20. August 2008 Der steile Fall der Ölpreise scheint fürs Erste beendet zu sein. Die Notierungen für leichtes Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) in New York haben sich seit gut einer Woche im Bereich zwischen 111 und 116 Dollar je Barrel (159 Liter) stabilisiert. Damit liegen sie um mehr als 20 Prozent unter dem Mitte Juli verzeichneten Rekordhoch von mehr als 147 Dollar. Am Mittwoch kostete WTI im elektronischen Handel etwas mehr als 115 Dollar.
Aus rein technischer Sicht visieren einschlägig orientierte Analysten zunächst die Zone zwischen 108 und 110 Dollar und dann die psychologisch bedeutsame Marke von 100 Dollar an. Stärkere Erholungen, die wegen der stark "überverkauften" Lage des Marktes inzwischen jederzeit eintreten könnten, dürften ihrer Einschätzung nach zwischen 120 und 130 Dollar auf nicht überwindbaren Widerstand stoßen. Dass der Markt schwer angeschlagen ist, folgern Analysten aus den Reaktionen auf die jüngsten militärischen Aktionen im Kaukasus und auf die Nachrichten über tropische Stürme im Golf von Mexiko. Wäre die Hausse noch intakt, hätten diese Ereignisse die Preise gewiss vorangetrieben, heißt es. Tatsächlich aber vermochten sie die Notierungen nur für kurze Zeit um wenige Dollar anzuheben, bevor neue Verkäufe einsetzten.
Spekulanten befinden sich netto auf der Baisseseite und bauen ihre Positionen allem Anschein nach aus
Bemerkenswert erscheint, dass sich seit dem Beginn dessen, was aus technischer Sicht nun eindeutig als Baisse zu bezeichnen ist, niemand mehr über die Spekulation" aufregt. Dies liegt wohl daran, dass sich die großen Spekulanten, unter denen Hedge-Fonds herausragen, am Terminmarkt in New York seit einigen Wochen netto auf der Baisseseite befinden und diese Positionen allem Anschein nach ausbauen. Daraus kann eigentlich geschlossen werden, dass die Spekulanten für den Preisverfall zumindest mitverantwortlich sind.
Tatsächlich hat sich am Ölmarkt jedoch einiges ereignet, was Fachleute als "seismische" Veränderung bezeichnen. So sticht hervor, dass das in London gehandelte Nordsee-Öl der Sorte Brent, dessen Qualität dem des WTI sehr ähnelt, zuletzt in den Kontrakten von 2010 an einen Preisaufschlag von etwa 3,50 Dollar gegenüber WTI aufgewiesen hat. Dies ist eine noch nie zuvor beobachtete Anomalie, die nach Meinung von Experten aber bald wieder korrigiert werden dürfte. In den nahen Kontrakten zeigt WTI den traditionellen Aufpreis gegenüber Brent, der aber mit etwa 1,50 Dollar eher am unteren Rand des Üblichen liegt. Merrill Lynch erklärt die offenkundigen Verwerfungen im Preisgefüge mit Kapitalabflüssen seitens der Finanzinvestoren aus den einzelnen Ölmärkten und mit Sicherungsgeschäften kommerzieller Kreise. Von Bedeutung sei ferner, dass die Bewegungen an den Kassamärkten für beide Ölsorten derzeit in einer so engen Beziehung stünden, wie dies noch nie zuvor zu beobachten gewesen sei. Zudem beginne die Sorte Light Louisiana Sweet (LLS), die vor der amerikanischen Golfküste gefördert werde, eine immer größere Rolle bei der inneramerikanischen Preisbildung zu spielen. Dies könne letztlich bewirken, dass das ebenfalls auf See gewonnene Brent-Öl auf längere Sicht im Preis mit dem an Land geförderten WTI gleichziehe oder sogar einen Aufschlag von bis zu 2 Dollar erlange. Jedenfalls deutet manches darauf hin, dass in den Preisstrukturen zwischen europäischem und nordamerikanischem Öl von nahezu gleicher Qualität nachhaltige Veränderungen in Gang gekommen sind.
Reichliche Versorgung des westeuropäischen Marktes mit Rohöl
Eine bedeutsame, wenn wohl auch nur vorübergehende Veränderung sehen Analysten auch in der gegenwärtig reichlichen Versorgung des westeuropäischen Marktes mit Rohöl. Dies drückt die typisch gewordene Struktur der Terminnotierungen für Brent aus, bei der die nahen Kontrakte billiger sind als die entfernteren ("Contango"). Dies gilt aber nur auf Sicht der nächsten drei Monate. Daraus kann gefolgert werden, dass es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt, die mit dem Nahen des Winters wieder schwinden dürfte. Dies gilt vor allem für den Fall, dass der Konflikt in Georgien Rohöllieferungen aus Kaspischen Meer für längere Zeit einschränken sollte. Außerhalb Westeuropas ist die Versorgungslage anders, zum Teil sehr viel angespannter. Da die Erfahrung zeigt, dass die einzelnen Ölmärkte gut funktionieren, ist zu erwarten, dass Überschüsse und Unterversorgung durch den Arbitragehandel und daraus resultierende Veränderungen bei den Lieferströmen im wesentlichen ausgeglichen werden.
Einen gravierende Wandel stellen Fachleute auch beim Verhalten der Ölraffinerien besonders in Westeuropa fest. Seine Ursache liege in einer offenbar nachhaltigen Veränderung bei der Nachfrage, die Diesel und damit auch Heizöl bevorzuge und den Bedarf an Benzin sinken lasse. Dies hat sich stark auf die von den Raffinerien zu erzielenden Ertragsmargen ausgewirkt. Die rege Nachfrage nach Diesel hat sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Fachleute geben zu bedenken, dass dieses Ölprodukt bei weitem nicht allein als Treibstoff für Fahrzeuge verwendet wird, sondern auch als Grundprodukt für die Herstellung von Erzeugnissen für die Landwirtschaft beziehungsweise für den Betrieb industrieller Anlagen dient. Dies erklärt, warum besonders die europäischen Raffinerien verstärktes Interesse an schwefelarmen Ölen mit reichem Ertrag an Destillaten zeigen und dagegen Ölen mit einer hohen Ausbeute an Benzin den Rücken kehren.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET
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| Gas | 0,33 £ | 0,00% |
| Kaffee | 1,39 $ | −2,76% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
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12:52dass das auch immer so schwierig sein muss...
12:50Herr Michalski - Das EEG ist nicht genug
12:45Senkt das Kohlendioxid, esst Laugenbrezeln
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