Von Marc Langendorf
29. Juli 2005 Viele Köche verderben angeblich den Brei. Woran das liegt? Die Auguren der gehobenen Küche verweisen darauf, dass jeder chef de la cuisine so seine eigenen Vorstellungen darüber hat, mit welchen Zutaten ihm ein Gericht zur Vollendung gelingt. Ähnlich ist es derzeit am Devisenmarkt. Die Anzahl der Themen und gegenläufigen Meinungen zu den einzelnen Sujets geben dem Markt die richtige Würze.
Puristen setzen aktuell ausschließlich auf das Zinsspiel und spekulieren darauf, daß sich die Differentiale in den verschiedenen Währungsräumen im Sinne ihrer Gesamtmarktrezeptur verschieben. Techniker finden ihre Ideen von der künftigen Entwicklung in der zum Teil massiven Verschiebung auf Indikatorenseite bestätigt.
Euro-Dollar-Verhältnis bietet nur Hausmannskost
Störfeuer zum Anheizen der Devisengerichte kommt von der Kakophonie der Konjunkturdaten, die den Zinsspielern gelegentlich in ihre Karten paßt. Und last, but not least richtet sich der Blick der Weitgereisten gen China, wo der Yuan gerade erst vom Dollar entkoppelt und fortan an einen Währungskorb mit nicht genau definierten Zutaten angelehnt wurde.
Für die Puristen stehen in der kommenden Woche vor allem zwei wichtige Daten auf der Agenda, die vor allem den Relationen von Euro, Dollar und Pfund die nötige Schärfe verleihen sollten. Am Donnerstag eröffnen die Bank of England (BoE) und die EZB ihre neueste Zinsrunde, bevor die Fed in der kommenden Woche servieren darf.
Daß die europäischen Zentralbanker etwas Neues kreiern und von Altbackenem abweichen, erscheint mehr als unwahrscheinlich. Das Niveau der Leitsätze dürfte auf zwei Prozent verharren und erneut unterstrichen werden, daß eine Absenkung derzeit vom Tisch ist. Die Zinssenkungshoffnungen scheinen daher in den vergangenen Wochen aus der Euro-Crossrate zum Greenback zurecht ausgepreist worden zu sein.
Die Sache ist vorerst gegessen, sagt ein Kenner. Mit einer Annäherung der Sätze in den Vereinigten Staaten und Europa wird erst ab dem kommenden Jahr gerechnet. Bis dahin sollte sich der Zinsunterschied auf über zwei Prozent ausweiten - mit den entsprechenden Konsequenzen bei den Devisenzu- und -abflüssen.
In Großbritannien richt es nach Zinssenkung
Anders sieht es in Großbritannien aus. Die Zahl der Befürworter einer geldpolitischen Lockerung hat sich zuletzt auf vier von zwei erhöht. Gemeinhin gehen Marktteilnehmer davon aus, daß die BoE den Leitzins in der kommenden Woche um 25 Basispunkte senkt. Fed-Funds-Rate und Repo-Satz dürften sich damit vom Niveau her weiter angleichen. Die Dresdner Kleinwort Wasserstein geht in ihrer neuesten Prognose sogar davon aus, daß das Geldpolitische Komittee der Bank of England, das MPC, insgesamt drei Zinsschritte vornehmen wird.
Je nachdem, wo Greenspan das neutrale Zinsniveau sieht, ist es daher gut denkbar, daß das Geld in naher Zukunft in Großbritannien billiger als in den Vereinigten Staaten wird und sich die Devisenflüsse ins Gegenteil kehren.
In Japan sind die Notenbanker noch weit von diesem Szenario entfernt. Dennoch stellt die DZ Bank die Frage, ob die Zinswende nicht doch schneller als vermutet kommt. Erst unlängst hatte der Notenbankgouverneur Fukui neues Öl in die lodernde Glut gegossen und eine Abkehr von der Nullzinspolitik angesichts der erwarteten Rückkehr zur Inflation für Anfang 2006 in Aussicht gestellt.
