02. Juli 2008 Im Rahmen der allgemeinen Energie- und Rohstoffhausse sind in den vergangenen Jahren auch die Preise für Agrarrohstoffe nach oben gelaufen. Neben dem Mais- erreichte auch der Sojapreis in den vergangenen Tagen nach einer Zwischenkorrektur in den Wochen zuvor beinahe täglich immer neue Hochs.
Am Mittwoch kostet ein Scheffel Soja an der Terminbörse in Chicago 1.620 Pence oder umgerechnet 10,22 Euro. Der jüngste Preisauftrieb ist weniger auf die allgemein aufgeführten Faktoren wie starke Nachfrage oder steigende Produktionskosten zurückzuführen, als vielmehr auf die starken Regenfälle und die Fluten im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Sie führten bei den Händlern zur Sorge, die Ernte könnte im laufenden Jahr geringer ausfallen als ursprünglich erwartet.
Wetterverhältnisse im Mittleren Westen verbessern sich
Tatsächlich waren noch vor wenigen Tagen große Flächen in einem der wichtigsten Anbaugebiete für Agrargüter weltweit stark befeuchtet. Allerdings zeigt der Blick auf den Feuchtigkeitsindex, dass sich die Lage inzwischen deutlich normalisiert hat. Der jüngste Wetterbericht vom zweiten Juli berichtet von sonnigem, warmem Wetter in der Region. Das trage dazu bei, dass sich die Weizen- und Sojapflanzen von den nachteiligen klimatischen Verhältnissen erholen können.
Tatsächlich gehen jüngste Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums davon aus, dass die Sojaernte im Zeitraum 2008/09 mit 84,5 Millionen Tonnen aufgrund der Ausdehnung der Anbaufläche rund 20 Prozent über der Vorjahresperiode liegen wird. Eine deutliche Steigerung der Ernte um 18,5 Prozent auf 48 Millionen Tonnen wird auch in China erwartet. Auch in den anderen wesentlichen Anbauregionen wird mit deutlich steigenden Ernten gerechnet. Die einzige Ausnahme ist Indien, wo die geerntete Menge um 6,5 Prozent auf 8,7 Millionen Tonnen fallen soll. Global wird eine Steigerung der Sojaernte um zehn Prozent auf knapp 241 Millionen Tonnen Soja prognostiziert.
Deutlich zunehmende Produktion erwartet
Diese Entwicklung alleine dürfte am Markt zu einer gewissen Entspannung führen können, sollte die spekulative Dynamik etwas abebben. Dazu kommt jedoch auch noch die Erwartung, Sojaverbraucher würden ihre Nachfrage aufgrund der hohen Preise reduzieren, indem sie auf Alternativen auswichen. Die Tier haltenden Landwirtschaftsbetriebe und auch die Ethanolindustrie würden die Nachfrage kurzfristig drosseln, heißt es. Selbst in den kommenden beiden Jahren könnten entsprechende Effekte spürbar werden können, da Soja im Vergleich mit anderen Ölen und Fetten zu teuer geworden ist.
Auf der anderen Seite stehen Nachrichten wie jene aus Brasilien. Das Land hat die Absicht bekannt gegeben, die Lagebestände an Mais, Weizen, Sojabohnen und Reis deutlich aufzustocken, um die heimische Bevölkerung vor starken Preisschwankungen an den Weltmärkten abkoppeln zu können, wie es heißt. Die Maisvorräte sollen in den kommenden 12 Monaten von 211.000 auf 4,1 Millionen Tonnen aufgestockt werden, die Weizenvorräte von 6.000 auf dann 200.000 Tonnen. Das mag sich zunächst viel anhören, dürfte im Rahmen normaler Erntesteigerungen machbar sein.
Aus fundamentaler Sicht scheint der Preisauftrieb bei Soja und Mais inzwischen weit gediehen und entsprechend korrekturanfällig sein. Der Trend zeigt jedoch weiterhin nach oben. Das mag technisch orientierte Anleger dazu verleiten, weiterhin auf die Fortsetzung der Trends zu setzen. Allerdings nehmen die Rückschlagsrisiken zu.
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Text: @cri
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