Rohstoffe

Preis für Sojamehl läuft nach oben

14. Februar 2007 Während es bei Metallen und bei zuvor gut gelaufenen „Soft-Commodities“ in den vergangenen Monaten zu deutlichen Korrekturen kam, befindet sich der Sojapreis schon seit Monaten im Aufwind. Der Preis für Soja in der verarbeiteten Form, für das Sojamehl, legte am Chicago Board of Trade von 156,70 Dollar im September des vergangenen Jahres auf zuletzt 223,3 Dollar je „short ton“ zu. Eine „short ton“ ist eine amerikanische Tonne, die 907,17 Kilogramm entspricht.

Der kurzfristige Trend zeigt weiterhin nach oben. Es lässt sich zwar fragen, wie lange er anhalten wird. Denn in den vergangenen Jahren haben sowohl die Produktion zugenommen als auch die Lagerbestände. Auf dieser Basis scheinen steigende Preise weniger aus dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage erklärbar zu sein als vielmehr aus der Vermutung, spekulative Adressen seien verstärkt in den Markt eingestiegen und hätten Gelder investiert, die sie in anderen Bereichen abgezogen haben.

Der Markt wird getrieben durch spekulative Marktteilnehmer...

Diese Vermutung wird zunächst bestätigt durch einen Blick auf den so genannten Commitment of Traders Report an der Terminbörse in Chicago. Er zeigt, dass vor allem spekulative Anleger netto „long“ sind und damit auf steigende Preise setzen. Im Sommer des vergangenen Jahres hatten sie in deutlich ausgeprägterer Form auf fallende Kurse gesetzt - und diese auch erhalten. Dagegen berichtet die jüngste Ausgabe der Ernteschätzung des amerikanischen Department of Agriculture von einem üppigen Sojaangebot. So wurde unter anderem die Schätzung für die argentinische Produktion aufgrund zugenommener Flächen und steigender Erträge von 42,5 auf 44 Millionen Tonnen erhöht.

Auf der anderen Seite richtet sich der Blick der Marktteilnehmer schon nach vorne auf die kommende Ernte. Und hier erwartet man einen Rückgang der Erntemenge, da auf den verfügbaren Flächen aufgrund des inzwischen verschobenen Preisgefüges - Mais und Weizen sind trotz der jüngsten Korrekturen deutlich teurer als noch vor wenigen Monaten und damit lukrativer für die Anbauer - eher für andere Gewächse verwendet werden. Aus diesem Grund scheint eine deutliche Verringerung des Angebots bei zunehmender Nachfrage möglich zu werden. Aus dieser Basis und aufgrund der Knappheit bei anderen Futtermitteln läuft auch der Preis von Sojamehl nach oben, obwohl das aktuelle Angebot selbst üppig zu sein scheint.

... die offensichtlich schon weit in die Zukunft blicken

Insgesamt wird einmal mehr deutlich, dass sich die Preisentwicklung an den Terminmärkten und indirekt auch an den daran angelehnten physischen Märkten nicht unbedingt nur an der realen Versorgungslage, sondern vor allem auch an den Erwartungen über die künftige Entwicklung orientiert. Spekulative Anleger mögen von solchen Entwicklungen aufgrund ihrer Wendigkeit profitieren. Problematisch wird es jedoch für den physischen Teil des Marktes, auf dem sich die Abnehmer plötzlich mit den rasant steigenden Preisen auseinandersetzen müssen. Das gilt beispielsweise für die europäischen Milchproduzenten, die aufgrund der verheerenden Milchmarktpolitik der Europäischen Union in den vergangenen Jahren vielfach sowieso schon mit dem Rücken zur Wand stehen.

Fakt ist, dass der kurzfristige Trend beim Soja- und Sojamehlpreis weiterhin nach oben zeigt. Fakt ist jedoch ebenfalls, dass der Markt zumindest in den kommenden Monaten gut versorgt ist. In diesem Sinne scheint eine deutliche Korrektur der Preise nicht ausgeschlossen zu sein. Immerhin werden sich auch die Verbraucher überlegen, wie sie die hohen Preise umgehen können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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