Devisen

Dollar-Yen profitiert wieder von der Zinsdifferenz

02. Februar 2006 Zu den „Überraschungswährungen“ des vergangenen Jahres gehörte der Yen. Denn entgegen aller Logik und auch der weit verbreiteten Erwartungen tendierte er sowohl gegen den Dollar und Zeiten weise auch gegen den Euro vergleichsweise schwach.

Waren im Januar des Jahres 2005 noch 102,04 Yen nötig gewesen, um einen Dollar erwerben zu können und rechneten viele aufgrund der erwarteten Dollarschwäche mit einem Fall unter die Marke von 100 Yen je Dollar, so etablierte die japanische Währung im Jahresverlauf einen Abwertungstrend und fiel bis auf knapp 121 Yen je Dollar im Dezember des vergangenen Jahres.

Yen schwächelt trotz der Überschüsse und der Kapitalströme an die Börse

Dabei erzielt Japan nicht nur massive Überschüsse im Handel mit den Vereinigten Staaten, sondern insbesondere in der zweiten Jahreshälfte zog auch die japanische Börse das internationale Kapital förmlich an. Immerhin ist der Nikkei von Mai bis Dezember um mehr als 50 Prozent auf bis zu knapp 16.500 Punkte gestiegen.

Dieser Entwicklung stand allerdings ein anderes Phänomen gegenüber, das die genannten fundamentalen Kräfte überflügelt zu haben scheint: die zunehmende Zinsdifferenz zwischen den Vereinigten Staaten und Japan. Während die amerikanische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten in 14 Schritten vom Rekordtief von einem Prozent noch im Juni des Jahres 2004 auf inzwischen 4,5 Prozent erhöht und damit die „Zinslandschaft“ am kurzen Ende entsprechend bewegt hat, blieb der Leitzins in Japan unverändert tief. Die Realzinsen dürften im Land der aufgehenden Sonne inzwischen wieder negativ sein.

Diese Differenz hat spekulative Anleger zu Zinsarbitragegeschäften in großem Stile verleitet. Denn sie können sich in Yen günstig verschulden. die eingenommenen Mittel in Amerika zu deutlich höheren Zinsen investieren und die Differenz einkassieren. Das einzige Risiko dieser Strategie besteht im Wechselkurs. Aufgrund der Dynamik scheinen solche Strategien - indem die den Yen in der Tendenz unter Druck setzen - auch davon noch zu profitieren. Denn was will man als Anleger mehr, als sich in einer Währung mit tiefem Zinssatz verschulden zu können, die Mittel in einer Währung mit höherer Rendite zu parken und gleichzeitig auch noch Währungsgewinne einzufahren?

Nach einer Zwischenkorrektur im Dezember des vergangenen und im Januar des laufenden Jahres - sie führte von knapp 121 Yen auf bis zu 114,06 Yen je Dollar - scheint sich diese Strategie wieder neu zu beleben. Denn auf der einen Seite scheint Japan sämtliche Vermutungen, die japanische Zentralbank werde die lockere Geldpolitik angesichts des Wachstums bald beenden, zerstreuen zu wollen. Auf der anderen scheinen nach den jüngsten Äußerungen der amerikanischen Zentralbank unerwartet starke Zinserhöhungen in Amerika nicht ausgeschlossen zu sein.

Zinsdifferenz reizt Anlegerzu Zinsarbitrage

Immerhin scheint die Wirtschaft des Landes sich trotz aller Unkenrufe und trotz der nachlassen Dynamik im Immobilienbereich vergleichsweise robust zu entwickeln. Gleichzeitig könnte die Zentralbank unter der neuen Führung geneigt sein, die gewaltigen Ungleichgewichte des Landes - geringe Sparquote, hohe Budget- und Leistungsbilanzdefizite, Nettozahlerposition im Investmentbereich - zu adressieren.

In diesem Umfeld dürfte der Yen weiterhin eher zur Schwäche denn zur Stärke gegen den Dollar neigen. Allerdings dürfte die Währung sensibel auf Veränderungen in der Wahrnehmung reagieren. Sollte auch nur der leiseste Idee entstehen, der Zinserhöhungszyklus in Amerika könnte beendet werden und Japan werde die monetären Konditionen straffen, dürfte es zu einer deutlich Gegenbewegung kommen. Denn dann dürften die ungesicherten Zins- und Währungsspekulationen rasch zurück gedeckt werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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