Die nächste psychologische Schwelle

Der Ölpreis knackt die 145-Dollar-Marke

03. Juli 2008 Der amerikanische Ölpreis hat am Donnerstag erstmals die Marke von 145 Dollar überschritten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) amerikanisches Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung stieg am Vormittag auf 145,09 Dollar. Das waren 1,52 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Erst am Mittwoch hatte der WTI-Preis bei 144,32 Dollar einen neuen Höchststand markiert. Der Preis für die Nordseesorte Brent überschritt sogar erstmals die Marke von 146 Dollar.

Auf dem asiatischen Markt hatte zuvor der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl zuvor schon die 145-Dollar-Marke geknackt. Ein Fass der Sorte Brent North Sea für die Lieferung im August wurde dort am Donnerstagmorgen für 145,01 Dollar gehandelt.

Als Grund für den ansteigenden Ölpreis nannten Analysten den anhaltend schwachen Dollar und einen unerwarteten Rückgang der amerikanischen Ölvorräte.

90 Prozent der Nachfrage aus den Schwellenländern

Die Situation auf dem Ölmarkt wird sich auch in den kommenden fünf Jahren nicht entspannen, glaubt die Internationale Energieagentur (IEA). In ihrem jüngsten Bericht zu den mittelfristigen Perspektiven auf dem Ölmarkt prognostiziert sie, bis 2013 werde die Ölnachfrage jährlich um 1,6 Prozent zunehmen. Der Tagesbedarf werde von 86,87 Millionen Barrel (à 159 Liter) in diesem Jahr auf 94,14 Millionen Barrel steigen. Das sind allerdings drei Millionen Barrel weniger, als die IEA noch in ihrem letzten Bericht vorausgesagt hatte

Vor allem die Rekordpreise für Energie und eine Abkühlung der Konjunktur dürften eine stärkere Steigerung der Nachfrage verhindern, heißt es in dem Bericht. 90 Prozent der Zusatznachfrage werde aus den Schwellenländern kommen, davon wiederum die Hälfte aus China und Indien, prognostiziert die IEA.

Mittelfristig keine Senkungen

„Wir sehen eine weitere Verlagerung der Nachfrage. 2015 wird der Ölkonsum der Schwellenländer dem der reifen Volkswirtschaften entsprechen“, hatte IEA-Direktor Nobuo Tanaka Anfang der Woche in Madrid gesagt. Das Angebot werde auch steigen, jedoch mit abnehmender Geschwindigkeit. Bis 2010 werde das Angebot jährlich bis 2,5 Millionen Barrel Tagesproduktion zunehmen. Danach werde der Zuwachs unter eine Million Barrel sinken. Das sei deutlich weniger als bisher angenommen. Nach Einschätzung der IEA werde das Ölangebot genau dann sinken, wenn die Ölnachfrage aufgrund besserer Konjunkturdaten wieder zunehme, nämlich 2010. Dieses Szenario verspreche mittelfristig keine Ölpreissenkungen.

Die Bedeutung der Spekulation für die Ölpreisentwicklung schätzt Tanaka als gering ein. „Die Tatsache, dass praktisch alle Produzenten an der Kapazitätsgrenze arbeiten und dass es keine Anzeichen für ungewöhnliche Lagerbildung gibt, ist ein Hinweis darauf, dass die gegenwärtigen Ölpreise von den Marktdaten gerechtfertigt sind“, sagte der IEA-Direktor.



Text: FAZ.NET/jul./F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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