Devisenmarkt

Carry Trades für Privatanleger - ein Krisenzeichen?

29. Januar 2007 In den vergangenen Wochen zogen die sogenannten Carry Trades immer mehr Aufmerksamkeit auf sich und sorgten zunehmend für Schlagzeilen. Am Montag scheinen sie munter weiter zu laufen.

Denn der Yen erreichte gegen den Dollar mit Kursen von bis zu 122,19 Yen je Dollar den schwächsten Stand seit Dezember des Jahres 2002 und der Schweizer Franken markiert mit Kursen von bis zu 1,6206 Franken je Euro neue Allzeittiefs gegen die im Jahr 1999 etablierte europäische Einheitswährung. Gegen den Dollar befindet er sich nach dem Bruch des langfristigen Aufwertungstrends im Jahr 2005 schon seit Monaten in einer „Top-Bildungsphase“.

Carry Trades nun auch „für den kleinen Mann“

Die Strategien, sich scheinbar risikolos in niedrigen verzinslichen Währungen zu verschulden, um die aufgenommenen Mittel in höher verzinslichen anzulegen, scheint bei anhaltend optimistischen und damit risikofreudigen Anlegern immer beliebter zu werden. Inzwischen sind die Emittenten von Zertifikaten sogar dazu übergegangen, entsprechende Angebote für den Privatanleger auf den Markt zu werfen.

„Einfach einzusetzen“, heißt es beispielsweise bei der UBS, wobei sich die Bank auf das eigene UBS-G10-Carry-Trade-Indexzertifikat (Isin CH0028352638) bezieht. „Geld billig ausleihen und teuer verzinst wieder anlegen. Das ist völlig unkompliziert und selbst mit kleinen Anlagebeträgen aussichtsreich“, heißt es so schön werbend. Eine „effiziente“ Strategie mache es möglich, als Anleger kontinuierlich und automatisch in jene der zehn wichtigsten Weltwährungen investiert zu sein, die die höchsten Zinsen zahlen.

Zum Börsenkurs

Mit der Adressierung an den normalen Privatanleger wird deutlich, das das „Carry-Trade-Spiel“ einem neuen Höhepunkt zuzustreben scheint. „Spätestens wenn Lieschen Müller an die Märkte gelockt wird, ist es mit der Herrlichkeit vorbei“, lautet die allgemeine Erfahrung. Offensichtlich werden die Wechselkurse kurzfristig weniger denn je von den Fundamentaldaten der verschiedenen Staaten getrieben, sondern von den im Überfluss herumvagabundierenden liquiden Mitteln und den dahinter steckenden spekulativen Absichten - die überaus üppig und überproportional zum konjunkturellen Wachstum zunehmenden Geldmengen beinahe weltweit sprechen für sich.

Risiken werden bisher statistisch unterschätzt

Das führt dazu, dass Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken nach unten getrieben werden, obwohl die relevanten Staaten im Außenhandel Überschüsse erzielen. Allerdings sind solche Carry-Trade-Strategien riskanter, als sie aussehen mögen. Denn sie zahlen sich nur aus, solange die Währungen in die richtige Richtung laufen oder zumindest nicht in die falsche. Im anderen Fall wären die Anleger rasch zum Abbau der Positionen gezwungen, um Verluste zu vermeiden oder wenigstens zu begrenzen.

Mit einiger Sicherheit werden schließlich die zuletzt historisch tiefen Volatilitäten am Devisenmarkt rasch und deutlich anziehen und weitere Anleger über den „Value-At-Risk-Mechanismus“ zur Liquidierung ihrer Positionen zwingen. So sind rasche und deutliche Kursbewegungen entgegen der bisherigen Trends nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Denn wenn viele Anleger gleichzeitig ihre „gleichgerichteten“ Positionen auflösen wollen, dürfte das Nadelöhr eng werden.

