Devisenmarkt

Kapitalverkehrsvorschriften bringen Baht und SET in die Defensive

19. Dezember 2006 Machte der thailändische Baht nach einem mehrjährigen volatilen Aufwertungstrend gegen den Dollar seit dem Jahr 2001 schon länger auf sich aufmerksam, so hatte die Dynamik in den vergangenen Wochen noch dramatisch zugenommen: Innerhalb von gerade einmal zehn Wochen hatte die Währung von 37,70 auf bis zu 35 Baht je Dollar aufgewertet.

Am Montag kommt es jedoch zu einer deutlichen Gegenbewegung, verliert die Währung doch an einem Tag etwas mehr als zwei Prozent auf zuletzt 36,95 Baht je Dollar. Gegen den Euro sehen die Kursbewegungen zumindest seit ein paar Monaten ähnlich aus wie gegen die amerikanische Währung.

Internationaler Kapitalverkehr wird eingeschränkt

Hintergrund der kurzfristigen Korrekturbewegung ist der Eingriff der thailändischen Behörden. Sie verpflichten die Banken dazu, künftig 30 Prozent der hereinkommenden Fremddevisen für mindestens ein Jahr festzulegen. Erst danach kann es wieder ins Ausland transferiert werden. Das bedeutet für internationale Anleger, daß sie bei Interesse an einer Investition in Thailand nur 70 Prozent der dafür vorgesehenen Mittel einsetzen können. Wer das Geld nach weniger als einem Jahr wieder abziehen möchte, verliert 33 Prozent der 30 hinterlegten Prozent, erklärte die Zentralbankgouverneurin Tarisa Watanaga.

Auf diese Weise scheint das Land die anhaltende Spekulation auf die Aufwertung der Währung wenn nicht unterbinden, so doch zumindest stark behindern möchte. Denn nachdem das Land längere Zeit politisch und damit indirekt auch wirtschaftlich blockiert war, kam es vor wenigen Wochen zum 18. Militärputsch seit dem Jahr 1932. Darauf reagierten internationale Anleger auf der verzweifelten Suche nach Rendite mit Wertpapierkäufen.

Die Investoren dürften einerseits angezogen worden sein durch die günstige Bewertung der Aktien, die sich in Form eines durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von weniger als zehn auf Basis der abgelieferten Gewinne zeigt. Auf der anderen Seite scheint auch die Erwartung zu stehen, das Wachstum im Lande könnte wieder dynamischer werden, nachdem die politische Pattsituation zwischen der vormaligen Regierung unter Thaksin Shinawatra und der Opposition aufgelöst worden ist. Das Motto schien zu lauten: Egal wie, Hauptsache der Stillstand ist beendet. Tatsächlich dürfte die Wirtschaft im laufenden Jahr mit einem Plus von fünf Prozent stärker als erwartet wachsen.

„Wir sind sicher, daß die Maßnahmen die Mittelzuflüsse bremsen werden“

Nach der durch die Mittelzuflüsse - sie lagen im Dezember bei knapp einer Milliarde Dollar pro Woche, nach 300 Millionen noch im November - indirekt ausgelösten Aufwertung des Bahts auf ein Neun-Jahreshoch gegen den Dollar sah sich jedoch die Exportindustrie des Landes immer mehr in die Defensive gebracht, fürchtete um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und machte sich entsprechend bemerkbar. Die nun ergriffenen Restriktionen im Kapitalverkehr scheinen die logische Folge darauf zu sein.

Sie dürften sich nicht nur aus den behaupteten Nöten der Exporteure ableiten, sondern auch aus der Erinnerung an die Jahr 1997 und 1998 in denen der rasche Abzug kurzfristiger Gelder die Währung zum Absturz und in einer Art Kettenreaktion die gesamte Region in die Krise gebracht hatten. „Wir sind sicher, daß die Maßnahmen die Mittelzuflüsse bremsen werden. Wir möchten keine kurzfristig orientierten Gelder haben, die auf eine Aufwertung der Währung spekulieren,“ erklärte Tarisa.

Die Regel gilt für alle Beträge mit einem Wert von mehr als 20.000 Dollar. Ausgenommen sind jene Geldströme, die im Zusammenhang mit dem Im- oder Export von Gütern und Dienstleistungen oder Transfers stehen. Die ergriffenen Maßnahmen dürften den Aufwertungsdruck vorerst von der Währung nehmen. Sollten sie jedoch nicht in gewünschtem Maße greifen, wurden schon Nachbesserungen angekündigt.

Die Anleger reagieren auf die ergriffenen Maßnahmen nicht nur am Devisenmarkt, sondern die Börse reagierte drastisch. Der Bangkok SET Index verlor am Dienstag satte 14,84 Prozent auf 622,2 Punkte. Er zog in Erinnnerung an die Asienkrise in den neunziger Jahren andere Schwellenländermärkte mit nach unten. Am Mittwoch könnte es zu einer Erholung kommen, da die Behörden des Landes inzwischen nach den Kursverlusten und Anlegerprotesten einen Rückzieher machten und ankündigten, es werde auch für internationale Aktienanleger eine Ausnahmenregelung geben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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