Nach einer kurzen Zwischenkonsolidierung zu Wochenbeginn setzte der Euro in dieser Woche die Serie der Rekordkurse gegen den Dollar fort. Nachdem die Erzeugerpreise in Deutschland am Dienstagmorgen mit einem Plus von 0,4 Prozent auf Monatsbasis und mit einem Plus von 1,7 Prozent im Oktober etwas höher als erwartet hereinkamen, setzten deutliche Käufe ein und trieben den Kurs der europäischen Einheitswährung nach oben.
Angesichts der sich weiter ausweitenden Subprime-Krise und der Erwartung, dass die amerikanischen Notenbank weitere Leitzinssenkungen nicht werde vermeiden können, gehen die Dollar-Verkäufe weiter.
Mittlerweile scheint auch der Rückgang der amerikanischen Renditen ein bedrohliches Niveau erreicht zu haben. So rentieren zehnjährige Treasuries nur noch mit vier Prozent. Damit seien Niveaus erreicht, bei denen sich japanische Investoren traditionell von amerikanischen Assets abwendeten. So kann es nicht verwundern, dass der Dollar auch gegen den Yen eines neues Jahrestief von 107,50 Yen markiert hat und gegen den Schweizer Franken unter die Marke von 1,1000 Franken gefallen. Mit Blick auf die steigende Risikoaversion der Anleger ist von
weiteren Carry-Trade-Auflösungen auszugehen.
Der Euro steuert bei einem Höchstkurs von 1,4964 Dollar immer stärker auf die magische Marke von 1,50 Dollar zu, allzumal die deutschen Importpreise im Oktober deutlich gestiegen sind. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte, lag der Index der Einfuhrpreise um 2,3 Prozent über dem Vorjahresstand. Im September und im August waren es plus 1,3 beziehungsweise minus 0,6 Prozent gewesen.
Bei den Energieträgern war gegenüber Oktober 2006 ein Preisanstieg von 15,1 Prozent zu verzeichnen. Rohöl wurde um 24,4 Prozent teurer, die Preise für Mineralölerzeugnisse stiegen um 22,3 Prozent. Nur die Preissenkungen bei Erdgas (minus 8,2 Prozent) wirkten sich abschwächend auf die Teuerung aus.
Solche Daten legen zusammen mit Äußerungen von Seiten der Europäischen Zentralbank, sie betrachte die laufenden Lohnverhandlungen in Europa kritisch, die Vermutung nahe, die europäische Geldpolitik werde zumindest rhetorisch restriktiv bleiben. Das alleine würde unter normalen Umständen die Märkte vielleicht nicht sonderlich beeindrucken. Allerdings treffen sie mit Spekulationen zusammen, dass die arabischen Ölstaaten ihre Währungen vom Dollar abkoppeln und welche Wirkungen dies haben könnten.
Gerät der Dollar weiter in die Diversifikationsdefensive?
Tatsache ist, dass die Bindung der Währungen der Ölstaaten am Persischen Golf zusammen mit den massiven Handelsbilanzüberschüssen und der Geld- und Zinspolitik der amerikanischen Zentralbank zu massiven inflationären Problemen führt. Sie lassen sich nur durch restriktivere Politiken oder durch eine Abkoppelung der Währungen lösen. Längst spekuliert der Markt genau darauf. Die Marktteilnehmer rechnen beispielsweise damit, dass der saudische Riyal in einem Jahr deutlich mehr wert sein wird als heute.
Eine Abkoppelung der arabischen Währungen vom Dollar würde zusammen mit ähnlichen Tendenzen in Asien im Endeffekt dazu führen, dass die Nachfrage nach Wertpapieren in Dollar zumindest tendenziell verhaltener als bisher ausfallen würde. Dagegen rechnen viele damit, dass die Nachfrage nach Euro-Papieren zunehmen werde. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sich die Konjunktur in Europa gegenwärtig robuster entwickelt als in den Vereinigten Staaten.
Dort macht sich die Kredit- und Häusermarktkrise immer deutlicher bremsend bemerkbar. Die Anzahl der Baubeginne hat sich mit einer Anzahl von 1,23 Millionen im Oktober zwar etwas vom Vormonat erholt, dafür fiel die Zahl der Baugenehmigungen mit 1,2 Millionen schwächer aus als erwartet - kein sonderlich gutes Vorzeichen für die Zukunft des Sektors. Die jüngsten Zahlen von der Produktionsseite waren ebenfalls nicht sonderlich überzeugend. Dieser Unterschied führt dazu, dass sich die europäischen Unternehmen, die zudem vielfach solider bilanzieren als ihre amerikanischen Pendants, vergleichsweise robust entwickeln dürften. Immerhin profitieren sie trotz der starken Währung stark von der Investitionsnachfrage aus Asien und nicht zuletzt auch aus den reichen Ölstaaten am Golf. Der starke Euro trägt dazu bei, die Dollarkosten für Rohstoffe und Energie zu dämpfen.
Kann sich die amerikanische Zentralbank weitere Zinssenkungen leisten?
Das macht sie zusammen mit einer vergleichsweise vernünftigen Bewertung für Anleger interessant. Auf der anderen Seite wird der Devisenmarkt von der Vermutung dominiert, die amerikanische Zentralbank werde den Leitzins trotz der inflationären Probleme - die Importpreise ziehen deutlich an - in den kommenden Monaten weiter nach unten nehmen und auf diese Weise den Dollar von der Zinsseite her noch weniger attraktiv machen als bisher. Gleichzeitig sehen sie wenig Bewegungsspielraum bei den an sich unterbewerteten Währungen Asiens. So werden sie auch aus diesem Grund bei Diversifikations- und Dollarfluchtbemühungen aus Liquiditätsgründen gezwungen, in den Euro zu investieren.
Allerdings zeigt der Blick auf die Positionierung an den Terminmärkten, dass der Dollarpessimismus inzwischen ausgeprägt ist. Gleichzeitig nehmen die Exportaktivitäten der amerikanischen Unternehmen aufgrund der schwachen Währung zu, während die Importaktivitäten aufgrund der schwachen Konjunktur und auch der schwachen Währungen abnehmen. Auf diese Weise kann das amerikanische Handelsbilanzdefizit rasch abnehmen.
Zusammen mit einer überraschend robusten Gewinnentwicklung bei amerikanischen Unternehmen mit hohem Exportanteil - alleine die Währungseffekte werden sich optisch positiv bemerkbar machen - kann das schließlich zu einer deutlichen Erholung der amerikanischen Währung führen. Gerade auch deswegen, weil kaum noch jemand damit rechnet. Fragt sich nur, wann.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: BNP Paribas FX Strategy, CFTC, Bloomberg, Dresdner Kleinwort Research, FAZ.NET, Northern Trust Corporation