Devisenmarkt

Festkurs des Yuan läßt Geldmenge bedrohlich steigen

Von David DeRosa, Bloomberg News

16. April 2004 Die chinesische Zentralbank lernt gerade ein paar Lektionen in Geldtheorie: Eine Zentralbank riskiert mit einem festen Wechselkurs unter Umständen die Destabilisierung des inländischen Bankensystems. Das ist sozusagen Lehrsatz Nummer eins. Dann wäre da noch Lehrsatz Nummer zwei, dem eine sogar noch ältere Erkenntnis zugrunde liegt: Eine Zentralbank kann nicht gleichzeitig Geldmenge, Zinssätze und Wechselkurs kontrollieren.

Der erste Lehrsatz leitet sich aus der spezifischen Form des chinesischen Systems fester Wechselkurse ab. Die People's Bank of China bindet ihre Währung, den Yuan, mit einem Kurs von 8,3 Yuan an den Dollar. Dieser Festkurs gilt seit 1994 und hat somit die Währungskrisen von 1997 und 1998 überlebt, die andere Systeme fester Wechselkurse in Südostasien zu Fall gebracht haben. Die Währungsbindung des Yuan war bisher so stabil, weil China keine frei konvertible Kapitalverkehrsbilanz hatte und hat. Das bedeutet, daß die Kapitalströme für Investitionen einer strengen Kontrolle unterliegen, obwohl man Yuan im Rahmen kommerzieller Ein- und Ausfuhren kaufen und verkaufen kann. Einige werden sagen, daß die restriktive Kapitalverkehrsbilanz China während der Südostasienkrise geholfen hat. Die Probleme schienen an China abzuprallen und nur wenig Schaden anzurichten.

Dollarreserven auf Rekordhoch, exzessives Geldmengenwachstum

Daß diese Kontrollen für die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt heute noch irgendwie von Nutzen sind, ist zweifelhaft. Eine der wichtigsten Regelungen der chinesischen Währungsgesetze verlangt, daß einheimische Unternehmen und Einwohner ausländische Währungen bei der Zentralbank gegen neue Yuan eintauschen müssen. Die Folge ist eine Erhöhung der chinesischen Geldmenge in Yuan durch den Zustrom ausländischer Währungen. Gleichzeitig hat China Leistungsbilanzüberschüsse in Rekordhöhe - das Land ist eine wahre Exportmaschine. Zum Teil zeigt sich dies durch einen enormen Anstieg der Dollarreserven der Zentralbank, die in den zwölf Monaten bis zum 31. März 2004 um 39,2 Prozent zugenommen haben.

Die Geldmenge M1 (Bargeldumlauf plus Sichteinlagen) stieg um 20,1 Prozent. Die Geldmenge M2, Chinas umfassendstes Aggregat zur Messung der Geldmenge, stieg im Februar um 19,4 Prozent und lag damit um 2,4 Prozent über dem von der Zentralbank für 2004 anvisierten Ziel von 17 Prozent. Man muß sich schon fragen, ob nicht das zunächst angestrebte Geldmengenwachstum bereits als exzessiv zu bezeichnen ist. Die Inflation lag im Februar bei 2,1 Prozent und ging somit im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Monaten, in denen sie mit 3,2 Prozent den höchsten Stand seit sechseinhalb Jahren erreichte, zurück.

Wirtschaft heizt sich auf

Und nun berichtet China, daß seine Wirtschaft im ersten Quartal um 9,7 Prozent gewachsen ist, was nur geringfügig unter der Wachstumsrate von 9,9 Prozent im vierten Quartal des vergangenen Jahres liegt. Die Verbraucherpreise sind im März im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gestiegen, also schneller als der Quartalsdurchschnitt von 2,8 Prozent.

Die Regierung wies außerdem darauf hin, daß die Inflation dadurch angeheizt worden sei, daß man nicht in der Lage gewesen sei, die Investitionen zu bremsen und Rohstoffengpässe zu vermeiden. China riskiert eine unkontrollierbare Geldmenge, die zu Inflation führen könnte, obwohl die offiziellen Zahlen keine bedeutenden Aufwärtsbewegungen der Verbraucherpreise zeigen.

Die weit größere Gefahr besteht darin, daß Chinas Bankensystem diese Liquidität in Kredite stecken wird, die auf wackligen Füßen stehen. Wenn diese Kredite ausfallen, geht das chinesische Bankensystem mit unter. Es gibt Zweifel am chinesischen Bankensystem, die selbst die chinesischen Behörden scheinbar teilen. Aus diesem Grund hat die Zentralbank kürzlich die Mindestreservesätze für die Regionalbanken erhöht. Die staatlichen Banken wurden davon ausgenommen.

Banken rechnen mit Anstieg der Kurzfristzinsen

Der zweite Lehrsatz - eine Zentralbank kann nicht gleichzeitig Geldmenge, Zinssätze und Wechselkurs kontrollieren - wird durch die erfolglosen vier jüngsten Schatzwechselauktionen der Zentralbank verdeutlicht. Die Zentralbank wendet bei ihren Auktionen eine irgendwie autokratische Methode an. Sie setzt im voraus eine feste Rate und erwartet dann von den inländischen Banken, daß sie sich anpassen und die Papiere verschlingen. Dabei scheinen diese aber nicht so ganz mitzuziehen. Chinabond.com, eine Website der Regierung, berichtete am Dienstag, daß die Zentralbank bei ihrer wöchentlichen Auktion nicht alle angebotenen Schatzwechsel verkaufen konnte. Nur 1,79 der 20 Milliarden angebotenen Yuan konnten verkauft werden. Bei der Auktion der einjährigen Papiere konnte alles verkauft werden.

Der Mißerfolg der Auktionen zeigt, daß die chinesischen Banken davon überzeugt sind, daß die Zentralbank sehr bald gezwungen sein wird, die kurzfristigen Zinsen zu erhöhen. Mangels der Möglichkeit, rohe Gewalt anzuwenden, muß die Zentralbank akzeptieren, daß sie die Banken nicht dazu bewegen kann, Papiere unter Marktwert zu kaufen. Ist der Wechselkurs einmal festgesetzt, hat die Zentralbank eine explodierende Geldmenge und letztlich höhere Zinssätze am Hals.

Japanische Verhältnisse: unkontrollierte Kreditvergabe

Wendet man sich wieder dem ersten Lehrsatz zu, so hat China ein makroökonomisches System aufgebaut, in dem ein System fester Wechselkurse dazu führt, daß ein Exportboom im gesamten Bankensystem zu einer explosionsartigen Zunahme zweifelhafter Kredite führt.

Japan hat in den achtziger und neunziger Jahren gelernt, daß es für eine Zentralbank sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich ist, einen Boom solcher Kredite unter Kontrolle zu bringen, ohne dabei ganz nebenbei die Wirtschaft zur Explosion zu bringen. Schon allein aus diesem Grund wäre die chinesische Zentralbank gut beraten, die Währungsbindung des Yuan an den Dollar aufzugeben, wenn sie eine mögliche monetäre Katastrophe vermeiden will.

Text: Bearbeitung: @thwi

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