23. März 2007 Der Preis für Weizen fällt seit Oktober vergangenen Jahres. Aber nicht wenige Experten bezeichnen das Geschehen an diesen Märkten als Ruhe vor dem Sturm.
Dieser könnte bereits am 30. März loslegen. An diesem Tag gibt das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) seine erste Schätzung zu den Anbauflächen für die wichtigsten Sommerernten 2007/2008 in Amerika bekannt. Die Zahlen für Weizen dürften weniger ins Gewicht fallen als die für Mais, denn zwei Drittel bis drei Viertel der amerikanischen Weizenproduktion eines Jahres entfallen gewöhnlich auf Winterweizen. Hier steht die Anbaufläche bereits fest. Über den Umfang der Maisfläche kursieren bisher nur Vermutungen, doch wird erwartet, dass sie gegenüber der Vorsaison um mehr als zehn Prozent ausgeweitet wird.
Welche Weizenmengen können letztlich noch für Futterzwecke genutzt werden?
Die Bedeutung der Maisproduktion für Nahrungsgetreide ist deshalb so groß, weil sie bestimmt, welche Weizenmengen letztlich für Futterzwecke genutzt werden. An erster Stelle entscheiden die Preisdifferenzen zwischen Nahrungs- und Futtergetreide über die Verwendung. An zweiter Stelle steht die Qualität des vorhandenen Weizens, über die zu diesem frühen Zeitpunkt noch nichts ausgesagt werden kann. Nach Lage der Dinge ist aber sicher, dass das Bild am Markt für Mais das Geschehen bei Weizen bis weit ins nächste Jahr hinein stark prägen wird.
Das USDA wird erst am 11. Mai seine ersten Prognosen zu Angebot und Nachfrage am Weltmarkt für Weizen in der neuen Saison 2007/2008 vorlegen. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat aber schon vage Voraussagen getroffen. Er erwartet, dass die Weltproduktion im Kalenderjahr 2007 gegenüber dem vergangenen Jahr um 34 Millionen Tonnen auf 624 Millionen Tonnen zunimmt. Statistisch setzt der IGC das Kalenderjahr mit dem Erntejahr gleich. Eine erhebliche Steigerung der Produktion sei in Europa, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), den Vereinigten Staaten von Amerika, Südamerika und Indien zu erwarten. In China werde die Erzeugung hingegen sinken.
Zur laufenden Saison 2006/2007 liegen hingegen bereits weitgehend gesicherte Erkenntnisse vor. Nach dem Stand vom 1. März gibt das USDA die Weltproduktion mit 593 Millionen Tonnen an. Der Verbrauch soll bei 619 Millionen Tonnen liegen, wovon 108 Millionen Tonnen auf Futterweizen entfallen dürften. Daraus errechnet das Ministerium für 2006/2007 einen Schwund des Weltvorrats an Weizen von 147 Millionen Tonnen auf 121 Millionen Tonnen. Im Verhältnis zum Verbrauch ergibt sich ein historisch niedriger Bestandswert. Es gilt als sicher, dass 2007/2008 selbst unter günstigsten Bedingungen kein nennenswerter Wiederaufbau des Vorrats möglich sein wird.
Welt-Weizenvorräte gehen weiter zurück
Bei einem Blick auf das, was den Nahrungsgetreiden bevorstehen könnte, darf besonders in der gegenwärtigen Situation nie vergessen werden, was sich bei Futtergetreide im Allgemeinen und bei Mais im Besonderen ereignet. Hier stehen die Preise zwar auch unter Druck, doch dies gilt nur als Zwischenspiel, das sich mit dem Abbau hoher Kaufengagements der Hedge-Fonds am Terminmarkt für Mais in Chicago erklären lässt.
Bei Reis ist die Lage noch kritischer als bei Weizen. Hier schätzt das USDA die Weltproduktion 2006/2007 auf 415 Millionen Tonnen (Basis Mühlenreis). Der Verbrauch wird mit 418 Millionen Tonnen ausgewiesen. Der Weltbestand soll im Laufe der Saison von 82 Millionen Tonnen auf 79 Millionen Tonnen sinken. Pro-gnosen für 2007/2008 liegen noch nicht vor. Doch die Experten sind sich einig, dass es schon wegen der begrenzten Flächen zum Anbau von Reis nicht möglich sein wird, die Erzeugung hinreichend zu steigern, um von einer entspannten Versorgungslage sprechen zu können. Die Reisbilanz könne nur dann noch einigermaßen im Lot gehalten werden, wenn der Verbrauch auch weiterhin zugunsten besonders von Weizen gedämpft werde, heißt es weithin.
Für spekulative Anleger gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf die Entwicklung zu setzen: Weizen-Optionsscheine und Zertifikate
Text: F.A.Z., 23.03.2007, Nr. 70 / Seite 24
Bildmaterial: Bloomberg, dpa, FAZ.NET
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