30. Oktober 2006 Kupfer war Anfang des Jahres das Boom-Metall schlechthin, derzeit gebührt diese Ehre wohl dem Zink. Am Montag erreichte das Industriemetall mal wieder ein Rekordhoch, nachdem die Lager nach Angaben der Londoner Metallbörse so leer sind wie seit 15 Jahren nicht mehr (siehe auch: Zinkpreis auf Rekordhoch).
Ein wenig im Schatten steht ein Metall, das derzeit auch immer teurer wird: Zinn. Zinn war 2004 der große Gewinner an der Londoner Metallbörse (LME), im vergangenen Jahr dagegen ging es steil bergab - der Preis fiel auf etwa 6.000 Dollar die Tonne.
Anfang dieses Jahres aber ging es genauso steil wieder bergauf, das Hoch aus dem Jahr 2004 war schnell übertroffen. Nach einer Korrektur im Mai und Juni zeigt der Trend inzwischen wieder nach oben. Erstmals seit 1989 überwand der Preis Mitte Oktober die Marke von 10.000 Dollar. Am Montag verlor Zinn an der LME zwar 75 Dollar je Tonne, kostete aber immer noch 10.275 Dollar.
Chinas Zinn-Verbrauch steigt rasant
Der Sprung über die Marke von 10.000 Dollar fällt zusammen mit dem jüngsten Bericht des International Tin Research Institute (ITRI). Das Institut rechnet damit, daß der Zinnverbrauch in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent auf ein Rekordniveau von 367.000 Tonnen steigen wird.
Im ersten Halbjahr stieg der Verbrauch im Vergleich zur Vorjahresperiode um 18,6 Prozent. Allein Asien konsumierte 26,8 Prozent mehr Zinn, in Europa beträgt das Plus 12 Prozent. In Nord- und Südamerika nahm der Verbrauch nur um 4,2 Prozent zu. Hauptgrund für den Boom sei die steigende Nachfrage nach bleifreien Lötmetallen. Auch neue Regeln der EU über gefährliche Stoffe in Elektronikprodukten wirkten stützend.
China ist inzwischen mit Abstand der größte Verbraucher. Der Zinn-Konsum der Volksrepublik stieg im ersten Halbjahr um 34 Prozent auf fast 62.000 Tonnen. China wird in diesem Jahr etwa jede dritte Tonne Zinn konsumieren.
Indonesien will Minen stärker regulieren
Für den Rest des Jahres und 2007 rechnen die Analysten von CRU, die die Studie für das Zinn-Institut erstellt haben, mit einer langsamer steigenden Nachfrage.
Sie vermuten zum einen, daß im ersten Halbjahr die Zinn-Lager gefüllt wurden, und verweisen zum anderen auf eine mögliche Abschwächung der Weltwirtschaft. In diesem Jahr sollte der Markt etwa ausgeglichen sein, im kommenden Jahr erwarten die Analysten ein kleines Defizit von 5.000 bis 6.000 Tonnen.
Das ITRI lobt Indonesiens Bemühungen, die Zinn-Minen im Land stärker zu regulieren. Indonesien ist der weltgrößte Zinnproduzent. Kleine, unabhängige Schmelzen produzieren das silberweiß glänzende Schwermetall, ohne die internationalen Standards zum Umwelt- und Gesundheitsschutz einzuhalten. Das ist ein lokales Thema, hat aber Bedeutung für den Weltmarkt, schreibt das ITRI.
Löten als wichtigster Einsatzbereich
In einigen industriellen Anwendungen konnte das Schwermetall in den vergangenen Jahren durch günstigeres Aluminium verdrängt werden. Als Legierungsbestandteil ist es aber nicht so einfach zu ersetzen.
Die bekannteste Anwendung dürfte die Legierung mit Kupfer zu Bronze sein. Wesentlich bedeutender ist aber der Einsatz beim Löten (über ein Drittel des Verbrauchs) und der Weißblechherstellung (knapp ein Drittel).
Eingesetzt wird Zinn auch in der Flachglasherstellung, in LCD-Anzeigen und als Stabilisator des Kunststoffs PVC. Zinnverbindungen finden sich außerdem in Amalgamen zur Zahnfüllung und in Pestiziden und Desinfektionsmitteln. Auch Euro-Münzen enthalten das Schwermetall.
Zinn bietet - kurzfristig - noch Phantasie
Ein neues Hoch ist aus charttechnischer Sicht immer eine feine Sache, weil die Notierung dann wichtige Widerstände überwunden und wieder Luft nach oben hat. Das spricht dafür, daß der jüngste Aufwärtstrend hält und Zinn in den kommenden Wochen teurer wird.
Allerdings scheint bei Zinn schon viel Hoffnung eingepreist zu sein: Die Hoffnung auf ein hartes Durchgreifen der indonesischen Regierung - das übrigens schon häufiger angekündigt war - und die Hoffnung auf eine weiterhin robuste Weltwirtschaft.
Auf Dauer kann der Zinn-Chart nicht so steil nach oben zeigen wie derzeit, das zeigt schon der Blick auf die volatile Vergangenheit. Zumindest kurzfristig aber bietet Zinn noch Phantasie.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
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21:24 21:12Schade, dass außer Leichenzählerei kaum Inhaltliches geboten wird...