Devisenmarkt

G20 treibt den Euro auf 1,50 Dollar

09. November 2009 Ein extrem schwacher amerikanischer Arbeitsmarkt treibt am Montag den Euro in Verbindung mit der Tatsache, dass die G20-Finanzminister bei ihren jüngsten Treffen die Fehlbewertungen am Devisenmarkt mit keinem Wort erwähnt haben, über die Marke von 1,5 Dollar.

Der Dollar-Index, der die Entwicklung der amerikanischen Währung nach Berechnungen der amerikanischen Zentralbank im Verhältnis zu den Handelspartnern zeigt, fällt um etwas mehr als ein Prozent auf 75,02. Das zeigt, dass die amerikanische Währung ihre Abwertungsbewegung weiter fortsetzt und sich in Richtung Allzeittief hinbewegt, welches sie im vergangenen Jahr vor einer kurzen Zwischenerholung aufgrund einer vorübergehenden Dollar-Liquiditätsknappheit bei knapp über 71 markiert hatte.

Die Zentralbanken scheinen an steigenden Vermögenspreisen interessiert zu sein

Die Gründe für diese Schwäche sind leicht auszumachen. Erstens zögern die Zentralbanken mit wenigen Ausnahmen beharrlich, die Zinsen anzuheben und die enormen Mengen an Liquidität aus dem Markt zu nehmen, obwohl sie der Wirtschaft nur wenig bringen und obwohl sie die Banken und Anleger dazu verleiten, trotz aller fundamentaler Gegenargumente große Risiken an den Finanzmärkten einzugehen.

Die großen Zentralbanken scheinen im Kern geradezu an steigenden Vermögenspreise interessiert zu sein um Banken und anderen Finanzunternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Werte in den Bilanzen höher ansetzen und ihre Bilanzen optisch solider aussehen lassen zu können als in den vergangenen Monaten. Entsprechende Effekte zeigten sich nicht nur bei verschiedenen Banken, sondern in den vergangenen Tagen wurden siech auch bei Versicherungsunternehmen offensichtlich. Am Montag bei der Allianz.

Allen voran die amerikanische Zentralbank. Sie hält an der extrem lockeren Geldpolitik fest. Für sie hat die Politik des billigen Geldes eine erwünschte Nebenwirkungen: Die fortgesetzte Dollarschwäche. Denn ein schwacher Dollar macht grundsätzlich amerikanische Importe teurer als bisher. Allerdings nur grundsätzlich. Da China seine Währung mehr oder weniger an den Dollar gekoppelt hat und da viele asiatische Staaten intervenieren, um im Wettbewerb mit China nicht ins Hintertreffen zu geraten, gilt das nur bedingt für Importe aus Asien. Das heißt, die schwache amerikanische Währung hilft nur bedingt, das notorische Handels- und Leistungsbilanzdefizit des Landes auszugleichen.

Der Euro wird von „Dollarflüchtlingen“ gekauft

Dagegen stärkt sie die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft im Verhältnis zu europäischen Konkurrenten, die mit einem starken Euro klarkommen müssen. Der Euro ist nicht an sich stark, sondern sein Kurs wird von jenen Anlegern nach oben getrieben, die sich aus Sorge über den schwachen Dollar in andere Währungen und alternative Wertgegenstände wie Energie- und Rohstoffe flüchten. Das gilt insbesondere auch für jene Staaten Asiens, die ihre Währungen künstlich schwach halten, die auf diese Weise rasch zunehmende Währungsreserven verbuchen und die genau diese nutzen, um Euros, Rohstoffe und anderes zu kaufen, um dem schwachen Dollar zu entgehen.

Über das Wochenende wurde beispielsweise bekannt, dass der Kokusai Global Sovereign Open Fund, der zweitgrößte Rentenfonds weltweit, seine “Europaallokation“ weiter erhöhen will. Schon jetzt hat er mehr als 40 Prozent seiner Mittel in Europa investiert, dagegen weniger als 20 Prozent in Dollarpapieren.

So gesehen ist das Ignorieren des Problems von Seiten der G20-Staaten ein genauso großes Risiko, wie das, zu große Banken zu stützen und geradezu zu Spekulationen zu ermuntern, statt sie zu zügeln und die schwachen und überflüssigen unter ihnen auszusortieren oder sie einfach dem Markt - sprich der Insolvenz - zu überlassen. Längst hat diese Ignoranz zu so genannten Dollar-Carry-Trades in großem Stile geführt. Anleger und Unternehmen refinanzieren sich wegen der tiefen Zinsen und in den Erwartung einer weiteren Abwertung in Dollar und treiben mit den Mitteln in anderen Teilen der Welt die Vermögenspreise nach oben.

Diese Tendenz mag anhalten, so lange Anleger durch Zentralbanken wie die amerikanische, die erst in der vergangenen Woche wiederholt hat, den Leitzins auf unbestimmte Zeit tief zu halten, zu entsprechenden Strategien geradezu ermuntert werden. Allerdings nehmen die Korrekturrisiken zu. Sollten sich die Erwartungen ändern und die Positionen angepasst werden, könnte der Dollar zumindest kurzzeitig ebenso deutlich und abrupt aufwerten, wie im vergangenen Jahr.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

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