Edelmetalle

Der Preis für Platin erholt sich

Von Claudia Bröll

Teurer geworden

Teurer geworden

25. November 2009 Der beispiellose Anstieg des Goldpreises zieht auch die Preise anderer Edelmetalle mit in die Höhe. Vor allem Platin ist in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden. Das weiße Edelmetall kostet derzeit 1468 Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm), soviel wie seit August 2008 nicht mehr. In ähnlicher Weise erhöhten sich die Preise für Palladium und Rhodium, die zur gleichen Metallfamilie gehören. Marktbeobachter sehen darin die ersten Anzeichen für ein Ende der Krise auf dem Platinmarkt. Im kommenden Jahr könnte die Nachfrage wieder das Angebot übertreffen, nachdem in diesem Jahr wohl zum ersten Mal seit langem ein Platinüberschuss zu erwarten sei, heißt es. Weiterhin zu kämpfen aber haben die Minenkonzerne in Südafrika, die Dreiviertel des Weltmarktes mit Platin bedienen.

Der Platinpreis hat im vergangenen Jahr einen dramatischen Verfall erlebt. Vom Rekordniveau im Februar 2008 von 2225 Dollar fiel der Preis noch im gleichen Jahr auf weniger als 800 Dollar je Feinunze. Seit Ende 2008 erholt sich der Preis mit einigem Auf und Ab. Noch rasanter verlief die Entwicklung beim Rhodium. Das edelste der Edelmetalle auf der Welt kostete einst 10 000 Dollar je Feinunze, danach zeitwilig nur noch 1000 Dollar und derzeit liegt der Kurs bei 2750 Dollar.

Dollar, Goldpreis und Finanzinvestoren wichtigste Einflussfaktoren

Platin wird jeweils zur Hälfte in der Schmuck- und in der Autozulieferindustrie eingesetzt. Es ist ein wichtiger Bestandteil für die Produktion von Autokatalysatoren. Vor allem in Dieselmotoren gilt das besonders hitzebeständige Metall als nahezu unersetzlich. Rhodium wird in der Auto-, in der Elektroindustrie und im Flugzeugmotorenbau verwendet.

Marktbeobachter erklären den jüngsten Auftrieb des Platinpreises vor allem mit der Schwäche des Dollar und dem in der Folge höheren Goldpreis sowie dem von Finanzinvestoren, die über Exchange Traded Funds (ETFs) in Platin investieren. Fundamentale Gründe gebe es kaum für den Anstieg - mit einer Ausnahme: Die Chinesen haben überraschend wieder Gefallen an Platinschmuck gefunden, vermutlich weil das weiße Metall seit langem nicht mehr so billig war. Der britische Katalysatorbauer und Edelmetall-Experte Johnson Matthey berichtet von einer um fast 80 Prozent höheren Platinnachfrage chinesischer Juweliere in diesem Jahr. In der Autoindustrie dagegen sinke die Nachfrage weiter. Die Autobauer hätten in diesem Jahr ein Drittel weniger Platin gekauft als Vorjahr. In Europa fiel der Rückgang noch höher aus. Erst 2010 ist laut Johnson Matthey mit einer leichten Erholung zu rechnen.

Südafrikanische Platinproduzenten trotzdem nicht zufrieden

Außerdem macht sich im aktuellen Platinpreis bemerkbar, dass Südafrikas Minenkonzerne das Angebot deutlich reduziert haben. Wegen der globalen Rezession wurden etliche Minen geschlossen und die Förderung gedrosselt. Zudem kam es wegen Unfällen und Streiks zu unfreiwilligen Ausfalltagen. Der drittgrößte Anbieter Lonmin fördert in diesem Jahr 6 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Ungeachtet des höheren Platinpreises hat sich bei den Platinförderern die Krisenstimmung noch nicht gelegt. Der starke Kurs der Landeswährung Rand zehrt die Gewinne durch den höheren Dollar-Platinpreis zu großen Teilen wieder auf. Zum aktuellen Preisniveau decke etwa die Hälfte der Unternehmen gerade ihre Kosten, sagt Heye Daun, Edelmetallspezialist bei dem südafrikanischen Investmenthaus Bright-Blue Resources.

Rhodium fällt noch tiefer

Noch stärker als der Verfall des Platinpreises habe den Unternehmen der geringere Rhodiumpreis zugesetzt. Während der Boomzeit steuerte das in der Auto- und Elektroindustrie eingesetzte Metall im Durchschnitt 30 Prozent zum Umsatz bei. Die Kurse der Förderer entwickeln sich derzeit uneinheitlich.

Immerhin mehren sich die Hoffnungsschimmer. So kündigte Aquarius Platinum an, eine stillgelegte Mine zu öffnen. Bei den gegenwärtigen Preisen lohne sich der Betrieb wieder, sagte Konzernchef Stuart Murray. Solche Entscheidungen ruhen jedoch noch auf wackligem Fundament. Marktspezialist Johnson Matthey hält in den kommenden sechs Monaten zwar einen Platinpreis von 1550 Dollar für möglich. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass Gold so teuer bleibe wie bisher. Bei einem geringeren Goldpreis könnte sich Platin auch wieder auf 1250 Dollar verbilligen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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