Devisenmarkt

Der Baht hat einen leichten Schwächeanfall

17. Mai 2005 In den Kurs des Baht ist Bewegung gekommen. Zeigte sich die thailändische Währung Anfang des Jahres wie die meisten anderern südostasiatischen Währungen eher von ihrer starken Seite, macht sie derzeit vergleichsweise eher eine Schwächephase durch.

Zu Jahresbeginn waren die Zeichen für die thailändische Ökonomie durchweg positiv. Das Wachstum wurde trotz der Tsunami-Katastrophe mit 5,25 Prozent auf hohem Niveau prognostiziert. Der Index des Verbrauchervertrauens erreichte noch im Februar ein Vier-Monats-Hoch und der Baht stieg nach dem Wahlsieg von Thaksin Schinawatra gegenüber dem Euro auf ein Jahres-, gegenüber dem Dollar sogar auf ein Vier-Jahres-Hoch.

Doch seitdem hat sich das Bild ein wenig eingetrübt. Im März erreichte dann zunächst der Geschäftsklima-Index des Produzierenden Gewerbes ein zweijähriges Rekordtief. Und Ende April war die Zentralbank gezwungen, ihre im Januar aufgestellte Wachstumsprognose auf 4,5 Prozent herabzusetzen. Am Donnerstag dann fiel der Index des Verbrauchervertrauens auf ein 18-Monats-Tief.

Handicap Ölpreis

Auf der Produktionsseite macht sich die schwerste Dürre bemerkbar, die in 66 der 76 Provinzen des Landes für Wasserknappheit sorgt und so die Agrarproduktion beeinträchtigt, die immer noch einen Anteil von rund zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt ausmacht.

Zudem belasten weiter die Unruhen in den muslimisch geprägten Landesteilen den Tourismus. Vor allem auf die Zahl der Besucher aus dem islamischen Malaysia, aus dem die meisten nach Thailand reisenden Touristen stammen, ist bereits im vergangenen Jahr zurückgegangen. Für die Außenwirtschaft ist der Tourismus von zentraler Bedeutung. Denn Thailand ist ein Netto-Waren-Importeur und gleicht sein Handelsbilanzdefizit durch Einnahmen aus dem Tourismus mehr als aus.

Vor allem aber macht dem Land der hohe Ölpreis zu schaffen. 90 Prozent des Treibstoffbedarfs werden durch Importe gedeckt. Dementsprechend kräftig sind die Preissteigerungen ausgefallen. Seit Jahresbeginn sind die Benzinpreise um 18, die für Dieselöl sogar um 25 Prozent nach oben gegangen. Das nagt am Konsum und nährt gleichzeitig Befürchtungen, die auf diese Weise importierte Inflation könne die Zentralbank zu Zinserhöhungen veranlassen, die wiederum zu Lasten des Wachstums gehen könnten.

Wachstumssorgen

Die Aufrechterhaltung eines kräftigen Wachstums ist für die thailändische Politik von zentraler Bedeutung. Denn die Regierung Thaksin hat sich zum Ziel gesetzt, das Wachstum in Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft anzukurbeln. Zu diesem Zweck will man die Staatsausgaben erhöhen- um immerhin 8,8 Prozent in diesem Haushaltsjahr und umgerechnet 47 Milliarden Euro. Das wiederum hat bei Investoren Sorgen ausgelöst, die Haushaltsdisziplin könnte gelockert werden.

Das zeigt sich unter anderem am Aktienmarkt. Derzeit zeigen ausländischen Investoren eher die Neigung sich von thailändischen Aktien zutrennen. Von einer Krise sind Thailand und der Baht aber weit entfernt. Das zeigt nicht zuletzt, daß in mit Fitch auch die letzte der drei internationalen Rating-Agenturen das Land am Donnerstag wieder als „investitionswürdig“ einstufte. Dieses Pradikät hatte Thailand 1997 im Gefolge der durch das Land ausgelösten Asienkrise seinerzeit verloren.

Für Thailands Zentralbankpräsident Devakula Pridiyathorn besteht auch kein Grund zur Sorge. Gelder würden nicht abgezogen, sondern flössen in andere Investitionsmöglichkeiten im Lande. Damit verweist er vor allem auf die geplanten Investitionen von Toyota und Isuzu, die neue Werke in Thailand errichten wollen.

In welche Richtung der Baht in den nächsten Monaten tendiert, muß sich weisen. Positive Wirtschaftsmeldungen könnten die aktuelle Schwäche schnell vergessen machen. Ziehen mehr dunkle Wolken auf, könnte die Schwäche anhalten.


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @hma

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