30. Mai 2007 Sorgt am Mittwoch wieder einmal ein Kurseinbruch an der chinesischen Börse für Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten, so fallen sie jedoch zunächst relativ bescheiden aus. Die Marktteilnehmer scheinen sich nach und nach an solche Vorkommnisse zu gewöhnen.
Das dürfte verschiedene Gründe haben. Erstens kommen sich nicht unerwartet, da der chinesische Markt eindeutig überhitzt ist und da die chinesische Administration schon mehrfach versucht hat, die Kursentwicklung aus Sorge über die Konsequenzen einer tatsächlichen und nachhaltigen Korrektur zu dämpfen. Sie dürfte dabei den Blick unter anderem auf die Erfahrung Japans blicken, wo das Platzen der Aktienmarktblase zu einer jahrelangen deflationären und wachstumsschwachen Entwicklung führte.
Deutlich steigende Zinsen am kurzen Ende in Taiwan
Zum anderen ist der Risikoappetit in einem Umfeld mit hoher Liquidität und nach wie vor relativ niedrigen Zinsniveaus in vielen Teilen der Welt groß, zumal er sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt hat. Aus diesem Grund dürfte die Neigung groß sein, die bisher so erfolgreichen Trends einfach wieder aufzunehmen.
Bei allem Optimismus gibt es jedoch auch Anzeichen, die neuerdings auf eine gewisse Veränderung des fundamentalen Umfeldes hinweisen. Dazu gehört unter anderem die Tatsache, dass die Renditen an den internationalen Zinsmärkten nach und nach steigen. Das gilt auch für Taiwan. Dort sind die Renditen für Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren von 1,94 Prozent noch im März auf zuletzt 2,84 Prozent gestiegen. Noch deutlicher war die Entwicklung am kurzen Ende der Laufzeit: Der Ein-Jahres-Swapsatz hat in den vergangenen Tagen dramatisch angezogen. Hatte er Anfang März noch bei 1,81 Prozent gelegen, so liegt er am Mittwoch bei 2,315 Prozent.
Das hat Folgen. Denn auf diese Weise werden die so genannten Carry Trades, die sich unter anderem auch in Taiwan günstig refinanzieren ließen, deutlich teurer als zuvor. Die Konsequenz: Der Kurs des Taiwan-Dollar ist in den vergangenen Tagen deutlich gegen den amerikanischen Dollar und auch gegen den Euro zurückgekommen und hat dabei die kurzfristigen Abwertungstrend durchbrochen. Waren am 30. April noch 45,59 Taiwan-Dollar notwendig gewesen, um einen Euro erwerben zu können, so sind dafür inzwischen noch 44,2685 Taiwan-Dollar nötig. Gegen den amerikanischen Dollar sah die jüngste Entwicklung ähnlich aus.
Interveniert die Zentralbank gegen die Abwertung?
Hintergrund sind nach Einschätzung von Marktteilnehmern einerseits Interventionen gegen die Abwertung und andererseits die dadurch ausgelösten Stopp-Loss-Aufträge. Obwohl sich die Entwicklung bisher noch im Rahmen hält, macht es sensitive Anleger etwas nervös. Denn die Entwicklung deutet in Ansätzen an, was passieren könnte und würde, sollte der bisher noch große Risikoappetit zurückgehen. Dann dürften nicht nur die Schwellenländerbörsen einen schweren Stand haben, sondern unterbewerte Währungen wie der Taiwan-Dollar und der Yen könnten rasch und deutlich aufwerten.
Strategisch orientierte Anleger sind längst darauf eingerichtet. Sie gehen davon aus, dass die ausgeprägte Risikoneigung früher oder später zurückgehen wird. Dafür sei wenig nötig. Eine im Verhältnis zu den erzielbaren Renditen unbedeutende Erhöhung der chinesischen Stempelsteuer könne das Fass schon zum Überlaufen und die Märkte zu einer Korrektur bringen. In den vergangenen 15 Jahren sei genau das zumindest in China schon mehrfach zu beobachten gewesen. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, solche Trendbrüche wie beim Taiwan-Dollar und dessen Folgen genau zu betrachten.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET