Devisenmarkt

Britisches Pfund - frische Schwäche gegen den Euro

19. Februar 2008 Schien sich der durch den Run auf die Filialen des britischen Hypothkenfinanzierers Northern Rock ausgelöste Abwertungsdruck auf das Pfund in den vergangenen Tagen zunächst abgeschwächt zu haben, so befindet sich die Währung zumindest gegen den Euro seit Tagen wieder unter Druck.

Alleine am Dienstag verliert sie ein halbes Prozent auf 75,63 Pence je Euro und nähert sich auf diese Weise wieder rasch dem Allzeit-Tief beziehungsweise dem Kurshoch von Mitte Januar, das bei 76,135 Pence je Euro gelegen hatte. Konnte das Pfund während der noch laufenden Kredit- und Immobilienbooms gegen den Euro, den schwächelnden Dollar und den chronisch schwachen Yen aufwerten, so sind diese Zeiten inzwischen nicht nur vorbei, sondern sie zeigen sich nun in Form der Kehrseite der Medaille.

Britische Zentralbank steht vor eine geldpolitischen Gradwanderung

Das Pfund sei die schlechteste Währung unter den G10-Nationen seit Jahresbeginn und daran werde sich im laufenden Jahr voraussichtlich wenig ändern, erklären die Analysten der BNP Paribas in London. Die Gründe: Die Währung werde das erste Opfer einer ungünstigen Konstellation aus anhaltender Volatilität an den internationalen Finanzmärkten und relativ hohen Inflationsraten. Das werde die britische Zentralbank zu einer Gradwanderung bei ihrer Geldpolitik zwingen.

Dazu kommt die sich immer deutlicher abzeichnende Wirtschaftsflaute in Großbritannien, die sich in Form fallender Häuserpreise, abnehmender Kreditvergaben an die privaten Haushalte aufgrund derer starken Verschuldung, zurückgehender Erwartungen der Unternehmen und fallenden Verbrauchervertrauens und letztlich in zurückgehendem Konsum zeigt. Der Rightmove House Price Index hat zwar bei seiner jüngsten Veröffentlichung etwas zugelegt. Allerdings ist diese Bewegung auf Angebots- und nicht auf tatsächliche Transaktionen zurückzuführen.

Jüngste Äußerung von Timothy Besley, einem Mitglied des über die Geldpolitik bestimmenden Gremiums der britischen Zentralbank, deuten darauf hin, dass inzwischen selbst „Zinsfalken“ mit zurückgehendem Konsum und abnehmendem Wirtschaftswachstum in Großbritannien rechnen. Das führt im Markt zur Wahrnehmung, die Bank of England bereite auf diese Weise trotz der relativ hohen Inflation weitere Zinssenkungen vor, nachdem sie schon im Dezember des vergangenen Jahres den Zinserhöhungszyklus abschlossen hat und zu Zinssenkungen übergegangen ist.

Jüngste Äußerungen deuten trotz aller Bedenken auf weitere Zinssenkungen hin

Zwei Zinsschritte am sechsten Dezember des vergangenen Jahres und am siebten Februar des laufenden Jahres brachten die Bank of England Bank Rate von 5,75 auf zuletzt 5,25 Prozent. Der Rentenmarkt hat zwar in den vergangenen Tagen die Spekulationen auf weitere Zinssenkungen in Großbritannien etwas reduziert. Angesichts der Kursentwicklung am Devisenmarkt ist es jedoch sehr wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann und wie stark auch am Geldmarkt die Spekulationen darauf wieder einsetzen werden.

Immerhin muss die Regierung gerade in einer Zeit, in der das Land mit einer wirtschaftlichen Schwächephase kämpft, die öffentlichen Ausgaben drosseln und die Steuerbelastung erhöhen, um die Entwicklung der öffentlichen Schulden nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. Genau das könnte zusammen mit der Kreditkrise, in der viele Briten vor höheren Hypothekenzinsen und schärferen Kreditvergabebedingungen stehen, das Wachstum deutlicher als bisher erwartet dämpfen. Sobald das noch klarer werden wird als bisher, dürften die Märkte noch deutlicher auf fallende Zinsen wetten und in diesem Rahmen das Pfund noch weiter in die Defensive treiben, zumindest gegen den Euro. Denn die anhaltende Sorge über Zweitrundeneffekte - die im Verhältnis zur Produktivitätsentwicklung völlig überzogenen Lohnforderungen im Öffentlichen Sektor sprechen für sich - dürften den potentiellen Manövriespielraum der Europäischen Zentralbank einschränken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BoE, FAZ.NET

 
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