09. Oktober 2007 Manchmal geht ein Plan nicht auf, aber das angestrebte Ziel wird dennoch erreicht. So ist es nun Jean-Claude Juncker ergangen, dem luxemburgischen Premierminister und Präsidenten der Euro-Gruppe.
Zwar ist es ihm nicht gelungen, die Euro-Gruppe – also die Finanzminister der Euro-Länder – auf eine einheitliche Linie einzuschwören, derzufolge die Aufwertung des Euro zum Dollar als schädlich für die europäische Wirtschaft zu bekämpfen sei. Doch schon das laute Nachdenken über diese Frage hat den Euro gedrückt: Am Dienstag wurde die Gemeinschaftswährung nur noch mit knapp 1,41 Dollar gehandelt, rund 2 Cent niedriger als auf dem Rekordhoch von 1,4281 Dollar acht Tage zuvor.
Eine stärkere Aufwertung des Yuan ist nötig
Zum G7-Treffen der sieben führenden Industrienationen Ende kommender Woche in Washington reisen die Europäer nun ziemlich genau mit der Position, welche die G7 schon seit längerem vertreten hat – insofern nichts Neues. Die vor allem von französischer Seite vorgetragenen Vorschläge, den Euro durch politische Maßnahmen zu schwächen, fanden somit in der Euro-Gruppe keine ausreichende Unterstützung. Um den Franzosen entgegenzukommen, soll nun aber eine hochrangig besetzte Delegation nach China reisen. Ziel der Mission: Die dortige Regierung soll dazu bewogen werden, eine stärkere Aufwertung des Yuan zuzulassen.
Hintergrund ist, dass die chinesische Regierung den Außenwert ihrer Währung streng kontrolliert. Durch permanente Interventionen an den Devisenmärkten stellt sie sicher, dass der Yuan unterbewertet bleibt und dadurch der chinesischen Wirtschaft Vorteile verschafft. Tatsächlich floriert der chinesische Export – nicht zuletzt mit dem Euro-Raum: Im ersten Halbjahr 2007 betrug dessen Handelsdefizit mit China 50,4 Milliarden Euro, nach 41,3 Milliarden Euro in der gleichen Periode 2006. Das weckt gemischte Gefühle: Die Verbraucher kaufen die billigen Waren aus China gerne, während die Arbeitnehmer den Wettbewerbsdruck beklagen.
Im Prinzip kann jedes Land frei wählen, ob es seine Währung frei schwanken oder an eine andere Währung koppeln will. Allerdings ist es nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) verboten, Wechselkurse mit dem Ziel zu manipulieren, sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Amerikanische Politiker werfen dies den Chinesen schon seit langem vor, die amerikanische Regierung hat aber stets davor zurückgescheut, China offiziell als Währungsmanipulator mit unlauteren Absichten zu bezeichnen.
Rasch wechselnde Stimmung am Devisenmarkt
Um den Kritikern der chinesischen Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Peking den Yuan im Juli 2005 an einen Währungskorb gebunden und lässt ihn seither zum Dollar ganz langsam aufwerten. In gut 26 Monaten hat der Yuan zum Dollar so etwa 9 Prozent an Wert gewonnen. Zum Euro hat der Yuan in letzter Zeit hingegen an Wert verloren: Mussten Anfang des Jahres noch 10,10 Yuan für einen Euro gezahlt werden, so inzwischen 10,56 Yuan. Allerdings: Ende 2004, als der Yuan noch fest an den Dollar gekoppelt war, hat der Euro in der Spitze sogar 11,31 Yuan gekostet. Ob es den Europäern gelingt, die chinesische Regierung zu einem Umlenken zu bewegen? Große Erfolge sind kaum zu erwarten. Abgesehen davon liegt der wichtigste Vorteil der chinesischen Wirtschaft nicht im Wechselkurs, sondern in den niedrigen Löhnen. Daran aber wird sich so rasch nichts ändern.
Abgesehen von den verbalen Attacken einiger europäischer Politiker auf die Euro-Stärke hat die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Tagen etwas belastet, dass die Aussichten auf eine weitere Senkung des Dollar-Leitzinses gesunken sind. Nach den jüngsten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt scheint die Konjunktur so gut in Schwung, dass sie keiner weiteren Stimulierung durch niedrigere Leitzinsen bedarf. Damit dürfte der Zinsvorsprung des Dollar gegenüber dem Euro nicht so stark schrumpfen wie zuletzt erwartet. Das erhöht die Attraktivität der amerikanischen Währung und belastet im Gegenzug den Euro. Neue Konjunkturdaten könnten die Stimmung freilich rasch wieder drehen lassen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Economics@ANZ, FAZ.NET