Edelmetalle

Preiskorrektur am Platinmarkt

30. April 2008 Von Rekordpreisen ist am Platinmarkt trotz der massiven Lieferengpässe aus Südafrika seit langem keine Rede mehr. In den vergangenen Tagen pendelte der Preis für das Edelmetall zwischen 1930 und 1960 Dollar je Unze. Das sind mehr als 15 Prozent weniger als das Allzeithoch von 2293 Dollar im März.

Händler in Johannesburg machten die anstehende Sitzung der amerikanischen Federal Reserve für die Verluste in der vergangenen Woche verantwortlich. Platin gilt wie Gold als Ersatzwährung. Sollte die amerikanische Notenbank von einer Zinssenkung absehen, könnte dies den Dollar stärken und damit die Nachfrage nach Edelmetallen als „sicherem Hafen“ schwächen.

Stromversorgung beeinträchtigt Produktion

Ausschlaggebend für den Platinpreis sind jedoch auch Angebot und Nachfrage nach dem weißen Metall. Vor allem die Schwierigkeiten in der Stromversorgung in Südafrika haben jüngst zu starken Preisschwankungen geführt. Marktbeobachter halten wegen der Engpässe auch einen Anstieg des Platinpreises über die 2000-Dollar-Marke für möglich.

Seit Monaten liefert der staatliche Versorger Eskom den Minen nur 95 Prozent ihres normalen Energiebedarfs. Anglo Platinum, Platintochtergesellschaft des Rohstoffkonzerns Anglo American und Marktführer, gab am Dienstag kräftige Produktionsrückgänge bekannt. Zuvor hatten andere südafrikanische Bergbauunternehmen über ein ähnlich enttäuschendes Quartal berichtet. Aus Südafrika stammen 70 Prozent des Platins auf den Weltmärkten, der Rest entfällt auf Russland, Nordamerika und Zimbabwe.

Ebenso wie Sicherheitsprobleme

Anglo Platinum förderte den Angaben nach im ersten Vierteljahr 517.500 Unzen, das sind 19 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Neben der Stromkrise hätten dem Unternehmen Überschwemmungen, notwendige Reparaturen und ein fünf Tage langer Streik der Arbeiter in verschiedenen Minen zugesetzt. Außerdem müht sich die Vorstandsvorsitzende von Anglo American, Cynthia Carroll, die Sicherheit in den Minen zu verbessern. Im vergangenen Jahr wurde die Produktion in der wichtigen Rustenburg-Mine wegen Sicherheitsbedenken gestoppt. Carroll nannte die Zahl der Todesfälle in der Branche „schockierend hoch“. Im vergangenen Jahr kamen in Südafrika 250 Minenarbeiter ums Leben.

Auch der drittgrößte Platinförderer Lonmin gab vor kurzem einen Produktionsrückgang im vergangenen Quartal um 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal bekannt und senkte seine Jahresprognose von 860 000 auf 775 000 Unzen. Aquarius Platinum verzeichnete ebenfalls Einbußen von fast einem Fünftel im ersten Quartal dieses Jahres, zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Produktion auf dem Niveau von 2007 halten zu können. Das in London ansässige Beratungsbüro GFMS berichtete jüngst, dass die Platinförderung im vergangenen Jahr um 6 Prozent zurückgegangen sei. Die Chancen auf eine Steigerung seien gering.

Schmucknachfrage dürfte sinken

Die Platinnachfrage hängt zu ungefähr gleichen Teilen von der Autozulieferindustrie - Platin wird für Katalysatoren benötigt - und von der Schmuckindustrie ab. Laut GFMS ist die Nachfrage in der Schmuckindustrie im vergangenen Jahr zurückgegangen. In China sei zwar mehr Schmuck nachgefragt worden, in den Vereinigten Staaten und in Japan hätten sich die Käufer wegen der hohen Preise jedoch zurückgehalten. Ein stabileres Geschäft bescherte die Autozulieferindustrie. Da der Bau von Katalysatoren in hohem Maße von den staatlichen Abgasverordnungen abhängt, ist die Platinnachfrage nahezu garantiert.

In diesem Jahr erwartet das Beratungsbüro einen weiteren, möglicherweise „dramatischen“ Rückgang der Schmucknachfrage. Auf dem Katalysatorenmarkt könne Platin Marktanteile an Palladium verlieren. Bisher bereitet der Einsatz von Palladium in Katalysatoren technische Schwierigkeiten.

Viele Marktbeobachter rechnen angesichts der angespannten Angebotslage auch in diesem Jahr mit einem Defizit auf dem Platinmarkt, das im vergangenen Jahr mit 200.000 Unzen beziffert wurde. GFMS-Direktor Paul Walker hält es jedoch auch für möglich, dass die gesamte Nachfrage stärker zurückgeht als das Angebot, so dass das Defizit kleiner werden oder sich in einen Überschuss verwandeln könne.

Text: clb/F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., GFMs Ltd.

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