02. Februar 2007 Binnen kurzer Zeit ist Gold merklich teurer geworden. Allein für das Jahr 2006 steht in Dollar gerechnet ein Preisanstieg um fast ein Viertel zu Buche. Auf Fünf-Jahres-Sicht beträgt der Aufschlag fast 140 Prozent.
Analysten zeigen sich zwar weiterhin optimistisch für das gelbe Edelmetall und sehen den Goldpreis, nicht zuletzt durch das zunehmende Interesse von Investoren, in der Tendenz weiter steigen. Gleichwohl fallen die Prognosen in Anbetracht des Wertzuwachses vergleichsweise bescheiden aus. Das fundamentale Umfeld gilt als durchwachsen. Vor allem neuerliche geopolitische Unsicherheiten werden aber als mögliche stärkere Preistreiber genannt, denn Gold ist in solchen Zeiten der sichere Hafen schlechthin.
DZ-Bank erwartet mehr als 700 Dollar je Feinunze
Mit rund 660 Dollar, die am Donnerstag je Feinunze Gold in London bezahlt wurden, ist das Edelmetall etwas teurer als zu Jahresbeginn. Zu den kurzfristigen Aussichten äußern sich die meisten Edelmetallexperten verhalten. Auf lange Sicht scheinen sie aber einhellig optimistisch gestimmt. In der Regel sei das erste Quartal am Goldmarkt ein schwaches, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Rohstoffexperte beim Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus.
Auch die Analysten von Credit Suisse verweisen auf die negativen saisonalen Effekte, die üblicherweise im ersten Vierteljahr für leicht niedrigere Goldpreise sorgten. Auftrieb verspricht sich Wrzesniok-Roßbach vor allem von einer Rückkehr der Anleger an den Goldmarkt. Nach einer Atempause könnte Gold dann im Jahresverlauf durchaus auf Preise von mehr als 700 Dollar je Feinunze klettern. Allerdings rechnet Heraeus mit einem insgesamt nur moderaten Preisanstieg von im Durchschnitt 7 Prozent für 2007 und 3 Prozent für das kommende Jahr. Die Rohstoffexperten der DZ-Bank erwarten dieses Jahr einen nachhaltigen Anstieg der Notierungen über die 700-Dollar-Marke, der Aufwärtstrend sei intakt.
Aufwärtspotential für den Goldpreis
Zur Jahresmitte 2006 hatte der Goldpreis in London mit 730,40 Dollar den höchsten Wert seit 25 Jahren erreicht, war anschließend aber unter Druck geraten. Für die Goldpreisbewegungen im vergangenen Jahr macht Heraeus nicht die traditionellen Absatzmärkte wie die Schmuckindustrie oder die industrielle Nutzung verantwortlich, sondern Rohstoffinvestments im Allgemeinen und insbesondere Goldanlagen als wiederentdecktes Mittel zur Portfoliodiversifikation sowie Spekulanten.
Besonders die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds (ETF) sei deutlich - im Jahresvergleich um 65 Prozent oder 250 Tonnen - gestiegen. Nach Schätzungen der DZ-Bank sind derzeit weltweit knapp 13 Milliarden Dollar in diese relativ neue Anlageform investiert - Tendenz stark steigend. Die Nachfrage nach ETF und nach physischen Investments wie Barren und Münzen sei in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Das Potential für den Goldmarkt scheint insofern enorm.
Wenn alleine deutsche Investoren 5 Prozent ihres Vermögens in Gold anlegen würden, entspräche dies mehreren Jahresproduktionen des Edelmetalls, rechnet Wrzesniok-Roßbach vor. Die globalen Möglichkeiten einer solchen Idee sind freilich weit größer. Wrzesniok-Roßbach sieht hierin - zumindest theoretisch - erhebliches Aufwärtspotential für den Goldpreis. Allerdings sei ein rascher Wechsel des Anlegerverhaltens nicht zu erwarten.
Schmucknachfrage lässt spürbar nach
Aus fundamentaler Sicht spricht auch die Angebot-Nachfrage-Situation für eher steigende Goldnotierungen. Auf der Nachfrageseite ist der Schmuckmarkt das fundamental wichtigste Standbein für Gold. Im vergangenen Jahr sorgte der höhere Goldpreis für ein spürbares Nachlassen der Schmucknachfrage.
Da die jetzt verbliebene Absatzmenge ohnehin schon weniger preissensitiv sei, dürfte ein steigender Preis nur noch zu einem begrenzten Nachfragerückgang führen, heißt es bei Heraeus. Auf der Angebotsseite dürften die Zentralbankverkäufe weiter zurückgehen. Zudem sei 2007 keine größere Ausweitung der Neuproduktion durch die Minengesellschaften zu erwarten.
Inflationsängste prägen den Goldmarkt
Nach Ansicht der DZ-Bank bleibt der Dollar der wichtigste Faktor für die Entwicklung des Goldpreises. Ein erwartungsgemäß wieder schwächerer Dollar dürfte dem Goldpreis positive Impulse verleihen. Auch als knappe Rohstoffe würden Edelmetalle zunehmend interessant. Jochen Hitzfeld von Unicredit bewertet die Edelmetalle langfristig positiv.
Zunächst könnte die Preisentwicklung jedoch durch hohe Realzinsen gebremst werden. Denn vieles spreche dafür, dass die amerikanische Notenbank ihre Leitzinsen 2007 auf hohem Niveau belasse. Zunehmende geopolitische Spannungen könnten aber die hohen Realzinsen überkompensieren. Auch der Ölpreis und mithin Inflationsängste prägen den Goldmarkt. Mit den anziehenden Ölnotierungen und dem schwächeren Dollar ist denn auch der Goldpreis zuletzt wieder gestiegen.
Text: F.A.Z., 02.02.2007, Nr. 28 / Seite 21
Bildmaterial: Bloomberg, dpa, F.A.Z., FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.084,00 $ | 0,00% |
| Silber | 16,93 $ | −1,86% |
| Platin | 1.421,00 $ | −0,63% |
| Palladium | 362,00 $ | −1,09% |
| Rohöl Brent Crude | 74,17 $ | +0,98% |
| Gas | 0,32 £ | +0,31% |
| Kaffee | 1,42 $ | −2,00% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
| Orangensaft | 1,33 $ | −1,88% |
| AMEX GOLD BUGS | 429,51 | +1,53% |
| AMEX OIL | 1.069,99 | +0,43% |
| Rogers International | 21,99 | +0,73% |
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