14. Juni 2007 Zinserhöhungen oder zumindest die Erwartung auf steigende Zinsen seien gut für eine Währung, lehrt die Erfahrung phasenweise und auch die Theorie. Allerdings gelten beide Argumente nicht immer.
Das zeigt sich am Beispiel der Schweizer Franken. Denn die Währung fällt schon seit Monaten gegen den Euro und stagniert gegen den Dollar, obwohl sich der Dollar, abgesehen von einer gewissen Gegenbewegung in den vergangenen Wochen, schwach zeigt. Der Franken ist schwach, obwohl die Zentralbank am Donnerstag den Leitzins zum neunten Mal in Folge um einen Viertelprozentpunkt auf zuletzt 2,5 Prozent angehoben hat.
Immer mehr Franken nötig, um einen Euro erwerben zu können
Die Schwäche der Währung lässt sich an der Tatsache ablesen, dass der Kurs von 1,4453 Franken je Euro im September des Jahres 2001 um 14,5 Prozent auf 1,6581 Franken je Euro am Donnerstag gestiegen ist. Diese Schwäche dürfte zunächst überraschen, beflügelt sie doch einerseits die Exportwirtschaft des Landes und führt auf diese Weise zu deutlichen Überschüssen in der Handelsbilanz. Der Exportüberschuss lag im Jahr 2006 bei 37,1 Milliarden Franken. Er wurde und wird noch getoppt durch die Kapitaleinkommen im Ausland, die sich auf 64,6 Milliarden Franken beliefen. Alleine auf dieser Basis hätte der Franken an sich deutlich aufwerten müssen.
Allerdings steht dem der Kapitalverkehr entgegen. Die Kapitalexporte des Landes stiegen in Form von Portfolio- und Direktinvestitionen im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr von netto 92 auf 108 Milliarden Franken. Dahinter steht einerseits die Tatsache, dass in der Schweiz viele Unternehmen ansässig sind, die sich weltweit erfolgreich engagieren und expandieren. Andererseits stehen dahinter die so genannten Carry Trades. Das sind einmal Anlagen, die auf der Suche nach ertragreicheren Alternativen zu den vergleichsweise tiefen Zinsen in der Schweiz ins Ausland strömen.
Dazu zählen aber auch Kredite, die in der Schweiz aufgenommen werden, um die Mittel ebenfalls im Ausland rentierlich anzulegen. Es mögen zum Teil spekulative Anleger sein, die solche Strategien fahren. Tatsache ist jedoch auch, dass viele Immobilien in Österreich oder auch in Ungarn in der Schweiz finanziert worden sind, da die Zinsen dort einerseits tiefer sind als auf dem Heimatmarkt und andererseits der Trend für eine anhaltende Abwertung des Schweizer Frankens sprach und noch spricht.
Tiefe Zinsen - überdurchschnittliches Geldmengenwachstum
Auch die Tatsache, dass die Schweizerische Notenbank die Geldmenge in den vergangenen Jahren deutlich stärker hat wachsen lassen als die Wirtschaft, sprach nicht gerade für den Franken. Das durchschnittliche Wachstum von M3 lag in den vergangenen Jahren bei vier Prozent. Das erwartete Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr liegt bei 2,5 Prozent - und das ist schon gut. Die Schweizer Zentralbank eifert damit den Japanern nach, indem sie sowohl mit dem Zinsniveau als auch mit den Zinserhöhungsschritten hinter der Europäischen Zentralbank zurückbleibt und betreibt auf diese Weise seit einiger Zeit eine Politik der kompetitiven Abwertung.
Das scheint sie sich rein optisch leisten zu können, da zumindest die offiziell ausgewiesen Inflationsrate tief ist. Im Mai lag sie gerade einmal bei 0,5 Prozent, obwohl die Importpreise aufgrund der schwachen Währung steigen, die Wirtschaft im Lande gut läuft und die Konsumnachfrage an- und die Vermögenspreise weiter nach oben treibt. Dabei hat die Schweiz aufgrund abgeschotteter Teilmärkte in weiten Teilen ein im internationalen Vergleich unerhört hohes Preisniveau. Das gilt unter anderem für Immobilien, aber auch etwa für Autos oder den Nahrungsmittelbereich. Wer sich in Zürich eine Bratwurst kauft, berappt mehr als das Doppelte dessen, was er in Deutschland zahlt.
Derzeit sprechen sowohl der Trend als auch das Bemühen der Schweizer Zentralbank, sowohl mit dem Zinsniveau als auch mit den Zinserhöhungen hinter der EZB zurückzubleiben, gegen den Franken. Worthülsen von Notenbankern, die selbst einmal der Hedge-Fonds-Community angehörten, über die Risiken der Carry Trades dürften daran wenig ändern. Somit dürften genau diese in einem Umfeld mit anhaltend hohem Risikoappetit die Währung weiter nach unten bringen. Daran wird sich wohl erst dann etwas ändern, wenn es an den internationalen Finanzmärkten turbulenter werden sollte und zunehmende Volatilitäten die Carry Trades weniger attraktiv machen oder gar Gegenbewegungen bewirken.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Daten: Bloomberg, Grafik: FAZ.NET, FAZ.NET, SNB, Grafik: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.104,50 $ | +1,77% |
| Silber | 17,30 $ | +2,37% |
| Platin | 1.456,00 $ | +4,22% |
| Palladium | 377,00 $ | +6,20% |
| Rohöl Brent Crude | 76,10 $ | +0,86% |
| Gas | 0,33 £ | 0,00% |
| Kaffee | 1,39 $ | −2,07% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
| Orangensaft | 1,32 $ | −1,12% |
| AMEX GOLD BUGS | 438,37 | +0,39% |
| AMEX OIL | 1.077,20 | +0,60% |
| Rogers International | 22,37 | +0,63% |
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Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
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309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
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