Devisenmarkt

Britisches Pfund - neues Rekordtief gegen den Euro

28. März 2008 Während der Dollar aufgrund der amerikanischen Wirtschaftsschwäche massiv unter Druck steht, zeigt der Euro weiterhin Stärke. Besonders ausgeprägt fällt sie gegen das britische Pfund aus. Inzwischen sind zumindest im professionellen Devisenhandel 79,13 britische Pence nötig, um einen Euro erwerben zu können.

So teuer war die europäische Einheitswährung aus britischer Sicht noch nie. Anders formuliert war die britische Währung gegen den Euro noch nie so schwach wie am Freitag. Für den Kursgewinn des Euro gegen die britische Währung gibt es mehrere Gründe. Erstens äußerten sich mit Bundesbankpräsident Axel Weber und Jürgen Stark, dem Chefökonomen der Europäischen Zentralbank, gleich zwei bestimmende Personen besorgt über den andauernden Inflationsdruck in Europa.

Wirtschaftliche Schwächezeichen in Großbritannien schon lange nicht mehr zu übersehen

Das lässt die Marktteilnehmer darauf schließen, dass sie vorerst wohl nicht mir Zinssenkungen in Europa rechnen können. Viele gehen zwar davon aus, dass sich die amerikanische Wachstumsschwäche über indirekte Kanäle bald auch in Europa bremsend bemerkbar machen wird. Allerdings scheinen sich die europäischen Zentralbanker aufgrund der Sorge über mögliche Zweitrundeneffekte in Form von überhöhten Lohnabschlüssen - vor allem auch im produktivitätsschwachen Öffentlichen Sektor - bedeckt halten zu wollen.

Auf der anderen Seite sind die wirtschaftlichen Schwächezeichen in Großbritannien schon lange nicht mehr zu übersehen. Aufgrund steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise zieht nicht nur die Inflationsrate an, sondern auf diese Weise wird auch die Konsumentenstimmung beeinträchtigt, da die Kaufkraft zurückgeht. Die Stimmung befindet sich auf dem tiefsten Niveau seit 15 Jahren. Sie wird zusätzlich belastet durch den stagnierenden Häusermarkt in Großbritannien und durch die Kreditkrise. Diese führt zu einer restriktiveren Kreditvergabe durch Banken und zu einer steigenden finanziellen Belastung der im Durchschnitt stark verschuldeten britischen Bürger. Die Sparquote liegt auf dem tiefsten Stand seit 1959.

Fallende Hauspreise - miserable Konsumentenstimmung

Der britische Nationwide House Price Index ist im März auf Monatsbasis um 0,6 Prozent gefallen, nachdem er schon in den Monaten November bis Februar Rückgänge in ähnlicher Größenordnung zu verzeichnen hatte. Da der langfristige Trend deutlich unter dem gegenwärtigen Preisniveau liegt, sind zumindest unter normalen Verhältnissen weitere Preisrückgänge hoch wahrscheinlich. Genau das dürfte die Stimmung kaum beflügeln, zumal weder die Regierung aufgrund der starken Verschuldung noch die Zentralbank aufgrund der Inflationsentwicklung sowie der Geldmengenentwicklung die Wirtschaftsentwicklung stark stimulieren können werden.

Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, erklärte in der laufenden Woche, er rechne mit einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung, da die Turbulenzen an den Finanzmärkten zunehmend die Entwicklung in anderen Bereichen der Wirtschaft bremsten. Immer mehr Ökonomen schließen sich dieser Erwartung an. Großbritannien konnte im vierten Quartal des vergangenen Jahres das Zahlungsbilanzdefizit zwar reduzieren.

Das Handelsbilanzdefizit an sich jedoch bleibt jedoch groß und dürfte das Pfund zusammen mit den Zinserwartungen belasten. Die britische Zentralbank hat den Leitzins jeweils im Dezember und Februar von 5,75 auf zuletzt 5,25 Prozent gesenkt. Der Markt geht davon aus, dass sie eine ähnliche Politik wie die amerikanische Zentralbank verfolgen könnte: Den Ausgleich fundamentaler Ungleichgewichte über eine schwache Währung zu erreichen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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