Agrarrohstoffe

Erholung des Kakaopreises nicht in Sicht

Friedensgespräche in der Cote d'Ivoire

Friedensgespräche in der Cote d'Ivoire

07. März 2006 „Soft Commodities“ oder Agrarrohstoffe galten für dieses Jahr als der Anlagetip auf den Rohstoffmärkten. Begründet wurde dies hauptsächlich damit, daß Nachholbedarf bestehe, wo doch die Metalle, ob edel oder nicht doch zumeist schon so gut gelaufen seien.

Die Begründung verwunderte schon ein wenig, denn sie mutet ähnlich an wie die Begründung, daß die Aktien von Werkzeugmaschinenbauern steigen müßten, weil die Chemiewerte so gut gelaufen seien. Börsen-Experte Marc Faber merkte seinerzeit daher auch an, er sehe momentan nicht „den Katalysator“.

Trügerische Erholung zur Jahreswende

Für manche Rohstoffe fand sich alsbald ein Auslöser. Nachdem der amerikanische Präsident Bush in einer Grundsatzrede von einer einseitig auf dem Rohstoff Öl fußenden Wirtschaft abwandte, begannen die Preise für Ersatzstoffe zu steigen. Mais legte seit Dezember 15 Prozent zu, und profitiert von einer deutlich gestiegenen Äthanolproduktion, und einem erwarteten Nachfrageanstieg nach Äthanol, da Tankstellen mittlerweile Rabatte gegenüber herkömmlichem Benzin gewähren.

Auch Kakao schien eine neue Erholung bevorzustehen. Nachdem der Preis des März-Futures an der Rohstoffbörse in Chicago zwischen dem Frühjahr 2005 kontinuierlich von fast 1.900 Dollar bis auf rund 1.350 Dollar gefallen war, gelang die Wende und bis Mitte Januar kletterte der Preis auf rund 1.600 Dollar. Doch dann gelang es ihm nicht das vorangegangene September-Hoch zu überwinden, der Preis prallte ab, fiel unter den Aufwärtstrend und kehrte diesen um.

Langfristig zeigt auch der generische Future der europäischen Rohstoffbörse LIFFE eine Seitwärtsentwicklung an, nachdem der Preis nicht im entferntesten an das Frühjahrshoch von 2005 herankam.

Erntemengen in Indonesien und Brasilien steigen

Diese Entwicklung zeigte einmal mehr, das politische Börsen doch eher kurze Beine haben. Denn der Preisaufschwung war nicht zuletzt eine Folge der Erhitzung des chronischen Bürgerkrieges in der Elfenbeinküste, dem Hauptproduzenten von Kakao. Nachdem die internationale Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen Präsident Gbagbo empfohlen hatte, das von seinen Anhängern dominierte Parlament aufzulösen, brachen in der Hauptstadt Abidjan und anderen Städten wieder einmal Unruhen aus.

Doch schon damals zweifelten einige Analysten daran, daß diese politische Situation wirklich zu mehr Knappheit führen würde. Vor allem aber bezweifelten sie die ökonomischen Knappheiten. Geringere offizielle Zahlen führten sie eher auf einen Anstieg des Schmuggels zurück, so daß Kakao aus der Elfenbeinküste sich in offiziellen ghanaischen Zahlen niederschlüge.

Sie sollten allem Anschein nach recht behalten. Indonesiens Sulawesi-Kakaobohnenexporte stiegen 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent auf insgesamt 193.357,63 Tonnen, Resultat verbesserter Anbautechniken. Die Zentral-, Süd- und Südostprovinzen von Sulawesi stellen 75 Prozent der gesamten Kakaoproduktion Indonesiens.

Auch Brasilien, fünftgrößter Kakaoproduzent der Welt, erwartet in der Saison 2005/06 ein um 7,5 Prozent höheres Gesamtaufkommen. Die Kakaoausfuhren des Landes erreichten den höchsten Stand seit 1994.

Trotz geringerer Mengen positive Entwicklung in der Elfenbeinküste

Und auch aus der Elfenbeinküste selbst kam am vergangenen Freitag die Meldung, daß die Kakaobohnenanlieferungen in die Häfen in den ersten 20 Wochen der einheimischen Kakaosaison 2005/06 mit insgesamt 900.000 bis 925.000 Tonnen höher ausfielen als von den Kakaoexporteuren noch Mitte Februar geschätzt. Auch die Hafenpreise in Abidjan und San Pedro zeigen in dieser Woche nach unten.

Der britische Rohstoffhändler Sucden sieht obendrein die künftige Ernte positiv. Die Niederschläge in den Hauptanbaugebieten seien für eine gute Entwicklung der Frucht positiv gewesen. Allerdings wird die Ernte in der Elfenbeinküste wohl nicht das Niveau der vergangenen Saison erreichen. Der Agrarrohstoffhändler ED&F Man Cocoa rechnete zuletzt mit der niedrigsten Ernte seit der Saison 2000/2001 und prognostiziert eine Produktion von 1,195 Millionen Tonnen gegenüber 1,27 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Dieser Produktionsschwund ist aber in den Preisen bereits enthalten. Außerdem sind die Hoffnungen auf eine Normalisierung der Verhältnisse in den vergangenen Tagen gestiegen. Nachdem die Januar-Unruhen bereits nach vier Tagen ausliefen, konnten die Exporteure rasch wieder zum normalen Geschäft zurückkehren.

Friedengespräche dämpfen Spekulationen

Und am Mittwoch der vergangenen Woche trafen sich erstmals seit drei Jahren wieder die Führer der fünf Bürgerkriegsparteien zu Friedensgesprächen. Zwar sei nichts Konkretes vereinbart worden, nichtsdestoweniger hieß es zum Abschluß, daß alle Parteien die UN-Resolution 1633, den Plan zur Beendigung des Krieges unterstützten. Interims-Premier Charles Banny, der die Gespräche einberufen hatte, beschrieb die Atmosphäre als „brüderlich“.

Indes ist weder klar, ob der Zeitplan der Resolution 1633 eingehalten wird oder ob überhaupt Frieden zustande kommt, noch wie sich der Friede auswirken würde. Einerseits könnte die Produktion wieder steigen, andererseits könnte das Land eine preisstützende Politik einschlagen, wohingegen derzeit die Bürgerkriegsparteien interessiert sind, möglichst viel zu verkaufen, um die Auseinandersetzungen zu finanzieren.

Derzeit aber sieht es für den Kakaopreis nicht günstig aus. Marktbeobachter berichten, die Kaufbereitschaft sei bei weitem nicht ausreichend genug, um die Verlustserie der letzten Handelstage zu beenden. Sie verweisen obendrein auf die ungünstige Jahreszeit. Erst ab Juni sei wieder auf steigende Kurse zu hoffen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Associated Press, POOL AFP, Bloomberg

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