Agrarrohstoffe

Der Reis ist teuer geworden

02. April 2008 Der massiven Preissteigerungen der vergangenen Monate im Agrarbereich haben sich nicht nur auf Produkte wie Weizen, Mais und Soja beschränkt, sondern auch der Preis für Reis ist deutlich nach oben gegangen. An der Terminbörse in Chicago verbuchte der Terminkontrakt auf Rohreis in den vergangenen sechs Jahren Preiszuwächse von bis zu 450 Prozent.

Ende des vergangenen Monats kosteten ein Hundredweight oder 45,36 Kilogramm Rohreis in der Spitze 20,17 Dollar. Der Preisauftrieb lässt sich einerseits durch Substitutionseffekte erklären. Wenn ein Nahrungs- oder Futtermittel teuerer wird als andere, versuchen die Kunden auf andere Produkte mit ähnlichen Eigenschaften auszuweichen.

Kurzfristig enges Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage

Auf der anderen Seite ist der Preisauftrieb jedoch kurz- und mittelfristig auch auf ein enges Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zurück zu führen. Nach Angaben der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) trifft diese Beschreibung vor allem auf Bangladesh, China, Indien, Indonesien, Burma, die Philippinen und Thailand zu.

„Der internationale Reismarkt befindet sich in einem schwierigen Umfeld, in dem die Nachfrage größer sei als das Angebot, was zum Preisauftrieb beitrage,“ erklärte FAO Senior Economist Concepcion Calpe die Lage am zweiten April. Nach jüngsten Schätzungen stieg die Reisproduktion im Jahr 2007 gerade einmal um ein Prozent auf 650 Millionen Tonnen weltweit. Das wäre das zweite Jahr in Folge, in welchem der Produktionszuwachs hinter dem Bevölkerungswachstum zurückgeblieben wäre.

Als Folge werde der internationale Handel mit Reis einen Umfang von 29,9 Millionen Tonnen erreichen. Das wären 1,1 Millionen Tonnen weniger als ursprünglich angenommen worden war. Denn aufgrund der hohen Preise und der angespannten Versorgungslage haben die traditionellen Reisexportstaaten China, Indien, Ägypten, Vietnam und Kambodia ihre Exporte über Quoten und Steuern eingeschränkt oder sie verlangen bestimmte Mindestpreise. Davon werden in erster Linie Importstaaten wie Bangladesch, Indonesien und Iran betroffen. Skeptiker schließen soziale Unruhen in solchen Staaten nicht aus, da gerade ärmere Bevölkerungsschichten von den hohen Preisen betroffen sind.

Mittelfristig dürfte die Produktion in den kommenden Monaten deutlich zunehmen

Allerdings gibt die FAO auch eine gewisse Entwarnung: In der anstehenden Erntesaison werde die Produktion in sowohl in den asiatischen, als auch in den afrikanischen und amerikanischen Anbaugebieten zum Teil deutlich zunehmen. Ausnahmen stellen Australien dar, wo nicht genug Wasser für den Anbau zur Verfügung steht und die Vereinigten Staaten, wo die Flächen zunehmend für den Anbau anderer Nutzpflanzen verwendet würden.

In den kommenden Monaten werde der Preisauftrieb bei Reis deswegen gedämpft werden können, weil neue Ernten aus Brasilien, Uruguay, Bangladesch, Indonesien, Thailand und Vietnam auf den Markt kommen. Im laufenden Jahr werde die Reisproduktion weltweit bei normalen Wetterverhältnissen um voraussichtlich 1,8 Prozent oder zwölf Millionen Tonnen zunehmen, heißt es weiter von Seiten der FAO. Aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, bei Reis die Preiserwartungen nicht mehr zu hoch zu hängen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa

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