Rohstoffe & Edelmetalle

Der Goldpreis kennt keine Grenze mehr

Von Christof Leisinger

08. Januar 2008 Gold - ähnlich wie viele andere Rohstoffe wurde das Edelmetall von den Anlegern nach einem Preissprung in den inflationären 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunächst kaum noch beachtet. Der Preis geriet in einen Abwärtstrend, weil eine Zeit lang sich immer mehr Anleger von den damals unrentablen Anlagen trennten und weil Goldproduzenten diesen Preisdruck noch durch Absicherungstransaktionen verstärkten.

In den vergangenen Jahren hat sich das allerdings geändert. Im Rahmen der allgemeinen Energie- und Rohstoffhausse hat auch der Goldpreis deutlich angezogen und am achten Januar des Jahres 2008 mit 876,67 Dollar je Feinunze ein neues Allzeithoch erreicht und damit den im April des Jahres 2004 etablierten Aufwärtstrend fortgesetzt.

Kursrekord erschließt aus technischer Sicht neuen Spielraum nach oben

Mit dem Kursrekord wird zumindest aus technischer Sicht neues Terrain erschlossen. Das heißt, von nun ab scheint alles möglich zu sein. Aus fundamentaler Sicht lassen sich viele Argumente für den steigenden Goldpreis anführen. An erster Stelle steht die anhaltende Kursschwäche des amerikanischen Dollars, der in den vergangenen Monaten gewissermaßen zu einer Dollarinflation geführt und alle in dieser Währung denominierte Werte nach oben getrieben hat.

Die Sorgen über die schwache Währung dürften verstärkt worden sein durch die anhaltende Kreditkrise, in deren Rahmen sich die Banken gegenseitig nicht mehr richtig zu vertrauen scheinen. Da niemand genau weiß, wo die bonitätsschwachen Hypothekarpapiere verschiedenster Herkunft liegen und wer möglicherweise auf ihrer Basis gar Kredite vergeben hat, dürfte diese Verunsicherung noch eine weile andauern können und auch die Realwirtschaft beeinträchtigen. Deswegen neigt die amerikanische Zentralbank zu einer inflationären Geldpolitik mit hohen Geldmengen und tiefen Zinsen, die wiederum den Dollar weiter in die Defensive bringen kann.

Zum Börsenkurs

Aus diesem Grund neigen offensichtlich immer mehr Anleger zu einer neuartigen Diversifikation ihrer Risiken, in deren Rahmen sie sich auch Edelmetalle ins Depot legen. Das zunehmende Interesse zeigt sich an den hohen offenen Positionen an den Terminmärkten ebenso, wie an den zunehmenden Volumina, die so genannte ETCs - das sind börsengehandelte Rohstofffonds, die die Preisentwicklung der Basisprodukte eins zu eins replizieren - verzeichnen.

Auf diese Weise verstärkt sich die Goldhausse bis auf weiteres selbst. Denn die zunehmende Nachfrage der Anleger selbst treibt den Preis weiter nach oben. Der steigende Preise wiederum führt zu zunehmendem Interesse, das unter anderem auch von Banken weiter gefördert wird. Längst haben sie Lunte gerochen und Fonds, Zertifikate und andere auf den Goldspreis bezogene Anlageprodukte auf den Markt geworfen und kräftig beworben.

Das Volumen des größten Gold-ETFs StreetTrack Gold Trust stieg per vierten Januar auf ein neues Rekordniveau von 639,35 Tonnen. Die anhaltenden starken Zuflüsse bei Gold-ETFs alleine 10 Tonnen in den vergangenen drei Handelstagen sowie die extrem hohen Handelsvolumina bei den Aktien der großen Goldproduzenten zeigten deutlich, dass sich weiterhin viele neue Anleger auf dem Goldmarkt positionieren wollen. Dies dürfte den Preis nach unten absichern, heißt es. Der StreetTrack Gold Trust überholte die Zentralbank der Niederlande und belegt nun nach Japan Platz acht der größten Goldeigner der Welt.

Diversifikation von Risiken

Der Kauf von Gold, Silber und anderen Edelmetallen mag manchem Anleger nutzlos erscheinen, da diese weder Kupons noch Dividenden abwerfen. Auf der anderen Seite kann sich die Beimischung zu einem Portfolio eben dann lohnen, wenn der Preis des entsprechenden Produktes nach oben läuft oder sich anders entwickelt, als die Kurse anderer Finanz- und Vermögenswerte. Immerhin besteht der Unterschied von Edelmetallen und anderen Bodenschätzen zu anderen „Vermögenswerten“ darin, dass sie physisch endlich und damit nicht beliebig vermehrbar sind.

