19. März 2008 Nach den Kursturbulenzen der vergangenen Tage und Wochen an den Finanzmärkten scheinen sich zumindest kurzfristig die Beruhigungsversuche der Zentralbanken in Form von massiven Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten sowie einer großzügigen Liquiditätsversorgung in Europa bemerkbar zu machen.
Die Börsen scheinen sich zu fangen und an den Devisen- und Rohstoffmärkten deuten zumindest kurzfristige Entwicklungen auf den Abbau extremer spekulativer Positionen hinzudeuten. So erholt sich der Dollar am Mittwoch deutlich gegen den Euro, gegen den Schweizer Franken und auch gegen den Yen. Gleichzeitig kommt es bei Rohstoffen zu ausgeprägten Gewinnmitnahmen.
Kurzfristige Gewinnmitnahmen bei Rohstoffen .. .
Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte WTI liegt inzwischen mit einem Preis von 104,6 Dollar knapp sieben Prozent unter dem noch am Montag erreichten Rekordhoch, der Goldpreis ist inzwischen mit 945 Dollar je Feinunze deutlich unter die Marke von 1.000 Dollar gefallen, der Preis von Silber gibt am Mittwoch satte 7,9 Prozent auf 18,4 Dollar nach und selbst beo dem Agrarrohstoffen kommt es zu deutlichen Preiseinbußen.
Der Sojapreis liegt inzwischen knapp 20 Prozent unter dem Rekordpreis der vergangenen Tage, Weizen hat knapp 16 Prozent nachgegeben und Mais immerhin acht Prozent. Selbst bei den Basismetallen kam es in den vergangenen Tagen zu deutlichen Preiskorrekturen nach unten: Der Bloomberg Base Metals Spot Price Commodity Index liegt am Mittwoch vor Ostern knapp neun Prozent unter dem noch Anfang März markierten Zwischenhoch.
Ob das mehr ist, als nur einer kurzfristige Flurbereinigung vor den Osterfeiertagen, wird sich erst noch zeigen müssen. Plötzlich scheint es jedoch fundamentale Gründe für Gewinnmitnahmen zu geben, obwohl genau diese in den vergangenen Monaten der allgemeinen Rohstoffeuphorie keine Rolle mehr gespielt zu haben schienen. So gibt es beispielsweise bei den Agrarrohstoffen Bedenken, die hohen Preise könnten in der kommenden beziehungsweise in der laufenden Saison zu einem deutlich zunehmenden Angebot führen.
... mittelfristig sollte sich der Dollar erholen können
Immerhin ist der Anreiz für Landwirte große, ihre Produktionsreserven bis aufs letzte auszureizen, um von der für sie vorteilhaften Preiskonstellation an den Märkten profitieren zu können. Selbst mit Blick auf die gut gelaufenen Düngemittelwerte gibt es immer mehr Stimmen, die mit einem Kursrückschlag rechnen. Bei der gesamten Entwicklung dürfte auch der Doller eine gewisse Rolle spielen.
In den vergangenen Monaten entwickelte er eine ausgeprägte Schwäche, weil die Marktteilnehmer zunehmend die Kredit- und Wirtschaftkrise in den Vereinigten Staaten realisierten und drastische Zinssenkungen der amerikanischen Zentralbank vorwegnahmen. As trieb nicht nur die in Dollar gehandelten Rohstoffpreise nach oben, sondern auch den Euro. Die europäische Einheitswährung unter Liquiditätsgesichtspunkten die einzige ernsthafte Alternative zur amerikanischen Währung. Inzwischen ist sie allerdings gemessen an Modellen wie der Zinsparität mehr als 30 Prozent überbewertet.
Das heißt, mittel- bis längerfristig ist eine Kurskorrektur überfällig. Denn so eine Bewertungsdifferenz ließe sich nur erklären, wenn die Preise und Zinsen in Europa im Vergleich mit den Vereinigten Staaten über längere Zeit weit auseinander liegen würden. Diese Annahme ist aufgrund der finanziellen und realwirtschaftlichen Verflechtung illusorisch. Denn der starke Dollar wird die wirtschaftliche Entwicklung und damit die Zinsaussichten in Europa dämpfen, während sie den amerikanischen Exportunternehmen Rückenwind gibt. Das sind Argumente, die für die Unternehmen in diesen Bereichen und für den Dollar sprechen - und gegen die Rohstoffe.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
