Rohstoffe

Der Goldpreis bricht nach unten aus

20. August 2007 Mit deutlichen Kursgewinnen reagierten am Freitag die europäischen und amerikanischen Börsen auf die überraschende Senkung des Diskontsatzes in Amerika. Am Montag ziehen die asiatischen Börsen nach: Der Topix legt mehr als drei Prozent und die Märkte in Taiwan, Südkorea, Singapur und Jakarta um mehr als fünf Prozent zu.

Selbst der völlig überbewertete Markt in China läuft weiter nach oben, während sich auch der Yen weiter und die Rentenmärkte etwas von der Stärke der vergangenen Tage abgeben. Es sieht einmal mehr so aus, als ob sich die Marktteilnehmer darauf verlassen können, exzessiv spekulieren zu dürfen. Sobald es jedoch kriselt - in den vergangenen Wochen waren die von den Geldmärkten ausgehenden Turbulenzen nicht zu übersehen und zu überlesen - springen die Zentralbanken ein, um durch das Öffnen der Geldschleusen das Gröbste zu verhindern, so lautet die bisherige Erfahrung.

Spekulative Marktteilnehmer rufen nach Zinssenkungen - in der Liquiditätsfalle wirken sie nicht mehr

Das Problem dabei ist allerdings, dass diese Strategie ein paar Jahre lang funktionieren mag. Dann allerdings nicht mehr. Das zeigte sich in den vergangenen Jahrzehnten am deutlichsten in Japan. Dort boomte in achtziger Jahren die Wirtschaft und die Börsen schienen nach oben keine Grenzen zu kennen, der Boom nährte sich eine Zeit lang selbst, weil scheinbar im Trend immer „wertvoller“ werdende „Vermögenswerte“ wie Aktien und Immobilien eine gute Grundlage für Kredite gaben. So dürfte es kaum verwundern, dass die Banken ihre Aktivitäten auf der Kreditseite immer weiter ausweiteten.

Als sich allerdings der Boom ermüdet hatte, lief dieser zuvor scheinbar so positive Zyklus genau in die andere Richtung zurück und zog das Land in die lethargische Entwicklung der vergangenen 27 Jahre: Fallende Immobilien- und Aktienpreise wirken sich verheerend auf die Bilanzen der Banken aus. Die folgende Einschränkung der Kreditvergabe bremste die Wirtschaft aus, die damals zudem nicht sonderlich effizient arbeitete. In einer solchen Situation helfen fallende und selbst extrem tiefe Zinsen nicht mehr weiter, die keynesianische Liquiditätsfalle schlägt zu.

An genau diesem Punkt scheint sich gegenwärtig die amerikanische Wirtschaft zu befinden. Auch sie hatte in den vergangenen Jahren von der zunehmenden Verschuldung der Konsumenten und insbesondere im immer irrationaler gewordenen Immobiliengeschäft profitiert. Inzwischen scheint sich jedoch auch hier das Rad immer schneller zurückzudrehen. Fallende Immobilienpreise haben amerikanischen Kreditgeber dazu gezwungen, die lange Zeit extrem laxen Kriterien für die Kreditvergabe deutlich zu verschärfen. Das führt nicht nur in den Vereinigten Staaten dazu, dass die Konjunktur ausgebremst wird, sondern auch weltweit.

Edelmetallmärkte spielen eher die „deflationären“ als die „inflationären Karten“

Immerhin hat die Verbriefung und die Vermarktung schlechter Kredite in riesigem Ausmaß die offensichtlich gewordene Kreditkrise zu einem globalen Phänomen werden lassen. Banken vertrauen sich aufgrund der starken Intransparenz gegenseitig nicht mehr und geben sich restriktiv. Zusammen mit der indirekten Wirkung, die von einem schwächer werdenden amerikanischen Konsum ausgeht, dürfte das die Weltwirtschaft kaum beflügeln. So dürfte der Wettbewerb auf der Güterangebotsseite nach der knapper werdenden Nachfrage zunehmen und die disinflationären Impulse, die von einer Korrektur der vielfach überteuerten Immobilienmärkte und den künstlich niedrig gehaltenen Währungen in Asien auf die Weltwirtschaft ausgehen, noch verstärken.

Aus diesem Gründen währen Zinssenkungen sehr wahrscheinlich nicht nur relativ wirkungslos, sondern sie würden die inflationären Entwicklungen, wie sie zuletzt an den Immobilien- und vor allem auch an den Rohstoffmärkten zu beobachten gewesen waren, beschleunigen. Faktisch können die Zentralbanken insgesamt kaum expansiver werden, da sie in den vergangenen Jahren sowieso schon zu expansiv gewesen sind.

Der Markt scheint gegenwärtig aus der Situation seine Schlüsse zu ziehen: So ist der Goldpreis in den vergangenen Tagen aus seiner charttechnischen Dreiecksformation nach unten ausgebrochen und nicht nach oben. Die Preisentwicklung bei anderen Edelmetallen - Platin und Palladium - sieht ähnlich aus. Damit spielen die Marktteilnehmer in diesen Segmenten der Finanzmärkte zumindest kurzfristig die deflationäre und nicht die inflationäre „Karte“. Das spräche eher für Anleihen bester Qualität (!) als für Aktien.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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