Devisen

China löst den Yuan vom Dollar

Darf künftig etwas pendeln

Darf künftig etwas pendeln

21. Juli 2005 Seit längerem ist darüber spekuliert worden, wann China seine eigene Währung nicht mehr eng an den Dollar binden wird - nun ist es soweit. Der Yuan kann fortan gegen eine Korb von Währungen schwanken. Dies hat die Nationalbank auf ihrer Internetseite mitgeteilt.

Eine Aufwertung des Yuan könnte China helfen, die Inflation zu kontrollieren. Exporte würden teurer. Dadurch würden auch deutsche Firmen konkurrenzfähiger. Vor diesem Hintergrund hat der deutsche Aktienindex Dax deutlich angezogen. Gleiches gilt für den Euro und den Yen im Verhältnis zum Dollar. Der deutsche, aus der Bayer AG hervorgangene Chemiekonzern Lanxess hat mitgeteilt, eine Aufwertung des Yuan könnte sich positiv auf die Gewinnspannen auswirken.

Spanne von plus/minus 0,3 Prozent

Künftig entspricht ein Dollar 8,11 Yuan, wie die chinesische Zentralbank in Peking weiter mitteilte. Das entspricht einer Aufwertung von zwei Prozent. Fortan solle die Landeswährung in einer Spanne von minus 0,3 bis plus 0,3 Prozent um diesen Kurs gehalten werden. Die Reform ziele darauf, ein flexibleres Wechselkurssystem zu erreichen.

Seit 1997 lag der Wechselkurs bei 8,28 Yuan je Dollar. Mit der Abkopplung vom Dollar kommt China einer Forderung der Vereinigten Staaten nach, die den Yuan bereits seit längerem als unterbewertet sahen und Peking bezichtigten, damit die eigenen Exporte stützen zu wollen.

Weniger für Rohstoffe wie Kupfer zu bezahlen

„Das ist ein kleiner, aber symbolischer Schritt auf einem langen Weg“, sagte Marions Marathefis, Devisenstratege der Bank Standard Chartered in London, zu Bloomberg. „Wenn ein gewisses Maß an Flexibilität erlaubt wird, nachdem es bisher gar keine gegeben hatte, dann wird der Yuan gegen den Dollar aufwerten.“

Eine Aufwertung dürfte die Inflation dämpfen, da China fortan weniger Geld für Rohstoffe wie Kupfer oder Öl bezahlen muß, die in Dollar gehandelt werden. Zudem erhält die Notenbank mehr Möglichkeiten, die Leitzinsen anzuheben und das weiter rasante Wachstum zu dämpfen. Zuletzt wuchs die nationale Wirtschaft unerwartet stark mit 9,5 Prozent. „Ohne Änderungen beim Wechselkurs hätten die Behörden erhebliche Schwierigkeiten, das Wachstum zu dämpfen“, so Jim O´Neill von Goldman Sachs zu Bloomberg.

„Deutsche Wettbewerbsfähigkeit nicht dramatisch verändert“

Volkswirte äußerten sich in ersten Reaktionen zu den Folgen des Endes der Dollar-Bindung unaufgeregt: „Das ist ein vernünftiger Schritt, aber die wirtschaftliche Bedeutung wird wahrscheinlich maßlos übertrieben. Es ist wichtig für das Klima“, sagte Eric Lonergan von der Privatbank Cazenove. „Der zentrale Punkt ist, daß der Yuan ab sofort gegen einen Korb von Währungen gehandelt wird. Die Auswirkungen auf den Devisenmarkt lassen sich derzeit nur schlecht abschätzen, da die Zusammensetzung des Korbes noch unklar ist“, sagte Rainer Sartorius von der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt zu Reuters.

Und Ralph Solveen von der Commerzbank meint: „Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird sich durch die Wechselkursanpassung nicht dramatisch verändert. Eine Währungsveränderung um 2,1 Prozent ist nicht sehr groß. Realwirtschaftlich ist das für Deutschland zu vernachlässigen. Auch das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten wird nicht dadurch geschlossen.“

Text: FAZ.NET mit Reuters/AFP/Bloomberg
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb

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