14. Dezember 2007 Hatte die japanische Börse bei der Vorlage des Tankan-Berichts der japanischen Zentralbank (BoJ) zur Stimmungslage der Unternehmen im Lande schon geschlossen und konnte aus diesem Grund nicht mehr darauf reagieren, so verbucht der Yen dagegen deutliche Kursverluste, zumindest gegen den Dollar.
Waren am Donnerstag im professionellen Handel noch 112,12 Yen nötig gewesen, um eine Einheit der amerikanischen Währung erwerben zu können, so sind am Freitag dafür 112,80 Yen nötig. Das ist ein Kursplus von 0,6 Prozent innerhalb weniger Stunden. Damit setzt die japanische Währung die Gegenbewegung zur vorhergehenden Aufwertung fort.
Enttäuschender Tankan bringt den Yen leicht unter Druck
Neben einer technischen Korrektur scheint der Tankan.Bericht als gutes Argument für den kurzfristigen Verkauf des Yen herhalten zu können. Denn die Wirtschaftsstimmung in der japanischen Industrie hat sich in den drei Monaten Oktober bis Dezember stärker als erwartet eingetrübt. In den Betrieben wuchsen die Besorgnisse über eine Konjunkturabschwächung in Japan, die die Folge der globalen Kreditkrise sein kann, heißt es.
Der Index für Großunternehmen der Industrie verringerte sich auf 19 von 23 im vorigen Tankan-Bericht. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 21 prognostiziert. Für Großunternehmen des Dienstleistungsbereichs wurde ein Indexrückgang auf 16 von 20 ausgewiesen. Beobachter sagten, die Daten dürften die Erwartungen bestärken, dass die BoJ ihren Zinserhöhungszyklus nicht so bald fortsetzen werde. Bei der Zinsentscheidung in der kommenden Woche wird allgemein ein unverändertes Zinsniveau erwartet.
Auch für die nächsten Monate zeigten sich die Unternehmen wenig zuversichtlich: Für den Tankan-Report im März des Jahres 2008 sagen sowohl die Industriebetriebe als auch die Dienstleistungunternehmen einen weiteren Indexrückgang auf voraus. Für den Tankan-Bericht - die Bezeichnung steht für Untersuchung zur kurzfristigen Konjunktureinschätzung der Unternehmen - wurden 10.671 Betriebe befragt. Der Diffusionsindex zur Wirtschaftsstimmung misst die Differenz zwischen den Unternehmen, die angeben, dass ihre Geschäftslage günstig ist und jenen Betrieben, die ihre Lage eher als ungünstig einschätzen.
Die Lage ist besser, als sie scheint
Allerdings dürften für die Kursverluste des Yen gegenwärtig weniger die vorgelegten Zahlen als vielmehr eine allgemeine Renaissance des Dollars verantwortlich sein. Immerhin zeigt der Blick auf die Entwicklung der Umfragewerte, dass immer noch eine große Mehrheit der mittleren und großen japanischen Unternehmen recht optimistisch in die Zukunft blickt. Gleichzeitig befinden sich die Verhältnisse von Gewinn zu Umsatz noch auf hohen Niveaus und die allgemeine Finanzsituation ist noch komfortabel.
Erfreuliche Antworten kamen bei Teilfragen. Die Absatzperspektiven, die Gewinnerwartungen und die Investitionspläne für das Fiskaljahr 2007 wurden allesamt nach oben korrigiert, heißt es in einer Kurzanalyse der Dekabank. Insgesamt stimme das zuversichtlich für die japanische Wirtschaftsentwicklung. Eine ausgeprägte Konjunkturdelle aufgrund der Kreditkrise sei in Japan nach wie vor unwahrscheinlich.
Allerdings muss man schon sehen, dass sich die Konsumentenstimmung in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert hat. Aus diesem Grund scheint ein überraschend starkes Wachstum zunächst unwahrscheinlich zu sein. Aus diesem Grund bietet der Yen gegenwärtig kaum Zinsphantasie, auch wenn höhere Zinsen zu steigenden Zinseinnahmen bei den vermögensreichen Japanern führen würden und auf diese Weise den Konsum ankurbeln könnten. Allerdings rechnet im Moment niemand ernsthaft damit.
Auf der anderen Seite könnte der Yen von Repatriierungsströmen profitieren, wenn japanische und internationale Anleger aufgrund der anhaltenden Volatilität an den internationalen Finanzmärkten die so genannten Carry Trades reduzieren sollten.
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Text: @cri
Bildmaterial: Bak of Japan, Bank of Japan, Erste Bank, FAZ.NET, Sarasin
