17. Juni 2008 Mit einer wahren Achterbahnfahrt reagiert am Dienstag der Kurs des britischen Pfundes zumindest kurzfristig auf die Veröffentlichung der Inflationszahlen für den Mai. Mit einem Anstieg der Konsumentenpreise um 3,3 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode fielen sie nicht nur höher aus als erwartet, sondern sie erreichten den höchsten Stand seit August des Jahres 1992.
Das zwang den britischen Zentralbankgouverneur Mervyn King erneut, einen Brief an die britische Regierung zu schreiben, da die Inflationsrate mehr als einen Prozentpunkt vom Zielsatz von zwei Prozent abweicht. Darin muss er erklären, wie es dazu kommen konnte und was die Zentralbank dagegen zu tun gedenkt. Schon im April des vergangenen Jahres war so ein Brief notwendig gewesen.
Schwache Wirtschaft - steigende Preise
Die Zentralbank steckt völlig in der Zwickmühle. Denn auf der einen Seite ist die britische Wirtschaft aufgrund der Häusermarkt- und Kreditkrise stark geschwächt. Das würde unter normalen Umständen zumindest bei angelsächsischen Zentralbanken dazu führen, die Zinsen zu lockern, um auf diese Weise die Wirtschaft wieder zu stimulieren. Allerdings bringt das wenig in einem Umfeld, in welchem tiefe Zinsen alleine nichts bringen, da vielfach die Solvenz und das Vertrauen der Wirtschaftsteilnehmer untereinander fehlt.
Dazu kommt der Preisauftrieb bei Energie und Rohstoffen. Er lässt die Kaufkraft der sowieso schon angeschlagenen Konsumenten weiter erodieren und schwächt auf diese Weise die Wirtschaft zusätzlich. Aus diesem Grund können die angelsächsischen Zentralbanken gegenwärtig ihre traditionelle Medizin nicht mehr verabreichen. Die Inflationserwartungen sind zumindest in Großbritannien noch höher als die aktuelle Entwicklung. Da viele Anleger aufgrund dieser Inflationssorgen zum Kauf von Rohstoffen und anderen physischen Gütern tendieren, treiben sie auf diese Weise die Preise weiter nach oben und können die Zentralbanken letztlich dazu zwingen, restriktiver zu werden, um den Preisauftrieb zu stoppen.
Preiserwartungen gegen Zinspolitik der Zentralbank
Angesichts der Auseinanderlaufens der Preiserwartungen dürften die jüngsten Zinsschritte der britischen Zentralbank - sie hat in den vergangenen sechs Monaten den Leitzins von 5,75 auf zuletzt fünf Prozent gesenkt - vorerst die letzten in diese Richtung gewesen sein. Möglicherweise kommen sogar Phantasien auf, die britische Zentralbank könnte restriktiver werden müssen. Das jedoch würde der Währung kaum etwas nützen, da die britische Wirtschaft nur noch weiter geschwächt werden würde.
Tatsächlich steht das Pfund am Dienstag deutlich unter Druck. Mit einem Kurs von 79,337 Pence sind 0,6 Prozent mehr Einheiten der britischen Währung nötig, um einen Euro erwerben zu können, als am Montag. Gegen die amerikanische Währung geht der Kurs um 0,5 Prozent nach unten auf 1,9529 Dollar je Pfund. Inzwischen ist sogar der langfristige Abwertungstrend des Dollars gegen das Pfund gefährdet.
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Text: @cri
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