Nach dem G 8-Treffen

Der Ölpreis auf Rekordhoch

Düstere Zeiten für Autofahrer: Der Preis für Rohöl hat ein neues Rekordhoch erreicht

Düstere Zeiten für Autofahrer: Der Preis für Rohöl hat ein neues Rekordhoch erreicht

16. Juni 2008 Die Ölpreise haben am Montag einen neuen Rekord erreicht. 139,89 Dollar kostete ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Leitsorte West Texas Intermediate (WTI) am Nachmittag und damit so viel wie noch nie.

Innerhalb weniger Minuten war der Ölpreis am Mittag um mehr als 4 Dollar gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel 137,93 Dollar und damit 3,06 Dollar mehr als am Freitag. Der bisherige Höchstwert war am 6. Juni mit 139,12 Dollar je Barrel erreicht worden. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte am Montag mit 139,32 Dollar auf einen neuen Rekordwert.

Finanzminister der G 8 machen sich Sorgen

Derzeit steht die Produktion auf der Oseberg-Plattform still

Derzeit steht die Produktion auf der Oseberg-Plattform still

Nach Ansicht der Finanzminister der sieben größten Industriestaaten und Russlands (G 8) stellen die hohen Ölpreise zusammen mit hohen Nahrungsmittelpreisen eine ernste Bedrohung für die Weltwirtschaft dar. Sie könnten zu einem höheren Inflationsdruck weltweit führen. Sie bewirkten einen „enormen Kaufkraftentzug, auch in der Eurozone“, erklärte der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Mirow zum Abschluss der zweitägigen Beratungen der G8- Finanzminister am Samstag im japanischen Osaka.

Zunächst hatte der Ölmarkt am Morgen mit niedrigeren Preisen auf die Nachricht reagiert hatte, dass Saudi-Arabien eine Erhöhung seiner Ölproduktion plane, um die wachsende Nachfrage zu bedienen und die galoppierenden Rohölpreise im Zaum zu halten.

Opec-Öl steigt über die Marke von 130 Dollar

Für zusätzlichen Preisdruck sorgte auch ein Brand im Transformatorenraum einer norwegischen Bohrinsel, auf der daher derzeit die Produktion stillsteht. „Norwegisches Öl steht zwar für weniger als zehn Prozent des Weltangebots, doch der größte Teil davon geht in den Export. Zudem ist es Leichtöl, und daher ist das kein gutes Zeichen“, sagte Thina Salvedt, Analystin der Nordea Bank.

Zudem ist der Dollarkurs leicht zurückgegangen, was den Kauf von Rohstoffen aus Gründen der Währungsabsicherung wieder attraktiver gemacht hat. Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist wieder über die Marke von 130 Dollar für ein Barrel gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete das Barrel am Freitag im Durchschnitt 130,52 Dollar im Vergleich zu 129,77 Dollar am Vortag.

Wirksamkeit der Produktionserhöhung noch nicht klar

Analysten sehen eine mögliche Produktionserhöhung Saudi-Arabiens um 200.000 Barrel im kommenden Monat auch nur als begrenzt wirksam an. Ein Teil dieser Mehrproduktion werde von einer saisonalen Mehrnachfrage absorbiert, meint Harry Tchilinguirian, Analyst der französischen Großbank BNP Paribas. „Es kommt wirklich darauf an, ob dieses Angebot ausreicht, um einen geringeren Ausstoß an Nicht-Opec-Öl wettzumachen“.

Die Saudis bewegen den Ölmarkt

Die Saudis bewegen den Ölmarkt

Saudi-Arabien plane eine Erhöhung seiner Ölproduktion, um die wachsende Nachfrage zu bedienen und die galoppierenden Rohölpreise im Zaum zu halten. König Abdullah habe ihm zugesichert, alles zur Senkung der hohen Ölpreise zu tun, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon der saudiarabischen Nachrichtenagentur SPA nach einem Treffen mit dem König. Als weltgrößter Erdölexporteur ist Saudi-Arabien das einzige Opec-Land, das über zusätzliche Förderkapazitäten verfügt, mit denen die Versorgung in kurzer Zeit spürbar gesteigert werden kann.

G 8 streiten über die Rolle der Spekulanten

Am Wochenende waren sich die Finanzminister acht wichtiger Industriestaaten (G 8) uneins darüber, in welchem Ausmaß die Finanzmärkte für den Anstieg des Ölpreises auf mehr als 130 Dollar je Barrel (159 Liter) verantwortlich sind. Am Rande eines Treffens der G-8-Finanzminister in Osaka gab Italiens Finanzminister Giulio Tremonti überwiegend Spekulanten die Schuld an dem hohen Ölpreis. Dagegen vermuteten andere Teilnehmerländer die Ursache eher in der starken Nachfrage nach Öl aus Entwicklungs- und Schwellenländern. „Alles deutet auf die Nachfrage und das Angebot hin“, sagte der amerikanische Finanzminister Hank Paulson. Zudem sei in den vergangenen Jahren sehr wenig in die Ölproduktion investiert worden.

UN-Generalsekretär Ban lässt sich die Pläne der Saudis übersetzen

UN-Generalsekretär Ban lässt sich die Pläne der Saudis übersetzen

Ebenso wie der Gastgeber Japan zeigte sich Deutschland bei der Ursachensuche für den hohen Ölpreis zurückhaltend. „Die fundamentalen Gründe für den Ölpreisanstieg liegen in der Nachfrage und im Angebot“, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow. Die Frage sei, ob die Spekulation einen „bedeutenden Beitrag“ zur Preisbildung leiste. „Das weiß niemand genau“, sagte Mirow.

Preissignale an die Verbraucher

Giulio Tremonti scheiterte mit dem Vorstoß, derivative Termingeschäfte am Ölmarkt mit hohen Depot-Pflichten zu belegen, um die Spekulation einzudämmen. Hank Paulson und der britische Finanzminister Alistair Darling äußerten dagegen die Sorge, die Diskussion über den Einfluss der Finanzmärkte auf den Ölpreis könne notwendige Maßnahmen verhindern.

Preise kaputt? Von wegen.

Preise kaputt? Von wegen.

Die G 8 riefen alle Staaten dazu auf, die Energieeffizienz zu verbessern. An die ölproduzierenden Länder erging die Aufforderung, ihre Produktion zu erhöhen und mehr in die Produktion und Verarbeitung zu investieren. Nationale Eingriffe in die Öl- und Nahrungsmittelmärkte, um private Haushalte zu entlasten, lehnten die Finanzminister ab. „Es ist wichtig, dass Preissignale an die Verbraucher weitergegeben werden“, hieß es. Dies zielt auch auf Entwicklungs- und Schwellenländer wie China oder Indien, die ihre Subventionen für Benzin verringern sollen.

Die Finanzminister sind besorgt, dass der „scharfe Anstieg“ des Ölpreises das Wachstum der Weltwirtschaft bedrohe und den Inflationsdruck verschärfe. Der Ölpreis könne den Abschwung von Amerikas Wirtschaft verlängern, warnte Paulson.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

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