Energie

Der Kohlepreis zieht an

28. Januar 2008 Im Rahmen des Energiebooms der vergangenen Jahre hat auch der Kohlepreis weltweit mit unterschiedlicher Dynamik angezogen. Alleine seit Juli des vergangenen Jahres hat der Preis an der New York Mercantile Exchange knapp 65 Prozent auf zuletzt 68,67 Dollar je Tonne zugelegt. Der Importpreis in Deutschland lag im dritten Quartal des vergangenen Jahres bei 76,14 Euro je Tonne Steinkohleeinheit.

Der Tagespreis mit Lieferung in den Niederlanden ist am Montag laut Angaben des Brokers ICAP um vier Dollar auf 133 Dollar je Tonne Kohle mit 6.000 Kilokalorien je Kilogramm und einem Schwefelanteil von weniger als einem Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Jahren.

Energie- und Wetterkapriolen in Südafrika, China und in Australien

Diese Entwicklung scheint zunächst seltsam zu sein, zumal sich der Ölpreis in einer Konsolidierungsphase befindet. Allerdings gibt es Sonderfaktoren, die den Kohlepreis beflügeln. Dazu zählen in erster Linie Energie- und Wetterkapriolen in Südafrika, China und in Australien, wo Mängel in der Stromversorgung, starke Regelfälle und Schneestürme die Förderung zumindest kurzfristig behindern und auf diese Weise die Sorge über einen Angebotsmangel schüren.

In Australien teilten die Unternehmen Macarthur Coal und Wesfarmer mit, sie seien nach starken Regenfällen nicht in der Lage, manche Kontrakte zu erfüllen. China untersagte den Export von Kohle, da starke Schneefälle und Verzögerungen im Eisenbahntransport die Versorgung Kohlebefeuerter Generatoren im eigenen Land stark eingeschränkt hatte. Andere Exportstaaten wie Polen oder Indonesien haben nicht die Kapazitäten, um ihre Förderung kurzfristig auszuweiten.

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Amerikanische Kohleunternehmen dürften ihre Exporte steigern

Dazu scheinen gegenwärtig nur die amerikanischen Förderer in der Lage zu sein. Sie dürften ihre Exporte alleine schon aufgrund des schwachen Dollars ausdehnen können. Experten gehen davon aus, dass die ausgeführte Menge von 50 Millionen im Jahr 2006 auf 75 Millionen Tonnen im laufenden Jahr zunehmen wird. Aus diesem Grund dürften in den vergangenen Wochen die Aktien der nordamerikanischen Kohleförderer zum Teil deutlich zugelegt haben.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Jahreskontraktpreise für Kohle im laufenden Jahr deutlich über dem Niveau des vergangenen Jahres liegen werden. Der durchschnittliche Preis werde im laufenden Jahr bei voraussichtlich 80 Dollar je Tonne Kohle weltweit liegen und im kommenden Jahr gar auf 90 Dollar je Tonne steigen, heißt es.

Auf dieser Basis dürfte auch kaum verwundern, dass die Aktie der China Coal Energy bei ihrer anstehenden Zweitplatzierung in Shanghai trotz der Konsolidierung der Börsen der Region stark gefragt ist. Die Papiere haben schon an der Börse in Hongkong in den vergangenen Monaten bis zu 600 Prozent zugelegt, bevor sie zuletzt in eine Konsolidierungsphase übergegangen waren. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 40 und 28 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind sie allerdings vergleichsweise teuer und mit entsprechender Vorsicht zu genießen.

Kohleverbrauch in Asien hat in zehn Jahren um 61 Prozent zugenommen

Allerdings scheinen die Perspektiven der gesamten Branche bei anhaltendem weltwirtschaftlichem Wachstum im Rahmen des allgemeinen Rohstoff- und Energiebooms nicht schlecht sein. Denn die Nachfrage nach Kohle hat in den vergangenen Jahren gerade in Asien dramatisch zugenommen. Alleine in den vergangenen zehn Jahren legte sie in der Region um knapp 61 Prozent zu.

China importierte im vergangenen Jahr mehr Kohle als es exportierte. Das will etwas heißen. Denn das Land verfügt nicht nur die drittgrößten nachgewiesenen Reserven weltweit, sondern ist inzwischen mit weitem Abstand auch der größte Förderer weltweit. Im Jahr 2006 wurden in China 2.380 Millionen Tonnen gefördert, in Europa und Euroasien waren es 1.212 Millionen Tonnen, in Nordamerika 1.127 Millionen Tonnen und in Indien waren es 447 Millionen Tonnen.

Hintergrund ist der steigende Energiebedarf der weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft. In dem Riesenreich werden aus dem Brennstoff 78 Prozent der Elektrizität gewonnen. Die Nachfrage steigt nicht nur aufgrund der industriellen Nachfrage, sonder auch aufgrund des zunehmenden Wohlstandes: Da im Sommer immer mehr Klimaanlagen benutzt werden, legte die Nachfrage nach Strom zuletzt deutlich zu. Global wird der größte Teil von Elektrizität aus Kohle gewonnen.

Kohleumwandlung in flüssige Treibstoffe ist zu gegenwärtigen Ölpreisen wettbewerbsfähig

Die Nachfrage kommt jedoch nicht nur von dieser Seite. Denn sollte der Ölpreis hoch bleiben, so lohnt sich zunehmend auch die Transformation von Kohle in flüssige Treibstoffe. Die Umwandlung kostet nach Angaben des World Coal Instituts zwischen 25 und 45 Dollar je Barrel Öläquivalent. In diesem Preis ist die CO2-Wäsche und Speicherung schon enthalten. Der geopolitische Vorteil dieser Technologie liegt in der Tatsache, dass die Kohlevorkommen global diversifizierter sind als die Ölvorkommen. Ferner reichen die Vorkommen nach gegenwärtigen Berechungen noch für circa 155 Jahre, während die Ölvorkommen bei abnehmenden Erträgen noch 40 und die Gasvorkommen noch 65 Jahre reichen dürften.

In diesem Sinne sollten gut und effizient wirtschaftende Kohleunternehmen zumindest langfristigen Anlegern in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten können. Das gälte vor allem dann, wenn sich neben effizienteren auch sauberere Verbrennungstechnologien entwickeln ließen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

 

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