Blickt man einerseits auf die Preisentwicklung von Gold in den vergangenen Monaten und auf die simultane Dollarschwäche, so scheint genau das der Fall zu sein. Dieser intuitive Eindruck wird bestätigt durch eine statistische Untersuchung, die Global Insight im Auftrag des World Gold Council anhand der Daten der Jahre 2002 bis 2006 durchführte. Sie zeigt, dass ein negativer Zusammenhang zwischen der Entwicklung des amerikanischen Dollars und dem Goldpreis besteht. Der Korrelationskoeffizient liegt bei minus 0,45.

Nicht nur die spekulative Nachfrage steigt, sondern gleichzeitig nimmt die Nachfrage aus der Schmuckindustrie aufgrund des weltweit zunehmenden Wohlstandes trotz des hohen Preises im Trend zu. Selbst die Nachfrage aus anderen Industriezweigen - zum Beispiel aus dem Elektroniksektor - zeigt sich aufgrund der weltwirtschaftlichen Entwicklung dynamisch, während sie im Dentalbereich leicht rückläufig ist. Gleichzeitig ist die Minenproduktion seit dem Jahr 2001 im Trend rückläufig. Das mag der Intuition widersprechen. Allerdings lässt sich die Entwicklung einerseits durch deutlich gestiegene Kosten und andererseits durch lange Vorlaufzeiten erklären, die Minenprojekte benötigen. Diese Konstellation wurde verstärkt durch das Bemühen vieler Minenunternehmen, ihre Hedgepositionen zu reduzieren. Das zwang sie dazu, per Termin verkaufte Goldbestände zurückzukaufen - mit entsprechenden Konsequenzen für den so genannten Spotmarkt.

War der Goldpreis lange Zeit von Verkäufen der Zentralbanken gedrückt worden, so hat sich auch das in den vergangenen Jahren mit einem Übereinkommen der Banken untereinander geändert: Die Verkaufsaktivitäten wurden koordiniert und damit begrenzt. Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten könnte die Verkaufsbereitschaft obendrein deutlich zurückgehen.

Insgesamt dürfte der Goldpreis auf Basis der Gesamtkonstellation auch ohne den Bezug auf alle nur denkbaren Verschwörungstheorien weiter nach oben laufen können. Sollte diese Eigendynamik jedoch irgendwann erlahmen - aus welchem Grund auch immer -, dürften deutliche Preisrückschläge niemanden überraschen.

Gewusst wie: So investieren Anleger in Gold

1. Physisches Gold. Die einfachste Variante, in Gold zu investieren, ist der Kauf von Münzen und Barren. Anleger sollten aber auf die Kosten achten: Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis ist mitunter beträchtlich. Bei größeren Anlagebeträgen sind die Transaktions- und Lagerkosten recht hoch.

2. Gold-ETF. Die börsengehandelten Fonds sind eine kostengünstige Alternative zum Kauf von physischem Gold. Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold bilden den Goldpreis nahezu eins zu eins ab. Der große Vorteil im Vergleich zu Zertifikaten: Es handelt sich um ein Sondervermögen, das vor einer möglichen Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt ist. Das bekannteste ETF ist das Lyxor Gold Bullion Securities (DE000A0LP781). Interessant für sicherheitsbedachte Goldliebhaber: Der Fonds ist mit der entsprechenden Menge an Goldbarren hinterlegt, die bei einer Depotbank für die Anleger verwahrt werden.

3. Goldzertifikate. Es handelt sich um Schuldverschreibungen, die den Goldpreis nachbilden. Anders als ETF besitzen sie ein Emittentenrisiko. Zudem sind sie steuerlich im Nachteil. In diesem Jahr konnte vor allem ein Goldzertifikat mit Währungssicherung (Quanto-Zertifikat) von ABN Amro (DE000A0AB842) mit einer Wertentwicklung von 29 Prozent glänzen.

4. Goldminenfonds. Von der Kursentwicklung des Goldes profitieren insbesondere die Minengesellschaften. Gemessen am FTSE Gold Mines Index, haben sie seit Jahresanfang 18 Prozent gewonnen. Der Index umfasst die Aktien von internationalen Goldproduzenten. Er ist die Messlatte für viele Goldminenfonds. Der größte dieser Fonds ist der MLIIF World Gold Fund (LU0055631609). Mit einer Wertentwicklung von 17 Prozent in diesem Jahr ist er auch einer der erfolgreichsten. Besser schlug sich nur der PEH Q-Goldmines (LU0070355788) mit plus 19 Prozent.

5. Goldfonds. Nicht in Aktien, sondern direkt in physisches Gold, Edelmetallkontrakte und Anleihen investiert der DWS Gold Plus Fonds (LU0055649056). In diesem Jahr hat er sich mit 18 Prozent hervorragend geschlagen. Auf Sicht von drei Jahren enttäuschte die Wertentwicklung aber im Vergleich zu den konkurrierenden Goldminenfonds. Allerdings weist der DWS-Fonds eine der geringsten Schwankungsbreiten auf.

chf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AFP, AP, FAZ.NET, Global Insight/World Gold Council, REUTERS, SG Commodities Research

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