16. Juli 2008 Der Goldpreis strebt wieder auf die als psychologisch bedeutsame Marke von 1.000 Dollar je Feinunze zu. Sollte sie überwunden werden, würde der Mitte März verzeichnete Rekord von gut 1.030 Dollar in greifbare Nähe rücken. Zuletzt sind die Notierungen zwar leicht zurückgefallen, doch ergibt sich seit Mitte Juni immerhin ein Anstieg von in der Spitze knapp 15 Prozent. Beim Vormittags-Fixing vom Mittwoch in London wurde ein Preis von 974 Dollar ermittelt. Beim Nachmittags-Fixing vom Dienstag lag er bei 986 Dollar.
Gold ist das bessere Geld
Die treibende Kraft des Aufschwungs war nach einhelliger Darstellung der neuerliche Schwächeanfall des amerikanischen Dollar, gemessen an dessen handelsgewichtetem Index. Er fiel zuletzt auf die Mitte März und dann noch einmal Ende Mai erreichten Rekordtiefs zurück. Gegenüber dem Euro hatte die amerikanische Währung am Dienstag sogar den neuen Tiefststand von gut 1,60 Dollar je Euro erreicht.
Da Gold noch immer als Edelmetall mit starkem monetären Charakter betrachtet wird, verhält es sich gegenüber dem Dollar wie eine Währung. Fällt er, zieht Gold gewöhnlich im Preis an und umgekehrt. Bemerkenswert erscheint, dass der in Euro gerechnete Goldpreis die Bewegungen der Dollarnotierungen für das Edelmetall spätestens seit Mitte 2005 fast deckungsgleich nachvollzieht. Dies bestätigt nach Meinung von Experten die monetäre Rolle des Goldes. Manche sagen sogar, Gold sei das bessere Geld.
Platinpreis als Frühindikator
Aus rein technischer Sicht stellt Merrill Lynch fest, dass die Spekulation besonders in Form der Hedge-Fonds beim Terminhandel mit dem Edelmetall in New York überzogen hohe Netto-Kaufpositionen hält. Dies lässt den Markt gewöhnlich anfällig für starke Rückschläge werden. Solide Stützung sieht die Investmentbank bei 850 Dollar.
Langfristig hält sie nach wie vor einen Anstieg auf 1.500 bis 1.600 Dollar für möglich. Sie weist auch darauf hin, dass sich der Platinpreis häufig als Frühindikator für das, was am Goldmarkt geschieht, erwiesen hat. Bei diesem Edelmetall sei auf mittlere Sicht mit einem neuerlichen Anstieg zu rechnen. Die Platinnotierungen bewegen sich seit Anfang März in einem breiten Band, das sich sehr wohl als Sprungbrett für eine ausgedehnte Aufwärtsbewegung erweisen könnte.
Barclays Capital hält es für wahrscheinlich, dass sich Gold im Zuge der offenbar angelaufenen Korrektur zwischen 946 und 956 Dollar fängt. Im äußersten Fall wäre ein Rückschlag auf 913 Dollar zu erwarten. Auf mittlere Sicht sei ein Anstieg auf 1000 bis 1250 Dollar vorgezeichnet.
Flaute in den Sommermonaten
Entscheidend ist und bleibt bei Gold das Geschehen am physischen Markt. Händler berichten übereinstimmend, dass sich die Nachfrage seit April immer dann belebt hat, wenn die Notierungen in den Bereich zwischen 850 und 870 Dollar zurückfielen. Während des seit Mitte Juni laufenden Aufschwungs sei das physische Geschäft besonders mit den Schmuckherstellern, der bedeutendsten Gruppe von Käufern, aber wieder spürbar zurückgegangen. Neben der Verteuerung des Edelmetalls können hier auch saisonale Einflüsse mitspielen, denn die Sommermonate gelten am Goldmarkt traditionell als Flautephase.
Offenbar hat sich in den zurückliegenden Wochen die physische Nachfrage seitens der Horter und der Anleger belebt. Händler begründen dies mit der neuerlichen Zuspitzung der Krise an den Kreditmärkten, in die anscheinend nun auch die Aktienmärkte hineingezogen werden. Seit Juli vergangenen Jahres, als diese Krise offen ausbrach, schwoll die Nachfrage nach Gold immer dann an, wenn sich die Verhältnisse zuspitzten, und sie ließ immer dann nach, wenn sich eine Entspannung anbahnte.
Klassische Reaktion der Anleger
Besonders deutlich war dies im März zu beobachten, als die Investmentbank Bear Stearns auf der Kippe stand und dann rasch mit Hilfe der Notenbank in Washington gerettet wurde. Seinerzeit wurde erstmals offiziell von einer akuten Gefahr für das amerikanische Finanzsystem gesprochen. Die Flucht ins physische Gold als Werterhaltungs- oder -aufbewahrungsmittel gilt als klassische Reaktion der Anleger auf solche Situationen. Für allenfalls nachrangig halten Experten das Argument, die zunehmenden Inflationserwartungen trieben Anleger ins Gold.
Um sich gegenüber Teuerung abzusichern, gebe es weit bessere Mittel wie den Kauf inflationsindexierter Staatsanleihen, heißt es. Niemand zeigt sich verwundert, dass sich das Interesse an Gold jüngst erneut verstärkt hat, weil die Krise inzwischen auch die amerikanischen Hypothekengiganten Freddie Mac und Fannie Mae erreicht und damit erkennbar weit über die Grenzen Amerikas hinaus streut. Damit ist sie zu einer Krise des internationalen Finanzsystems geworden, dessen Rückgrat bis August 1971 das Gold war.
Text: hi./F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Silber | 17,29 $ | −0,52% |
| Platin | 1.435,00 $ | −0,42% |
| Palladium | 366,00 $ | −1,08% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gas | 0,32 £ | +2,86% |
| Kaffee | 1,46 $ | −0,44% |
| Zucker | 0,26 $ | −0,35% |
| Orangensaft | 1,30 $ | +0,89% |
| AMEX GOLD BUGS | 429,64 | +2,13% |
| AMEX OIL | 1.043,97 | +0,18% |
| Rogers International | 21,94 | +0,23% |
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| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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