Devisen

Der Euro holt gegen den Dollar wieder auf

24. August 2007 Hatte der Dollar in den vergangenen Wochen von den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten profitieren und leicht gegen den Euro zulegen können, so war der langfristige Abwertungstrend nie ernsthaft gefährdet.

Im Rahmen der Krise scheint es zunächst zu so genannten „Repatriierungsbewegungen“ unter amerikanischen Anlegern gekommen zu sein, die den Euro von 1,3852 Dollar vor vier Wochen auf bis zu 1,3361 Dollar vor einer Wochen hatten zurücklaufen lassen. In den vergangenen Tagen hat sich der Wind allerdings nach den massiven Liquiditätsinfusionen der Zentralbanken und der zumindest optischen Beruhigung an den Geldmärkten wieder gedreht - und mittlerweile legt der Euro gegen den Dollar wieder zu. Am Freitag liegt er bei 1,3588 Dollar.

Vertrauen der amerikanischen Verbraucher auf dem Rückzug

Dafür gibt es mehrere Gründe, die von verschiedenen Banken auch schon länger angeführt werden. Dazu zählt der traditionelle Verweis auf das amerikanische Leistungsbilanzdefizit ebenso, wie jener auf die schwache amerikanische Konjunktur. Sie geht vor allem von der Krise am Häusermarkt aus, die die Entwicklung der restlichen Wirtschaft früher oder später immer stärker bremsen dürfte. Nach jüngsten Daten befindet sich das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher und damit ihre Konsumbereitschaft deutlich auf dem Rückzug.

Das dürfte kaum verwundern, immerhin hat sich die Arbeitsmarktsituation in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert und die Anzahl der gerichtlichen Vollstreckungserklärungen von Hypotheken hat sich alleine im Juli im Vergleich mit der Vorjahresperiode knapp verdoppelt. Nach Angaben von RealtyTrac liegen die besonderen Problemgebiete in Kalifornien, Florida, Michigan, Ohio und Georgia.

Aus diesem Grund rechnen beispielsweise die Analysten der BNP Paribas, von Goldman Sachs und auch von Dresdner Kleinwort in den kommenden Monaten ebenso mit zum Teil deutlichen Zinssenkungen, wie auch die Experten von Northern Trust in Chicago. So sollte der Dollar alleine aufgrund der Zinserwartungen in die Defensive geraten, so die Logik. Die Währungsexperten von Goldman Sachs führen in ihrer jüngsten Studie jedoch noch weitere Argumente an, die sie zu einer Wechselkursprognose von 1,43 Dollar je Euro auf Sicht von drei bis sechs Monaten bringen.

Dollarnachfrage dürfte sehr wahrscheinlich zurückgehen

Dazu zählt erstens die Erwartung, dass die Kreditmärkte sich in den Vereinigten Staaten weiterhin schwach zeigen und generell die Nachfrage nach der Währung des Landes dämpfen werde. Zweitens seien absolut betrachtet die meisten verbrieften Hypothekarpapiere in der Vergangenheit in Amerika platziert worden. Entsprechend groß seien die Verluste, die zu erwarten seien. Auch diese Erwartung sollte die Dollarnachfrage dämpfen.

Solche Argumente klingen zunächst schlüssig und mögen mittelfristig aufgehen. Immerhin hatten in den vergangenen Wochen viele Euro-Bullen Teile ihrer Positionen und damit starke spekulative Erwartungen reduziert. Auch das lässt auch antizyklisch gewisse Kursphantasien zu. Sollte dagegen die amerikanische Wirtschaft in eine ausgesprochene Rezession fallen, der CEO von Countrywide hält das für möglich, so dürften die amerikanischen Importe unter Umständen deutlich zurückgehen. Über diese Schiene würde das Dollarangebot abnehmen und eventuell sogar das Leistungsbilanzdefizit zurückgehen. Genau das könnte dem Greenback nach einem deutlicheren Rückfall zumindest vorübergehend wieder auf die Beine helfen, auch wenn er langfristig eindeutig abwertet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Calculated Risk, FAZ.NET, Gary Shilling/Bank of America, Gary Shilling/BEA, Gary Shilling/BEA & USCB, Gary Shilling/FED, Gary Shilling/James Kennedy, Gary Shilling/S&P 500, Gary Shilling/USCB, Goldman Sachs

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