07. April 2008 Mais, das mit Abstand bedeutendste Futtergetreide, ist noch nie so teuer gewesen wie in diesen Tagen. Auf mittlere Sicht sind weitere Preissteigerungen zu erwarten. Dies werden die Verbraucher mit fortschreitender Zeit in höheren Preisen für Fleisch und Geflügel sowie Milch und deren Nachprodukten spüren. Die Ursache für die Hausse am Maismarkt liegt darin, dass die Erzeugung nicht mit dem Verbrauch Schritt hält. Zum einen wächst der Bedarf zur Herstellung von Ethanol als Treibstoffzusatz (Biosprit) besonders in den Vereinigten Staaten rapide. Zum anderen konkurrieren andere Getreide und Ölsaaten mit Mais in vielen Ländern um die verfügbare Anbaufläche.
In der Saison 2008/2009 (Oktober/September) verdrängen in Amerika, dem führenden Produzenten und Exporteur von Mais, vor allem Sojabohnen das Futtergetreide. Dies zeigt die am 31. März erschienene erste Flächenschätzung des Landwirtschaftsministeriums in Washington (USDA). Bei weltweiter Betrachtung kommt es nun wesentlich darauf an, ob 2008/2009 in anderen Ländern vor allem Gerste in ausreichendem Umfang erzeugt wird, um das Wachstum des Bedarfs an Mais zu dämpfen. Doch auch die Verfügbarkeit hocheiweißhaltiger Futtermittel, darunter besonders Sojaschrot, wird darüber entscheiden, ob bei Mais eine akute, die Preise steil in die Höhe treibende Knappheit entsteht. Daneben werden die Preise für den ebenfalls knappen Weizen und damit das Angebot an Futterweizen bis weit ins kommende Jahr hinein einen wesentlichen Einfluss auf Entwicklung am Markt für Mais nehmen.
Noch fehlt der Überblick
Zu diesem Zeitpunkt herrscht noch nicht einmal volle Klarheit darüber, wie hoch die Weltproduktion von Mais in der laufenden Saison 2007/2008 ausfällt. Es ist gerade einmal die erste Hälfte dieses Rechnungsjahres vorüber, und die Ernten auf der südlichen Halbkugel sind zum Teil noch nicht eingebracht. Noch viel weniger kann überblickt werden, wie der Maisverbrauch in diesem Zeitraum schließlich ausfällt. Das USDA hat die Welterzeugung von Futter- oder Rauhgetreide zuletzt auf den Rekord von 1,057 Milliarden Tonnen geschätzt. 2006/2007 wurden rund 980 Millionen Tonnen produziert. Der Verbrauch soll von 1,009 Milliarden Tonnen auf 1,063 Milliarden Tonnen zunehmen. Der Weltvorrat wird nach den Erkenntnissen des Ministeriums in der laufenden Saison schrumpfen und im Verhältnis zur Nachfrage auf einen so geringen Wert fallen, wie er in der modernen Geschichte des Maismarktes noch nie verzeichnet wurde.
Bemerkenswert erscheint, dass die amerikanische Maisproduktion 2007/2008 nach Angaben des USDA bei 332 Millionen Tonnen lag, verglichen mit 268 Millionen Tonnen in der vergangenen Saison. In der laufenden Saison dürften nach Schätzung des Ministeriums knapp 25 Prozent der Ernte zu Ethanol verarbeitet werden. 2006/2007 waren es noch rund 20 Prozent und im vorausgegangenen Rechnungsjahr erst 14 Prozent. Anzumerken bleibt, dass das USDA diese Verarbeitung meist zu gering einschätzt und daher später erheblich revidieren muss. Ein Indiz dafür, dass sich dies auch in der laufenden Saison wiederholt, könnte sein, dass der amtlich ermittelte amerikanische Maisbestand am 1. März weit unter den privaten Prognosen lag.
Preissteigerung würde auf Fleisch und Milch durchschlagen
Was 2008/2009 am Maismarkt zu erwarten ist, kann zu diesem Zeitpunkt nur in vagen Konturen gezeichnet werden. Die Flächenschätzung des USDA lässt jedoch einen starken Rückgang der amerikanischen Produktion erwarten. Als Folge droht am Ende der kommenden Saison rechnerisch ein so drastischer Schwund des Vorrats, dass der Markt tatsächlich aus den Fugen geraten müsste, weil der totale Ausverkauf an Mais stattfände. Bis zum Eintreffen der Ernte 2009/2010 wäre in Amerika praktisch kein Maiskorn mehr vorhanden. Wie der Markt mit dieser Perspektive umgehen wird, dürfte sich schon weit vorher zeigen. Die natürlichste Lösung wäre eine drastische Verteuerung, die die Nachfrage deutlich dämpfen und zugleich einen Anreiz für eine wesentlich höhere Erzeugung bieten würde. Doch der Preis dafür wäre wenigstens vorübergehend gewiss eine ebenso drastische Verteuerung von Fleisch und Milch.
Text: gap. / F.A.Z.
Bildmaterial: ddp