Rohstoffe

Neue Mehrjahreshochs bei Gold- und Silber

Das bekannte Tafelsilber

Das bekannte Tafelsilber

30. März 2006 „Gold und Silber lieb' ich sehr,
Kann's auch gut gebrauchen,
Hätt' ich doch ein ganzes Meer,
Mich hinein zu tauchen;
's braucht nicht grad geprägt zu sein,
Hab's auch so ganz gerne, …“

… heißt es in einem Liedtext von August Schnezler aus dem 19. Jahrhundert. Und bezogen auf die Preisentwicklung an den Edelmetallmärkten könnte er kaum aktueller sein als heute.

Neue Mehrjahreshochs bei Gold- und Silber

Die Preise der Edelmetalle haben in den vergangenen Monaten deutlich angezogen und zeigen weiterhin nach oben. Am Donnerstag erreichte der Goldpreis mit Kursen von 576 Dollar je Unze in London den höchsten Stand seit dem Jahr 1981. Silber notierte mit einem Preis von 11,25 Dollar je Unze auf dem höchsten Stand seit 23 Jahren. Die anhaltende Dynamik deutet zumindest aus technischer Sicht weitere Zugewinne an.

Die Entwicklung läßt sich mit verschiedenen Argumenten begründen. Die Metalle werfen zwar weder Dividenden noch Kupons ab und sind so nur bei steigenden Preisen interessant. Auf der anderen Seite haben sie als Portfoliobeimischung positive Effekte, da ihr Preisverhalten wenig oder gar negativ mit anderen Vermögenswerten korreliert. Nicht zuletzt gelten Gold und Silber aufgrund ihrer Knappheit, ihrer „Unverwüstlichkeit“ und der guten Handelbarkeit als „Hedge“ gegen einen nur noch durch hohe Zinsen stabilisierbaren Dollar und alle nur denkbaren anderen Turbulenzen an den vielfach hoch bewerteten Finanzmärkten.

Aus diesen Gründen scheinen die Metalle bei immer mehr Anlegern auf Interesse zu stoßen, können sie ihre Portfoliorisiken mit ihrem Kauf doch reduzieren. Und Risiken gibt es genug. Angefangen von geopolitischen Überlegungen - sie lassen sich nicht nur mit Blicken auf Iran und Nordkorea ableiten, sondern auch mit denkbaren Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Rohstoffe - über die makroökonomischen Ungleichgewichte und die unsolide Schuldenpolitik in vielen westlichen Staaten bis hin zu steigenden Vermögenspreisen und den Streikwellen, die im Moment Europa überziehen.

Wie sollen die riesigen Staatsschulden in Amerika, Japan und Europa bei schrumpfenden Bevölkerungen und im Trend immer weiter zunehmenden Defiziten zurückgezahlt und überzogene Pensionsversprechen jemals erfüllt werden, wenn nicht durch eine inflationäre Politik? Wie soll die Entwicklung entschärft werden, wenn der ineffiziente Öffentliche Sektor regelmäßig mehr Gelder auf Pump erhält, obwohl so gut wie keine Produktivitätsfortschritte zu verzeichnen sind? Fragen über Fragen, die politisch bisher nicht vernünftig beantwortet werden. Die Ungleichgewichte jedoch werden laufend größer.

Zunehmende Nachfrage und spekulative Dynamik

Das ist jedoch nicht alles. Denn das rasante Wachstum und der Nachholbedarf in den Schwellenländern führt zu einer zunehmenden Verknappung bei der Versorgung mit Rohstoffen. Früher oder später dürften die Preisbewegungen in diesem Bereich auf die restliche Wirtschaft durchschlagen, so lautet die unterschwellige Befürchtung. Gleichzeitig nimmt der Wohlstand in den rasch wachsenden Ländern zu und dürfte auf diese Weise zu einer zunehmenden Nachfrage aus dem Schmuck-, aber auch dem Industriebereich führen, bei zunehmend rationaleren Produktions- und auch Absicherungsverhalten der Edelmetallproduzenten.

Auf der anderen Seite sind die Edelmetallmärkte im Vergleich zu den Finanzmärkten relativ klein. Fließt ihnen auch nur ein geringer Teil der nominell vorhandenen Mittel zu, so schießen die Preise nach oben. Das ließ sich in den vergangenen Wochen insbesondere bei der Entwicklung des Silberpreises beobachten. Die Auflage eines silbergedeckten Fonds, des iShares Silver Trust, ließ die Nachfrage anziehen und den Silberpreis nach oben schießen. Blickt man auf die Preisentwicklung der Vergangenheit, so scheinen weitere Zugewinne nicht ausgeschlossen zu sein. Vor allem dann nicht, wenn sich die spekulative Dynamik weiter aufbaut.

Allerdings zeigt die Vergangenheit auch, daß der Preis ebenso rasch und deutlich wieder nach unten gehen kann, wenn sich größere Anleger zu Gewinnmitnahmen entschließen sollten. In diesem Sinne sollten Anleger die Risiken kennen, wenn sie in diese Märkte investieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance / dpa

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