Rohstoffe

Indizien für eine Korrektur des Preises von Blei

23. April 2007 Die Preisentwicklung von Energie und Rohstoffen und ihre Volatilität sorgte in den vergangenen Monaten für Furore und für Schlagzeilen. Zu den deutlichsten Preissteigerungen kam es seit Beginn des Jahres 2003 bei Nickel, Kupfer, Zink und nicht zuletzt bei Blei.

Der Preis für das Schwermetall hat an den Terminbörsen von 413,5 Dollar je Tonne im September des Jahres 2002 zugelegt au zuletzt 1.980 Dollar je Tonne. Der Trend zeigt weiterhin nach oben.

Blei - Unterversorgung in den ersten beiden Monaten des Jahres

Jüngste Daten und Nachrichten deuten darauf hin, dass sich diese Preisentwicklung fundamental ableiten lässt. So zitieren die Rohstoffanalysten von Macquarie eine Untersuchung der International Lead and Zinc Study Group, nach welcher der Markt für raffiniertes Blei in den ersten beiden Monaten des Jahres eine Unterversorgung von 52.000 Tonnen zu verkraften gehabt habe, während im selben Zeitraum des vergangenen Jahres noch eine entsprechende Überversorgung zu beobachten gewesen sei.

In China habe im selben Zeitraum nicht nur die Produktion von raffiniertem Blei um 12,7 Prozent auf Jahresbasis zugenommen, sondern gleichzeitig sei der Export deutlich zurückgegangen. Optisch ist auf diese Weise zwar ein Nachfragezuwachs von knapp 46 Prozent induziert worden. Allerdings rechnen Marktbeobachter damit, dass China einen gewissen Lagerbestand an Blei aufgebaut habe.

Die chinesischen Bleiexporte sind in den ersten beiden Monaten um 91,100 Tonnen zurückgegangen von 104.600 Tonnen in der Vergleichsperiode des vergangenen Jahres. Das dürfte zum Preisauftrieb in den vergangenen Wochen beigetragen haben. In jüngster Zeit hat der Preis an den London Metal Exchange sogar deutlich stärker angezogen als am lokalen Markt in China.

Preisdifferenz stimuliert möglicherweise den chinesischen Export

Das dürfte nicht nur die Vermutung bestätigen, China habe eine gewisse Vorratshaltung betrieben. Sondern die Analysten von Macquarie leiten daraus die Möglichkeit ab, die Exportaktivität Chinas könnte in den kommenden Wochen deutlich zunehmen. Nach einer ähnlichen Preiskonstellation Ende des vergangenen Jahres bei Zink kam es zu einem deutlichen „Aufleben“ des chinesischen Exportes und in der Folge zu einer ebenso deutlichen Preiskorrektur an der Terminbörse in London.

In diesem Sinne dürfte man die Preisentwicklung bei Blei zumindest kurzfristig kritisch betrachten müssen. Es scheint eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur zu geben. Gerade das Gegenteil dürfte für Zink gelten. Denn dort waren die Exporte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ausgeprägt und führten zu einer Korrektur beim Spotpreis. Auf diese Weise ist das Preisdifferential zwischen dem chinesischen Binnenmarkt und dem internationalen Spotmarkt inzwischen wieder ausgeglichen, so dass nun zumindest in einem anhaltend positiven Umfeld Preissteigerungen wieder denkbar sein könnten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Antaike, LME, Macquarie Research, April 2007, Bloomberg, Customs Statistics, Antaike, LME, Macquarie Research, ETF Securities, GFDL, LME

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