Blickt man auf die Währungsentwicklungen seit Beginn des Jahres, so fällt auf, dass sich Währungen wie die tschechische Krone, der polnische Zloty, der südafrikanische Rand oder auch die slowakische Krone gegen den Dollar deutlich in der Defensive befinden. Das deutet eine gewisse Defensivität hin. Zusammen mit den steiler werdenden Zinskurven in den Vereinigten Staaten und auch Europa rät das zu einer gewissen Vorsicht. Manche Profis gehen inzwischen sogar offensichtlich dazu über, auf die Auflösung der Carry Trades und dadurch ausgelöste Turbulenzen zu setzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 

Devisenmarkt

Euro - gegen den Won deutlich überbewertet

Spezial Währungen können gleichzeitig über- und unterbewertet sein. Es kommt darauf an, womit man sie vergleicht. Der Euro ist gegen den Won knapp 37 Prozent über- und gegen die norwegische Krone rund 30 Prozent unterbewertet.

Devisenmarkt

Japanische Zinspause: Yen stellt neue Tiefs auf

Spezial Der Yen nimmt nach unverändertem Leitzins in Japan die Abwertungstrends gegen den Dollar und vor allem auch gegen den Euro wieder auf. Real und effektiv befindet sich die Währung auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Devisen

Yen - effektiv auf 20-Jahrestief

Die Kursschwäche des Yen hat in den vergangenen Wochen wieder einmal überrascht, widerspricht sie doch der ökonomischen Logik. Möglicherweise läßt sich der enstandene Trend nur durch Interventionen gegen „Carry Trader“ stoppen.

Devisenmarkt

Franken notiert zum Euro auf dem tiefsten Stand seit März 2000

Der Euro bewegt sich gegenüber dem Franken in einem soliden Aufwärtstrend. Gestützt wird er vor allem durch den bestehenden Renditevorsprung, den Euro-Anlagen bieten. Experten rechnen für 2007 mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau.

Devisenmarkt

Manche Short-Zertifikate sollte man „shorten“

Blickt man auf den Big-Mac-Index, so ist der chinesische Yuan gegen den Dollar 57 Prozent unterbewertet. Die Spekulation auf eine Aufwertung scheint reizvoll zu sein. Entsprechende Zertifikate jedoch sollte man kritisch betrachten.

Devisenstrategie

Am Devisenmarkt entscheiden die Zinserwartungen

Zeigte sich der Dollar im vergangenen Jahr relativ robust gegen Abwertungstendenzen, so kam er in den vergangenen Wochen deutlich unter Druck. Sollte der Zinsvorteil abnehmen, dürften die strukturellen Defizite der Währung durchschlagen.

Devisenmarkt

Neues Jahr - neues Rekordhoch in Euro-Yen

„Neues Jahr - alte Trends“ - so beginnt das Jahr 2007 an den internationalen Finanzmärkten. Der Euro hat gegen den Dollar Rückenwind und markiert gegen den Yen - obwohl überbewertet - ein Rekordhoch nach dem anderen.

Anlagestrategie

Die Zukunft der „Carry Trades“

Carry Trades, also das Leihen von Geld in Niedrigzins- und das Investieren in Hochzinsregionen könnten mit einer Änderung der japanischen Geldpolitik an Attraktivität verlieren und zu Turbulenzen auf den Märkten führen. S&P hält die Besorgnis aber für übertrieben.

Interview

„In Euro-Yen sind Interventionen wahrscheinlich“

Nach einer längeren Seitwärtsbewegung ist der amerikanische Dollar in die Defensive geraten. Hans Redeker, Währungsstratege von BNP Paribas, rechnet mit einem anhaltend schwachen Dollar und mit Interventionen in Euro-Yen im kommenden Quartal.

Devisen

Drohen Interventionen gegen „Carry Trades“?

Die Devisenmärkte scheinen von Zinsdifferenzen und nicht von den fundamentalen Daten getrieben zu werden, so eine Analyse von State Street Global Markets. Risiko: Die Zentralbanken legen ihre Gleichgültigkeit ab und intervenieren.

Devisen

„Carry Trades“ - wann kommen sie unter Druck?

Spekulative Anleger nutzen in einem Umfeld geringer Volatilitäten Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Währungsräumen gewinnbringend aus und führen zu entsprechenden Kursbewegungen. Fragt sich nur, wie lange das gutgeht.

Devisenmarkt

Franken und Yen laufen völlig aus dem Ruder

Dollar und Börsen profitieren vom anhaltenden Wirtschaftsoptimismus. Dabei ist der Greenback gegen Franken und Yen massiv überbewertet. Die Märkte scheinen ihre Risikowahrnehmungsfähigkeit verloren zu haben.

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.