Rohstoffe

Kupfer und Aluminium widerstehen der Baisse

04. Juli 2008 Kupfer und Aluminium sind die Bollwerke unter den börsengehandelten Industriemetallen, an denen alle Attacken der Baissiers zu scheitern scheinen. Die Notierungen für diese beiden Rohstoffe sind nach einer Stabilisierungsphase wieder auf dem Weg zu ihren im März verzeichneten Rekordständen.

Ob sie sie erreichen, ist aber vor allem wegen der Schwäche der Weltwirtschaft umstritten. Dagegen befinden sich Blei, Nickel und Zink auf Talfahrt. Die Preise liegen um rund 10 Prozent unter ihrem im Mai verzeichneten Höchststand, aber noch immer um etwa 80 Prozent höher als vor einem Jahr zu dieser Zeit.

Schwindende Nachfrage, nicht aber zunehmendes Angebot ist entscheidend für die Preisentwicklung

Nirgends wird inzwischen mehr bestritten, dass die besonders in Amerika angebrochene konjunkturelle Schwäche dämpfend auf die Nachfrage nach Industriemetallen wirkt. Streit herrscht jedoch darüber, wie stark der Bedarf an den einzelnen Metallen zurückgehen könnte. Umstritten ist ferner, wie stark die zurückliegenden Preissteigerungen bei jenen Metallen, die inzwischen um bis zu 50 Prozent unter ihren Rekordständen liegen, die Nachfrage beeinflusst haben. Sicherlich wird sparsamer mit Metallen umgegangen, und sie werden dort, wo sich billigere Ersatzstoffe anbieten, auch ersetzt. Doch dies erklärt die Preisrückgänge nur zum Teil, denn auch die Produktion hat ihren Teil dazu beigetragen. Sie nimmt bei einigen Metallen auf die Preissteigerungen in den vergangenen Jahren hin zu.

Als Faustregel gilt für die Rohstoffmärkte, dass schwindende Nachfrage, nicht aber zunehmendes Angebot der entscheidende Faktor ist, der eine Hausse brechen lässt. Als Indiz für sinkende Nachfrage nach Industriemetallen wird häufig der Einbruch des Baltic Dry Index (BDI) angeführt. Er ist international anerkannter Maßstab für Trockenfrachten in der Seeschifffahrt. Er hatte sich 2007 vom Frühjahr bis zum Herbst mehr als verdoppelt, dann aber bis Januar 2008 etwa halbiert, bis Mai wieder gut verdoppelt, um dann von einem neuen Rekord abermals auf steile Talfahrt zu gehen. Kritische Analysten sind davon überzeugt, dass die Einflüsse auf die Frachtraten zu komplex sind, als dass sie allein die These von sinkender Nachfrage nach Metallen stützen könnten.

Dass sich Kupfer und Aluminium gegen die allgemeine Tendenz stemmen, hat unterschiedliche Gründe. Dies offenbart nach außen hin die Preisstruktur an den Terminmärkten. Bei Kupfer herrscht eine inverse oder atypische Struktur (Backwardation). Hier sind die nahen Kontrakte teurer als die mit späteren Fälligkeiten, was für Knappheit an physischer Ware spricht. Bei Aluminium besteht eine normale Struktur (Contango). Kassaware kostet weniger als Dreimonatsware, und mit jedem entfernteren Kontrakt steigen die Preisaufschläge, in denen sich Zins-, Lager- und Versicherungskosten ausdrücken.

Preisstruktur bei Kupfer lässt vermuten, dass sich die Knappheit mit der Zeit verflüchtigt

Die Preisstruktur bei Kupfer lässt vermuten, dass sich die Knappheit mit der Zeit verflüchtigt, was aber noch nicht unbedingt sinkende Preise erwarten lässt. Die angespannte Versorgungslage hat neben reger Nachfrage mehrere Gründe, wie Streiks gegen Produzenten sowie Verzögerungen bei der Erschließung neuer Bergwerke oder beim Ausbau bereits vorhandener. Zudem ist zu bedenken, dass zahlreiche Produzenten Vorkommen mit geringerem Kupfergehalt ausbeuten. Teils beruht dies darauf, dass die Lagerstätten mit hohem Gehalt erschöpft sind, teils aber auf den hohen Preisen, die eine rentable Förderung aus Vorkommen mit geringem Kupfergehalt und die Schonung hochwertiger Lagerstätten ermöglichen. Der Markt zeigt mit seiner Preisstruktur aber an, dass sich die Versorgungslage in Zukunft bessern wird. Bei Aluminium verhält es sich anders. Die Preisstruktur hier wird mit wachsender Sorge über das mittel- bis langfristige Angebot begründet.

Ursache dafür sind die immer weiter steigenden Energiepreise. Bei der Herstellung von Aluminium wird viel Strom benötigt. Produzenten, die von den Preissteigerungen hier voll getroffen werden, weil sie zum Beispiel auf wenig oder gar keinen aus Wasserkraft gewonnenen Strom zurückgreifen können, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Sie wagen es daher nicht, in neue Betriebsstätten zu investieren. Somit zeichnet sich ab, dass die Kapazitäten zur Aluminiumherstellung künftig nicht ausreichend wachsen, um mit dem steigenden Bedarf Schritt halten zu können.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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