CoT-Daten

Insider geben die Richtung vor

Die Händler lassen sich in die Karten schauen

Die Händler lassen sich in die Karten schauen

31. Mai 2007 Über Regulierung wird viel gemeckert, doch sie hat ohne Frage ihre guten Seiten. So darf die Transparenz an den amerikanischen Finanzmärkten als vergleichsweise vorbildlich gelten: Die Händler sind zum Beispiel dazu verpflichtet, einmal pro Woche ihre Positionierung an den Terminbörsen zu veröffentlichen.

Die „Commodity Futures Trading Commission“ (CFTC), die den Futureshandel in den Vereinigten Staaten überwacht und reguliert, aktualisiert die entsprechenden Daten jeden Freitag im „Commitment of Traders Report“ (CoT). Wer sich die Entwicklung der CoT-Daten über einen längeren Zeitraum betrachtet, wird interessante Zusammenhänge entdecken, die Hinweise auf die künftige Kursentwicklung geben können.

Spekulanten folgen den Markttrends

Die CFTC teilt die Marktakteure in drei Gruppen ein: „Commercials“, „Non-Commercials“ und „Nonreportable Positions“. Hinter den Commercials verbergen sich Händler, die Futures zur Absicherung (Hedging) kaufen. So können Versicherungen Short-Positionen auf den S&P-500 eingehen, um ihr Portfolio gegen einen Kurssturz an den Börsen abzusichern. Auch Kaffeeproduzenten gelten als Commercials, sie wollen etwa den Erlös ihrer nächsten Ernte schon heute festzurren. Auf der anderen Seite werden große Nachfrager wie Starbucks ihrer Meinung nach niedrige Preise nutzen, um sich günstig mit Kaffeebohnen einzudecken.

Die Commercials handeln meist antizyklisch. Ganz anders die Non-Commercials oder Großspekulanten, die häufig den Trends an den Märkten folgen: Hinter diesem Begriff stecken kapitalkräftige Händler, die Futures nicht zur Absicherung, sondern zur Spekulation einsetzen, Hedge-Fonds zum Beispiel.

Commercials haben Insiderwissen

Die übrigen Markteilnehmer sind unter dem Begriff „Nonreportable Positions“ zusammengefasst. Meist werden hier die Kleinspekulanten gesehen: sie verfügen über weniger Geld, setzen Futures aber ebenso in erster Linie zur Spekulation ein.

Der Trader Larry Williams setzt nach eigenen Angaben schon seit 1970 auf die CoT-Daten als Hilfsmittel. Für sein Verhalten an den Märkten sei die Positionierung der Commercials entscheidend. „Eine Gegenposition zu den Commercials beziehe ich nur ungern“, sagte er einmal in einem Interview. Das ist nicht verwunderlich, schließlich dürfen die Commercials als Insider gelten: Sie kennen etwa die Ernteprognosen und wissen den Einfluss des Wetters auf das Wachstum ihrer Pflanzen einzuordnen.

Goldpreis als Beispiel

„Die Positionierung der Commercials ist am aussagekräftigsten“, sagt auch Robert Rethfeld gegenüber FAZ.NET. Sein Online-Dienst Wellenreiter-Invest.de bereitet die CoT-Daten seit vielen Jahren anschaulich auf. Er nennt als Beispiel für das antizyklische Verhalten der Commercials den Goldpreis: „Während der Gold-Baisse in den neunziger Jahren waren die Commercials meistens netto long. Dann drehte sich die Positionierung, und danach lief der Goldpreis nach oben.“

„Eine Nettoposition der Commercials auf einem Einjahres- oder Mehrjahresrekordniveau ist ein erstes Indiz, dass ein Trend bereits sehr weit gelaufen ist und vor einer möglichen Umkehr steht“, schreibt Alexander Hirsekorn, Rethfelds Kollege bei Wellenreiter-Invest und Spezialist für die Interpretation von CoT-Daten, in einem Fachbeitrag. Auf eine Trendwende könne auch hindeuten, wenn sich die Nettopositionierung der Commercials im Vergleich zur Vorwoche deutlich geändert hat, während sich der Preis kaum bewegt hat.

Kleinspekulanten liegen meistens daneben

Manchmal sind die Commercials mit ihrer Einschätzung aber auch zu früh: Sein jüngstes Hoch erreichte der Goldpreis im Frühjahr vergangenen Jahres. Der Extrempunkt der Netto-Short-Positionierung wurde dagegen schon im Herbst 2005 erreicht (siehe erste Grafik). „Einen hundertprozentigen Synchronismus findet man selten“, sagt Rethfeld.

Als weiteren guten Indikator für die Richtung des Goldpreises nennt er die Kleinspekulanten (siehe zweiten Chart): „Diese Marktteilnehmer liegen fast immer falsch: Wenn die Nettopositionierung der Kleinspekulanten einen Extrempunkt auf der Long-Seite hat, sinkt der Goldpreis kurz darauf.“

Interessante Konstellationen bei Agrarrohstoffen

Die CoT-Charts für Soja, Kaffee und Zucker weisen darauf hin, dass auf diesen Märkten Trendwenden bevorstehen könnten. Bei Soja zeigt sich, dass einem Tief der Commercials-Positionierung in den vergangenen Jahren meist eine Kurskorrektur folgte, zum Beispiel Anfang 2004 und Mitte 2005 (siehe dritte Grafik). Nun könnte wieder ein Tiefpunkt erreicht sein, was kein gutes Zeichen für die Soja-Hausse ist (siehe auch: Spekulanten treiben den Sojapreis).

Auch bei Kaffee zeigte sich in jüngster Zeit sehr deutlich die antizyklische Positionierung der Commercials (siehe vierte Grafik). Die Insider haben zyklische Hochs beim Kaffeepreis in den vergangenen Jahren häufig erkannt - ihre Short-Positionierung war zu diesen Zeitpunkten sehr ausgeprägt. Umgekehrt folgte einer Long-Positionierung auch tatsächlich ein Preisanstieg. Demnach könnte sich der jüngste Preisaufschwung am Kaffeemarkt fortsetzen, schließlich waren die Commercials zuletzt netto wieder leicht auf der Long-Seite (siehe auch: Kaffeepreis auch spekulativ getrieben).

Bei Zucker ist interessant, dass die Commercials in den vergangenen Jahren meist netto short positioniert waren. Die Longposition überschritt nie die Hürde von 50.000. Dieser Wert wurde auch in den letzten Wochen gerade so nicht erreicht. Nach einem Scheitern an diesem Widerstand folgte in der Vergangenheit häufig eine deutliche Korrektur der Positionierung verbunden mit einem Anstieg des Zuckerpreises (siehe fünfte Grafik).

Kein Allheil-, aber ein Hilfsmittel

CoT-Daten liegen auch für Aktienindizes vor, zum Beispiel für den S&P 500. Hier zeigt sich, dass die Kleinspekulanten sehr empfindlich auf Kurskorrekturen reagieren. Die Positionierung der Commercials lief dem Index in der Vergangenheit dagegen häufig voraus (siehe sechste und siebte Grafik).

Die CoT-Daten sollten sicherlich nicht überinterpretiert werden. In der Vergangenheit haben sie immer wieder auch Fehlsignale gegeben, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Doch in Kombination mit anderen Indikatoren geben sie sicherlich wichtige Hinweise darauf, in welche Richtung die Reise an den Märkten gehen könnte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: AP, Wellenreiter-Invest.de

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