Edelmetalle

Platin eilt von Rekord zu Rekord

Nicht nur der Diamant ist teuer

Nicht nur der Diamant ist teuer

20. Dezember 2007 Der Platinpreis hat zu Beginn der Woche einen Sprung auf neue Rekordhöhen unternommen. In der Folge überwand er überzeugend die als psychologisch bedeutsam geltende Marke von 1500 Dollar je Feinunze. Charttechnisch ist damit ein Ausbruch aus einer Kursformation gelungen, der nach Meinung technisch orientierter Rohstoff-Analysten auf weitere deutliche Kursgewinne hindeuten könnte.

Obgleich unter Analysten kein Zweifel daran besteht, dass der jüngste Aufschwung in hohem Maße von der Spekulation geprägt war und weitere Gefolgschaft von dieser Seite erwartet werden kann, spiegelt er doch die latente Knappheit an diesem Edelmetall wider. Eine nun zehnjährige Serie ununterbrochener Produktionsdefizite und wachsenden Bedarfs habe die vorhandenen Vorräte auf ein Niveau schrumpfen lassen, das keine ungünstigen Einflüsse auf der Angebotsseite mehr ohne Preissteigerungen toleriere, heißt es weithin.

Unsichere Lage auf beiden Seiten

Zuletzt waren es Streikdrohungen im südafrikanischen Bergbau, die für Unruhe gesorgt haben. Ein Ausstand in diesem führenden Produzentenland konnte jedoch durch rückwirkende Lohnerhöhungen vermieden werden. Als Anlass für die jüngst verzeichneten Preissteigerungen kann dieser Aspekt daher ausgeschlossen werden. Es bleibt aber das Risiko, dass die Platingewinnung in diesem Land wegen unzureichender Sicherheit im Bergbau eingeschränkt werden könnte. Händler berichten unterdessen über reges industrielles Interesse an physischem Platin.

Hier ragen die Hersteller abgasentgiftender Autokatalysatoren heraus. Dies zeigt zugleich aber die starke Abhängigkeit der Nachfrage von der Automobilkonjunktur und damit auch von der Entwicklung der Weltwirtschaft. Hier stehen die Zeichen für 2008 nicht eben günstig. Daher äußern sich viele Analysten in Ausblicken zu Platin zumindest vorsichtig.

Gleiches gilt auch für den Platinbedarf der Schmuckhersteller. Platinschmuck erfreut sich besonders in Asien seit Jahren wachsender Beliebtheit. Dieser Sektor ist neben dem Katalysatorbau das zweite große, aber sehr preissensible Standbein auf der Nachfrageseite.

Hortung der Platinfonds treibt Knappheit

In den vergangenen Jahren hat sich der Bedarf angesichts des beständig teurer gewordenen Platins leicht auf das wesentlich billigere Palladium verlagert. Doch auch die Nachfrage privater Anleger nach Platin spielt eine immer bedeutendere Rolle. Hier ragen inzwischen die börsengehandelten Platinfonds (ETF) heraus, die mit physischer Ware unterlegt sind. Sie entziehen dem industriellen Sektor tendenziell mehr und mehr Ware, was die Knappheit angesichts des wohl auch im kommenden Jahr entstehenden Produktionsdefizits noch verschärfen könnte.

Und immer wieder Diesel-Katalysatoren

Kürzlich hat das World Gold Council, eine Interessenvertretung der Goldproduzenten, mit einem Bericht Aufsehen erregt, nach dem mit dem amerikanischen Unternehmen Nanostellar eine Kooperation zur Verwendung von Gold bei der Herstellung von Katalysatoren eingegangen worden sei. Heraeus, der international tätige führende deutsche Platinhändler und -verarbeiter, erklärt hierzu, dass Gold tatsächlich zusammen mit Platin unter anderem zur Herstellung von Diesel-Katalysatoren eingesetzt werden könne.

Versuche mit diesem Ziel liefen bereits, doch sei die Haltbarkeit dieser Technologie noch nicht bewiesen. Heraeus stellt fest, die Nachricht habe weder den Gold- noch den Platinpreis nennenswert berührt, und auch in Zukunft werde dies kaum der Fall sein. Wenn nämlich auch Gold beim Katalysatorbau verwendet werden sollte, würde dies den Platinmarkt nicht in seinen Grundfesten erschüttern. Schon zwei neue Anlagen zur Gasverflüssigung könnten die Hälfte des Platinbedarfs, der durch das noch zu untersuchende neue Verfahren möglicherweise sinkt, wieder wettmachen.

Text: F.A.Z., 20.12.2007, Nr. 296 / Seite 23
Bildmaterial: FAZ.NET, Kretzer, Michael

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