Devisenmarkt

Hoher Zinsvorsprung half Islands Krone bisher wenig

29. Februar 2008 Schlecht ist es derzeit um die isländische Krone bestellt. Nach einer zwischenzeitlich leichten Erholung ist ihr Kurs zum Euro mit knapp über 100 Kronen auf ein neues rekordtiefes Niveau gefallen. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Devise rund 14 Prozent gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Krone bewegt sich damit in noch tieferen Bewertungsregionen wie im Krisenjahr 2006, als schwerwiegende strukturelle volkswirtschaftliche Defizite die isländische Währungen schon einmal massiv in die Knie zwangen.

An den seinerzeitigen Belastungsfaktoren hat sich bis heute nichts verändert. So ist das Leistungsbilanzdefizit gegenüber 2006 zwar leicht gefallen, mit 25 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt war es aber auch 2007 noch viel zu hoch. Ein Problem stellt zudem die Inflation dar. Diese ist im Januar zwar von 5,9 Prozent im Dezember auf 5,8 Prozent leicht gesunken, sie liegt damit aber noch immer deutlich über dem von der Notenbank angestrebten Niveau von 2,5 Prozent.

Marktteilnehmer erwarten mittelfristig sinkende Leitzinsen

Die zu hohe Teuerungsrate ist mit der wichtigste Grund, warum die Notenbank die Leitzinsen auf das Rekordniveau von 13,75 Prozent erhöht hat. Aber obwohl man damit unter den industrialisierten Länder nach der Türkei die zweithöchsten Leitzinsen hat, konnte der damit verbundene Zinsvorsprung nicht genügend Investoren anlocken, um einen anhaltenden Wertverfall der Krone zu verhindern.

Inzwischen mehren sich zwar die Anzeichen, dass sich die Konjunktur eintrübt und auch der Boom auf dem Immobilienmarkt etwas nachlässt. Ob das aber ausreicht, damit die Notenbank tatsächlich wie allgemein erwartet im zweiten Halbjahr ihre Zinsen senken kann, bleibt abzuwarten. Und selbst wenn es so kommen sollte, ist noch fraglich, ob sich dies dann wegen der Hoffnung auf daraus resultierende konjunkturbelebende Impulse als Stütze oder als weitere Belastung für den Kurs der Krone erweisen wird.

Die Analysten von Glitnir Research gehen davon aus, dass sich die im Jahresverlauf aus ihrer Sicht aufhellenden wirtschaftlichen Perspektiven sowie ein durch steigende Aluminiumexporte sinkendes Leistungsbilanzdefizit stützend auf die Krone auswirken wird. Sie sehen die Notiz am Jahresende zum Euro bei 101,5 Kronen und rechnen im nächsten Jahr mit einer Aufwertung.

Chart lässt noch kein Ende des Abwertungstrends erkennen

Viel wird letztlich aber davon abhängen, wie sich die Risikoneigung unter den Marktteilnehmern entwickeln wird. Weil die Krone als risikoreich und volatil gilt, zieht der bestehende Zinsvorsprung nur dann, wenn sich Anleger auch künftig auf Carry Trades einlassen. Wegen der noch immer kursierenden Ängste vor einer Rezession in Amerika und einem deutlichen Abflauen der Weltkonjunktur ist von einer wieder steigenden Risikobereitschaft momentan aber noch nichts zu spüren.

Und solange sich daran nichts ändert, dürfte die Krone weiter unter Druck bleiben. Darauf deutet auch das mit dem neuen Tief frisch verbundene charttechnische Verkaufssignal hin. „Die Krone ist wegen der Kreditkrise, der möglichen Zinssenkungen und dem hohen Leistungsbilanzdefizit weiterhin eine der anfälligsten Währungen weltweit. Die Krone zu kaufen ist definitiv gefährlich“, erklärt Elisabeth Andreew, Chefanalysting bei der skandinavischen Bank Nordea AB.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

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