Energie

Ölpreis auf Rekordhoch

01. August 2007 Amerikanische Wachstumsschwäche hin oder her - die Akteure an den internationalen Ölmärkten scheinen sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Denn nach einer deutlichen Zwischenkorrektur im vergangenen Jahr, die von 78,40 Dollar vor etwa einem Jahr auf bis zu 49,90 Dollar je Barrel WTI im Januar des laufenden Jahres führte, ist der Ölpreis in den Monaten wieder nach oben gelaufen.

Am Mittwoch erreichte der generische Terminkontrakt an der Nymex mit einem Preis von 78,77 Dollar sogar kurzzeitig ein neues Allzeithoch, bevor er im Tagesverlauf wieder zurückfiel.

Ölpreis auf Rekordhoch ...

Insgesamt scheint sich der Ölmarkt weiterhin von einem ausgeprägten Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus leiten zu lassen, der unter anderem davon ausgeht, dass die Ölnachfrage in den kommenden Jahren trotz des hohen Preisniveaus schneller als das die Angebot zunehmen werde. Solche Annahmen werden gestützt von der jüngsten Analyse der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Sie prognostizierte, dass die freien Opec-Kapazitäten mittelfristig im Trend zurückgehen werden.

Da auf diese Weise das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage immer enger werden kann, dürfte der Ölpreis immer sensibler auf Nachrichten reagieren, die auch nur in Ansätzen auf eine Beschränkung des Angebots schließen lassen können, lautet die logische Folgerung mancher Marktteilnehmer. Aus diesem Grund und auch mit Blick auf die traditionelle saisonale Preiskurve scheinen sie sich in den vergangenen Wochen zum Kauf von Öl entschlossen zu haben.

Kurzfristig dürfte am Mittwoch die Marktdynamik zusätzlich durch die Veröffentlichung von Lagerbestandsdaten in den Vereinigten Staaten für die vergangene Woche stimuliert worden sein. Immerhin wurden die Lagerbestände deutlich stärker in Anspruch genommen, als das im Vorfeld erwartet worden war. Die Rohölbestände wurden um 6,5 Millionen Barrel reduziert, während jedoch gleichzeitig die Mengen an Benzin, Diesel und Heizöl zunahmen.

... die Lagerbestände sind jedoch überdurchschnittlich, die spekulative Dynamik ist hoch

Insgesamt liegen die Lagerbestände rund zwölf Prozent über dem fünfjährigen Durchschnitt für diese Woche. Das führt zur Vermutung, dass der Preis zumindest gegenwärtig weniger von der fundamentalen als vielmehr von der spekulativen Seite getrieben wird. Diese Vermutung wird bestätigt durch einen Blick auf die spekulativen Positionen an den Terminmärkten: Die Netto-Long-Positionierung der Spekulanten verharrte bereits in der dritten Woche in Folge in der Nähe der Rekordstände.

Aus diesem Grund dürfte man zumindest kurzfristig überzogenen Preiserwartungen mit einer gewissen Portion Skepsis begegnen müssen, auch wenn spekulative Wellen länger dauern und weiter laufen können, als man das zunächst erwartet. Sicher ist jedoch, dass das Korrekturrisiko hoch ist und mit weiter steigenden Preisen zunimmt. Letztlich dürfte eine Preisbewegung nach unten wie im vergangenen Jahr kaum überraschen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann und in welchem Ausmaß sie eintreten wird. Sehr wahrscheinlich kommt sie, sobald die Hurrikan-Saison vorbei ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Daten: Nymex/Bloomberg; Grafik: FAZ.NET, Deka, FAZ.NET, IEA, Monthly Oil Data Service/OECD/IEA, 2007

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