Während Japan der ersten Erhöhung der Leitsätze seit Jahren entgegenstrebt, sind die Hoffnungen in der Schweiz zunächst zu den Akten gelegt. Es scheine sich im Sommer ein Konjunkturfrühling in der Schweiz abzuzeichnen, so die DZ Bank.
Es regiert die Handelsspanne
Jenseits der Zinsspekulationen, die im wichtigsten Währungspaar eher für eine positive Stimmung für den Dollar sorgen, verweisen Techniker allerdings darauf, daß vor allem die quantitativen Indikatoren derzeit auf nötige Kursgewinne des Euro hindeuten. Der MACD bewege sich oberhalb seiner Signallinie gen Norden, die Stochastik überschreite diese Begrenzung gerade und der RSI steige, heißt es von der WestLB.
Auf richtig harten Widerstand sollte das Euro-Dollar-Paar allerdings in der Zone zwischen 1,2240 und 1,2255 Dollar stoßen. Dort trifft die Gemeinschaftswährung nicht nur auf die obere Begrenzungslinie ihres Abwärtstrends, sondern auch auf die Nackenlinie einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schuler-Formation. Nach unten ist der Euro nach Angaben von Forexspezialisten beim Julitief von 1,1955 Dollar sehr gut abgesichert. Danach drohe ein Fall zurück auf 1,1870/75 Dollar, heißt es.
Zum Cable, dem Dollar-Pfund-Verhältnis, erklärt die WestLB, daß sich das Pfund derzeit in der Defensive befindet. Kurzfristig könne sich die Pfund-Erholung noch fortsetzen, das große Bild mahne aber zur Vorsicht. Und beim Schweizer Franken sollten Anleger langfristige Euro-Longs noch solange zurückstellen, bis die Konsolidierungsphase ausgestanden ist.
Um einen Ausbruch aus den aktuellen Handelsspannen zu bewerkstelligen, hofften und hoffen Ökonomen allenfalls auf die zwei wichtigsten Konjunkturdaten der kommenden Tage sorgen. Insgesamt sei der Kalender recht dünn besetzt, heißt es. Zum einen hofften sie auf den ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den Vereinigten Staaten - doch dieser konnte am Freitag bislang nichts Entscheidendes bewegen. Zum anderen stehen am Freitag die amerikanischen Arbeitsmarktdaten auf der Speisekarte, die in den vergangenen Wochen regelmäßig für heftige Bewegungen an den Devisenmärkten gesorgt haben.
Nicht vergessen sollten die Marktteilnehmer ein Gericht, daß derzeit zum Standardprogramm gehört. Die Enten aus Peking sorgen in regelmäßigen Abständen für kleine Schocks am Devisenmarkt mit ihrem Programm zur schleichenden Yuan-Aufwertung, so ein Beobachter. Wie weit sich Aussagen und Handeln allerdings gleichen, wird die nächste Woche zeigen. Denn sind wir ehrlich: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Text: Dow Jones-VWD
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.122,00 $ | +0,18% |
| Silber | 17,16 $ | −0,06% |
| Platin | 1.437,00 $ | +0,07% |
| Palladium | 364,00 $ | −0,82% |
| Rohöl Brent Crude | 73,79 $ | +2,37% |
| Gas | 0,31 £ | +2,14% |
| Kaffee | 1,47 $ | +0,93% |
| Zucker | 0,24 $ | +3,50% |
| Orangensaft | 1,30 $ | −1,06% |
| AMEX GOLD BUGS | 449,58 | +2,08% |
| AMEX OIL | 1.066,79 | +1,49% |
| Rogers International | 22,20 | +1,65% |
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Aktien-Index16.12.2009 13:00 |
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307,55 | 297,27 | 282,01 |
Euro-Aktien-Index16.12.2009 17:35 |
144,42 | 140,78 | 129,39 |