee-Rally. Doch der hohe Anteil an Spekulanten zeigt, dass sich die Vorzeichen am Kaffeemarkt schnell drehen können, wenn die wichtigen Erzeugerländer andere Nachrichten verbreiten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: Bloomberg, REUTERS
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