Agrarrohstoffe

Japan und Südkorea könnten Rindfleischpreise weiter nach oben treiben

Rinder bringen am Weltmarkt derzeit gutes Geld

Rinder bringen am Weltmarkt derzeit gutes Geld

31. Juli 2007 Noch diskutieren Politiker und Bürger heftig über die exorbitanten Preiserhöhungen für Butter und andere Molkereiprodukte, da legen die Agrarverbände bereits nach. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner etwa geht von generell anziehenden Lebensmittel-Preisen aus. „Der Verbraucher muss sich daran gewöhnen, dass Nahrungsmittel teurer werden“, sagte er der Passauer „Neuen Presse“.

In den vergangenen 20 bis 30 Jahren seien die Nahrungsmittel im Verhältnis zu den Löhnen immer billiger geworden. „Im Durchschnitt gibt eine deutsche Familie heute nur noch zwölf Prozent ihres Einkommens für Ernährung aus - nach dem Krieg waren es 50 Prozent“, sagte Sonnleitner.

Rindviehpreise in Europa auf Rekordtief...

Nicht zuletzt für Fleisch fordert der Bauernpräsident höhere Erzeugerpreise. Für Schweine und Rinder bekämen die Bauern derzeit zu wenig. Die Handelsspanne sei aber groß. „Das wäre dann nicht zu Lasten des Verbrauchers“, sagte Sonnleitner.

Die Preise für Jungbullen steigen bereits seit einiger Zeit. Jungbullen legten EU-weit in der vergangenen Woche um 0,7 Prozent auf 282,05 Euro je 100 kg Schlachtgewicht zu. Ausschlaggebend war vor allem die Entwicklung in Deutschland, wo die Notierungen um 2,5 Prozent zulegten. Auch für Schlachtkühe und -färsen wird mehr bezahlt.

Indes vollzieht sich diese Preissteigerung von geringem Niveau aus. Die Preise für Jungbullen liegen schon seit zweieinhalb Jahren nicht mehr so tief, auch für Färsen und Bullen erhalten die Mäster derzeit immer noch Niedrigpreise.

... am Weltmarkt auf Rekordhoch

Doch während der europäische Markt durch EU-Regelungen eher eine Sonderstellung hat, sind die Verhältnisse am Weltmarkt ganz andere. Der Preis für Mastrind ist an den amerikanischen Terminbörsen mittlerweile auf 117,8 Cent je Pfund gestiegen und notiert damit knapp unter dem 19-Jahres-Hoch des Oktobers 2006 von 118,23 Cents.

Nicht ganz so „bullisch“ zeigt sich der Markt für Lebendrinder. Hier wurden zuletzt 98,975 Cents für das Pfund bezahlt, etwas weniger als das 20-Jahres-Hoch von mehr als einem Dollar im März.

Es ist die Krönung einer Rally, die den Preis von seinen Tiefen Mitte der neunziger Jahre auf das aktuelle Niveau geführt hat. Aktueller Anlass ist ein Marktengpass beim Schlachtgewicht in Folge der Blizzards zu Jahresbeginn, die in den westlichen Bundesstaaten tobten.

Aufhebung von Importverboten beflügelt

Das wirkt auch auf den Mastrindmarkt zurück, der überdies von den niedrigeren Maispreisen profitiert, aus denen die Luft der Biosprit-Phantasie entweicht, die diese im Februar noch auf ein Zehn-Jahres-Hoch geführt hatte, auch wenn diese noch weiterhin noch rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.

Längerfristig aber gehen die Investoren von steigenden Fleischpreisen aus. Nachdem Japan und Südkorea, einen Ende 2003 aufgrund der Fälle von Rinderwahnsinn verhängtes Importverbot aufhoben, versprechen sich Händler einen weiteren Anstieg des Exports.

Japan und Südkorea importierten in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 24.350 bzw. 1.687 Tonnen Rindfleisch aus den Vereinigten Staaten und damit knapp fünf- bzw. zehnmal soviel wie im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.

Diese Spekulation scheint durchaus begründet. Denn Japan hatte 2003 noch mehr als die zehnfache Rindfleischmenge aus den Vereinigten Staaten eingeführt, Südkorea mehr das Hundertfache.

Und immer wieder China

Jedenfalls erscheint sie begründeter als die Spekulation auf Schweinefleisch, der immer wieder von Hoffnungen auf einen höheren Import Chinas angetrieben wird. Doch tatsächlich sind die amerikanischen Exporte zuletzt gesunken, weil Mexiko weniger Schweinfleisch aus dem nördlichen Nachbarland einführte. Doch dabei wird nach Ansicht von Rich Nelson, Analyst bei Allendale, das Potential einfach überschätzt, allzumal sich die Schlachtzahlen auf Rekordniveau bewegen.

Andererseits besteht im reich der Mitte aktuell ein Marktengpass bei Schweinefleisch, der die Großhandelspreise in den vergangene drei Monaten um 47 Prozent nach oben getrieben hat und durch den Ausbruch der Blauohrenkrankheit in der Provinz Schanxi verschärft werden könnte.

Indes befinden sich die Preise indes immer noch im Seitwärtstrend. Die Rindfleischpreise sind schon mehrfach in den vergangene Jahren beim Versuch gescheitert sich auf dauerhaft neue Höhen zu schwingen, wohingegen Schweinefleisch von diesen sogar ein Stück entfernt notiert. Sollte sich indes der asiatische Rindfleischhunger bestätigen, könnte dies den Rindfleischpreisen im Laufe dieses oder des kommenden Jahres gelingen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance / dpa/dpaweb

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