22. Juli 2008 Der serbische Dinar zählt wohl kaum zu den großen und liquide handelbaren Währungen. Trotzdem reagiert er auf Meldungen positiv, nach denen der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic am Montag verhaftet wurde.
Gegen den schwachen Dollar legt der am Dienstag etwas mehr als ein Prozent zu auf zuletzt 49,12 Dinar je Dollar. Gegen den starken Euro fällt der Kurs um 0,7 Prozent auf 78,24 Dinar je Euro. Das heißt, die Währung Serbiens setzt gegen beide Währungen den länger- beziehungsweise mittelfristigen Aufwertungstrend fort.
Westliche Orientierung bestätigt?
Das lässt sich erklären. Immerhin verstärkt sich mit der Festnahme der Eindruck, Serbien werde sich künftig stärker als bisher in Richtung Europa orientieren als in der Vergangenheit. Diese Richtung hatte sich schon in den vergangenen Tagen und Wochen angedeutet, indem sich eine pro-westliche Regierung etabliert hatte. Der stellvertretende Ministerpräsident Božidar Đelić ging vor wenigen Tagen davon aus, dass eine Integration in die EU in den kommenden sechs Jahren möglich sein werde.
Allerdings dürften solche Äußerungen angesichts der heterogenen Struktur der Regierungskoalition, angesichts des andauernden Streits um die Unabhängigkeit des Kosovo und der Turbulenzen innerhalb Europas etwas optimistisch sein.
Wahrscheinlich scheint, dass die serbische Regierung aus Interesse an möglichen Fördermitteln in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro an der Lösung der sich stellenden Problem interessiert sein wird. Ähnliches gilt auch für die Währung. Nach der Freigabe des Wechselkurses Ende des Jahres 2006 dürfte sowohl die Zentralbank als auch die Regierung an einer Aufwertung interessiert sein, um das Inflationsproblem in den Griff zu bekommen.
Interesse an einer Aufwertung gegeben
Das Land ist stark auf Importe angewiesen - unter anderem auf Energie und Rohstoffe. Es verbucht ein ausgeprägtes Handelsbilanzdefizit, das sich alleine im April auf 744 Millionen Euro belief. Im Juni lag die Inflationsrate bei 15,9 Prozent, die Produzentenpreise legten auf Jahresbasis um 13,1 Prozent zu - das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag dagegen im ersten Quartal bei 8,2 Prozent. Die Zentralbank versucht der Entwicklung mit Zinserhöhungen entgegenzusteuern. Seit Dezember des vergangenen Jahres hat sie den Leitzins in sechs Schritten von 9,5 auf zuletzt 15,75 Prozent erhöht.
Preisauftrieb resultiert nicht nur aus dem Außenhandel, sondern auch aus den geplanten Investitionen der Regierung, die die Infrastruktur des Landes nach den Wirren der vergangenen Jahre wieder aufbauen will. Zur Finanzierung sollen in den kommenden Monaten Staatspapiere ausgegeben werden, die zumindest nach Ansicht der Analysten der BNP Paribas auf das Interesse ausländischer Anleger stoßen könnte.
Der Kapitalbedarf des Landes wird jedoch auch durch Direktinvestitionen gedeckt, die sich unter anderem in Form russischer Aktivitäten im Öl- und Finanzsektor und künftig auch in den geplanten Privatisierungen von Staatsunternehmen widerspiegelt.
Insgesamt könnten Anleger zumindest bei zunehmenden Risikoappetit geneigt sein, nach den positiven Erfahrungen in Mitteleuropa die Konvergenzphantasie zu spielen, die sich zumindest im Moment bietet. Genau das würde zur weiteren Aufwertung der Währung beitragen können. Die Risiken sind jedoch unverkennbar.
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Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET