Rohstoffe

Rohstoffmärkte - nicht über einen Kamm scheren

10. Oktober 2006 Die Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten in den vergangenen Monaten waren spektakulär. Blieben sie zunächst jahrelang relativ unbeachtet, so zog der einsetzende Preisauftrieb immer mehr Interesse und auch Finanzmittel auf sich. Auf diese Weise verstärken sich Trends üblicherweise selbst.

Das zeigte sich alleine schon daran, daß sich Banken und andere Anbieter zuletzt gegenseitig mit der Lancierung neuer Fonds, Zertifikate und anderer Vehikel zu übertrumpfen suchten. Nach außen wurden und werden die Produkte gerne als der „letzte Schrei“ vermarktet, den der Anleger haben sollte. Spätestens in solchen Phasen war in der Vergangenheit immer eine gewisse Reserviertheit angebracht. Denn nicht selten setzt eine Korrektur ein, wenn der Markt überhitzt ist.

Korrekturbewegung an den Rohstoffmärkten muß noch nicht ausgestanden sein

Dieser Zustand konnte sich alleine schon an den zum Teil vertikal gewordenen Charts von Rohstoffen und mancher Papiere der Rohstoffbranche ablesen lassen. Die Korrektur ließ denn auch nicht lange aus sich warten. Sie führte in den bei einzelnen Produkten in den vergangenen Wochen zu massiven Preiseinbußen, unter anderen bei Gas, Zucker und Holz. Auch das dürfte angesichts der Mißspekulation einzelner Hedge Fonds und angesichts eines einbrechenden Häusermarktes in den Vereinigten Staaten und der damit nachlassen Nachfrage nach Bauholz kaum überraschen. Mit Blick auf die gewaltigen Volumen an offenen Kontraktpositionen an den Terminmärkten seien weitere Überraschungen denkbar, warnen Experten.

Der Reuters/Jefferies CRB Preisindex, der einen Korb aus 19 Rohstoffen abbildet, erreichte am dritten Oktober mit 295,13 Punktenden den niedrigsten Stand seit März des Jahres 2005. Seit Mai hat der Index beinahe zwölf Prozent verloren. Nun stellt sich die Frage, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Manche argumentieren, der Rückgang bei den Rohstoffpreisen sei nur ein kurzer Aussetzer in einem Hausse-Markt ist, der noch viele Jahre weitergehen werde. Andere prognostizieren gar den Beginn einer „Rohstoff-Depression“.

Beides dürften jedoch Extreme sein, die so wohl kaum eintreten werden. Denn eine nachlassende Weltkonjunktur dürfte grundsätzlich auch die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen, zumindest kurzfristig. Langfristig sollten wohl auch Substitutions- und Angebotseffekte nicht unterschätzt werden. Beide zusammen führten zumindest in der Vergangenheit mittel- und langfristig zu einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage und auf diese Weise auch zu einer Beruhigung der Preisentwicklung.

Substitutions- und Angebotseffekte nicht zun unterschätzen

Das zeigte sich unter anderem nach der Ölkrise in den siebziger Jahren. Sie führte in den industrialisierten Staaten zu einer deutlich zunehmenden Energieeffizienz und zu einer abnehmenden Abhängigkeit. Auf dem derzeitigen Preisniveau dürfte die langfristige Energieversorgung kein großes Problem darstellen, da sich viele alternative Energiequellen lohnen, angefangen von der Verwertung kanadische Ölsände bis hin zur Kohleverflüssigung. Auch auf der technischen Seite ist vieles rasch denkbar. So arbeiten Dieselmotoren deutlich effizienter als Benziner. So bietet sich beispielsweise in den Vereinigten Staaten für diese Technik ein riesiger Markt.

Was im Energiebereich möglich ist, dürfte auch in Ansätzen für andere Rohstoffe gelten, vor allem auch für nachwachsende Rohstoffe. Denn dort kann das Angebot mittel- und langfristig sowohl über die Fläche als auch über die Züchtung ausgeweitet werden. In diesem Sinne scheint sich eine differenzierte Betrachtung aufzudrängen, auch bei den auf den Markt kommenden Finanzinstrumenten. Das läßt sich nicht nur von der unterschiedlichen Preisentwicklung in der Vergangenheit, sondern auch aus den Terminkurven ablesen, die zumindest rudimentär die künftige Preisentwicklung vorwegnehmen.

So liegen etwa die Terminpreise für Kupfer unter den aktuellen Spotpreisen und deuten auf diese Weise auf einen künftig ausgeglichenen Markt hin. Auch bei Öl geht der Markt längerfristig offensichtlich nicht unbedingt von steigenden Preisen aus - im Gegensatz etwa zu den Terminkurven bei Weizen und Mais. Bei steigenden Terminkurven können Futures und Zertifikate jedenfalls relativ uninteressant sein. Denn sie führen regelmäßig zu so genannten Rollverlusten, wenn auslaufende Kontrakte durch teurere, länger laufende ersetzt werden müssen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, Goldman Sachs, Goldman Sachs/Bloomberg

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