Öl

Der Preis hat sich seit Juli fast halbiert

Von Arnd Hildebrand

Die Nachfrage nach Öl könnte sinken, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession abdriftet - Ölfeld in der Nähe von Baku

Die Nachfrage nach Öl könnte sinken, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession abdriftet - Ölfeld in der Nähe von Baku

16. Oktober 2008 Der Preis für Rohöl steht unter fortgesetztem Druck. Am Mittwoch fiel die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) im elektronischen Handel unter das Niveau von 75 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) und kostete damit gut 5 Prozent weniger als am Vortag. So günstig war Öl zuletzt im September 2007.

Am Donnerstag fiel der Preis weiter um rund 3 Prozent auf 72,32 Dollar je Barrel. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 3,2 Prozent auf 68,51 Dollar je Barrel. Seit seinem Mitte Juli verzeichneten Rekord, der für WTI in New York bei etwa 147 Dollar je Barrel lag, ist Öl nun fast um 50 Prozent billiger geworden.

Wenigstens aus markttechnischer Sicht gibt es keinen Hinweis auf ein Ende der Baisse. Mit Öl fallen auch die Notierungen für die Nachprodukte, unter denen die Verbraucher Benzin, Diesel und vor allem Heizöl aufmerksam verfolgen. Benzin hat in den vergangenen Wochen eine besondere „relative Schwäche“ gezeigt und damit die seit langem herrschende Tendenz bestätigt. Das Interesse an Diesel und dem weitgehend gleichartigen Heizöl nimmt jetzt zu Beginn der Heizperiode auf der nördlichen Halbkugel immer mehr zu.

Düstere Konjunkturaussichten

Für die Baisse im Ölmarkt gibt es nach gängiger Darstellung zwei Ursachen. Zum einen verdüstern sich die Aussichten für die Weltwirtschaft und damit auch für den Bedarf an Öl und seinen Nachprodukten zunehmend. Händler berichten seit längerem, dass die physische Nachfrage flächendeckend über die Welt hinweg spürbar sinkt. Inzwischen sei dies sowohl für die in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vereinten Länder als auch für die Schwellenländer als Gruppe nachweisbar.

Vor allem aber sei von Vorratskäufen, die zu Zeiten noch steigender Notierungen buchstäblich um jeden Preis getätigt worden seien, nur noch wenig zu bemerken. Die Terminkurve drückt derzeit eine große Unsicherheit aus. Sie weist bis auf eine Sicht von etwa 30 Monaten eine eher steigende Tendenz auf, um dann für den Rest der bis Dezember 2016 laufenden Fälligkeiten flach zu verlaufen.

Hedge-Fonds liquidieren Positionen

Nicht wenige Analysten deuten dies als Hinweis darauf, dass der Markt am dauerhaften Bestand der derzeitigen Preise zweifelt. Zum anderen spielt das Verhalten der Hedge-Fonds an den Terminbörsen für Rohöl in New York und in London eine wesentliche Rolle für die Entwicklung des Marktes. Sie haben bereits zu Beginn des Jahres begonnen, ihre damals exzessiv hohen Netto-Kaufpositionen zu liquidieren. Dieser Abbau setzte sich bis in den August hinein fort und dürfte schließlich stark zu der im Juli verzeichneten Tendenzwende beim Preis beigetragen haben.

Im August und im September stiegen die Netto-Kaufpositionen der Hedge-Fonds wieder deutlich, nur um dann abermals stark zurückzugehen. Nach den jüngsten amtlichen Daten von der Terminbörse in New York sind die Engagements dieser einflussreichen Marktteilnehmer etwa im neutralen Bereich angelangt. Analysten halten es für möglich, dass sich bei den Hedge-Fonds als Nächstes Netto-Baissepositionen aufbauen, die den Preisdruck noch verstärken würden.

Stützung zwischen 70 und 75 Dollar

Zur technischen Lage am Terminmarkt für Rohöl bleibt festzuhalten, dass Analysten zwischen 70 und 75 Dollar Stützung zu erkennen glauben. Bemerkenswert erscheint die Aussage von Merrill Lynch, dass die langjährige Aufwärtstendenz allerdings selbst dann nicht gebrochen würde, wenn die Notierungen in den Bereich von 50 Dollar zurückfallen sollten.

Die Investmentbank hat kürzlich erst ihre Prognose zum durchschnittlichen Ölpreis sowohl in New York als auch in London von 107 auf 90 Dollar gesenkt. Für den von ihr als unwahrscheinlich bezeichneten Fall, dass im nächsten Jahr zeitgleich weltweit eine Rezession eintreten sollte, hält sie auch aus fundamentaler Sicht einen Rückgang auf 50 Dollar für möglich.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET

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