Devisenmarkt

Bank von England belastet das Pfund

11. November 2009 Die Anzeichen einer leichten Konjunkturerholung in Großbritannien stehen auf so schwachen Beinen, dass die Bank von England eine Fortsetzung ihrer Notpolitik der quantitativen Lockerung in der Geldpolitik nicht ausschließt. Der Wechselkurs des Pfund reagierte am Mittwoch mit einem neuen Schwächeanfall, nachdem der Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, bei Präsentation des Inflationsberichtes der Notenbank sagte, er sei "völlig offen" mit Blick auf die Politik der quantitativen Lockerung der Geldpolitik.

Das Pfund gab gegenüber den Währungen seiner 16 wichtigsten Handelspartner nach. Gegenüber dem Euro verlor das Pfund bis auf 90,51 Pence. Gleichzeitig hat das Pfund auf bis zu 1,6799 Dollar abgewertet.

Das britische Pfund zählt zu den schwächsten Währungen weltweit

In den vergangenen zwei Jahren hat die britische Währung 27 Prozent an Wert gegenüber dem gewichteten Währungskorb seiner wichtigsten Handelspartner eingebüßt. Diese Schwäche des Wechselkurses wurde von King jedoch neben der quantitativen Geldpolitik und fiskalpolitischen Maßnahmen als Mittel genannt, die Konjunktur zu stärken.

King spielte bei Vorlage des Quartalsberichtes die jüngsten Anzeichen der Konjunkturerholung herunter und betonte vielmehr, wie schwach die Wirtschaftsverfassung sei, wie zurückhaltend die Nachfrage ausfalle und wie lange es dauern werde, bis Banken ihre Bilanzen saniert hätten und wieder zu einer stärkeren Kreditvergabe übergehen könnten. Der Inflationsreport gibt an, dass die Bank von England ein Wirtschaftswachstum von 3,75 Prozent Ende 2011 erwartet. Die Inflation hingegen, die im September auf 1,1 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken ist, werde voraussichtlich die kommenden drei Jahre unter dem Regierungsziel von 2 Prozent liegen.

Die Betonung der Konjunkturschwäche durch King ließ Marktteilnehmer in London vermuten, dass der Notenbankgouverneur auf der letzten Sitzung des geldpolitischen Komitees möglicherweise für eine stärkere Ausweitung der Notpolitik plädiert hatte. King war deshalb bereits im August von seinen Kollegen in dem geldpolitischen Gremium überstimmt worden. Vergangene Woche verkündete die Bank von England, sie habe beim Schatzamt eine Ausweitung der Wertpapierkäufe durch die Notenbank um 25 auf 200 Milliarden Pfund beantragt. Dies bedeutet zwar, dass die Bank von England ihre Käufe von Staatsanleihen am Markt in den kommenden drei Monaten drosselt. Es läutet aber noch nicht das Ende der Politik der quantitativen Lockerung ein.

Sorge vor hoher Verschuldung und möglicher fiskalpolitischer Belastungen

Die Erwartung, dass in Großbritannien der Zins längere Zeit auf 0,5 Prozent verharren wird und dass die Bank von England ihre Notpolitik der geldpolitischen Lockerung noch weiter fortsetzen wird, schwächt den Wechselkurs des Pfund vor allem gegenüber dem Euro und übt Druck auf die Renditen britischer Staatsanleihen aus. Am Mittwoch fiel die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen (Gilts) auf 3,76 Prozent. Marktteilnehmer erwarten, dass die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und der Währungsunion schneller wieder auf einen Normalpfad einschwenken könnten. Die Vereinigten Staaten und Länder wie Deutschland und Frankreich freuen sich bereits über Anzeichen neuen Wirtschaftswachstums, während sich Großbritannien im dritten Quartal immer noch in einer Rezession befand.

Mit einem Seitenhieb auf die Regierung betonte King, Zuversicht und Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung werde sich erst einstellen, wenn Klarheit darüber herrsche, wie und wie zügig die Staatsschulden abgebaut und das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen würde. Im Quartalsreport der Bank von England wird betont, dass die Sorge vor hoher Verschuldung und möglicher fiskalpolitischer Belastungen die Nachfrage der Konsumenten hemme.

Am 9. Dezember wird Schatzkanzler Alistair Darling den Haushaltsplan und weitere Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung präsentieren. Die Ratingagentur Fitch hatte in dieser Woche gewarnt, Großbritannien unterliege dem größten Risiko aller vier entwickelten westlichen Länder, die über die höchste Bonitätsnote "AAA" verfügen, dieses Rating angesichts seiner hohen Staatsschulden zu verlieren, vor allem, wenn das Land ein weiteres großes Konjunkturpaket auflegen werde.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bank of England, FAZ.NET

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